Lysistrada
Prostituierte wechseln wegen neuem Wirtschaftsgesetz häufiger das Etablissement

Die Fachstelle für Sexarbeit im Kanton Solothurn blickt auf ein turbulentes Jahr zurück. Die mit dem neuen Wirtschaftsgesetz eingehenden Schliessungen von Etablissements machte der Fachstelle die Arbeit schwer.

Rahel Bühler
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Das neue Wirtschaftsgesetz macht es der Fachstelle schwieriger, die Sexarbeitenden zu erreichen. (Symbolbild)

Das neue Wirtschaftsgesetz macht es der Fachstelle schwieriger, die Sexarbeitenden zu erreichen. (Symbolbild)

Keystone

Das neue Solothurner Wirtschafts- und Arbeitsgesetz, das auch die Prostitution regelt, machte Lysistrada, der Fachstelle für Sexarbeit im Kanton, auch 2016 zu schaffen: «Wir hatten viele Beratungen, bei denen es um das neue Gesetz ging», blickt Sozialarbeiterin Melanie Muñoz zurück. Sie berichtet von vielen Unsicherheiten, sowohl bei den Sexarbeitenden und Betreiberinnen und Betreibern von Etablissements als auch bei der Fachstelle selbst: «Wir kannten am Anfang die neuen Regeln auch noch nicht und wussten nicht, wie diese anzuwenden waren.»

Das neue Gesetz veränderte das Gewerbe: «Viele Etablissements wurden vorübergehend oder ganz geschlossen. Dadurch haben wir viele Leute nicht erreicht», erklärt Muñoz. An etlichen Orten hätten die Ansprechpersonen gewechselt. «Wir mussten bei der aufsuchenden Arbeit oft wieder bei null beginnen, um Zugang zu den Arbeitsorten der Sexarbeitenden zu bekommen», heisst es denn auch im Jahresbericht. Lysistrada stellte einen starken Anstieg der Mobilität der Sexarbeiterinnen fest: «Wir haben kaum eine Frau zweimal am gleichen Ort angetroffen», so Melanie Muñoz.

Die Sozialarbeiterinnen haben auch 2016 jedes Etablissement im Kanton viermal besucht und waren einmal pro Woche auf dem Oltner Strassenstrich zugegen. Die Kontakte mit Sexarbeiterinnen haben aber im Vergleich zum Vorjahr leicht abgenommen. Ein Grund ist die Schliessung von Etablissements. Ein anderer das Wegfallen des Tänzerinnenstatuts Ende 2015: «Damals haben wir viele Zusatzrunden gedreht. Diese Kontakte sind im vergangenen Jahr weggefallen.»

Knackpunkt Beratungen

Lysistrada berät Sexarbeitende und Betreiberinnen/Betreiber vor Ort oder per Telefon. Dabei werden Themen wie der Ausstieg aus der Sexarbeit, Steuern, Bussen oder Aufenthaltsbewilligungen diskutiert. Knackpunkt vor Ort: Beratungen finden oft in einer zu wenig intimen Atmosphäre statt. Deshalb bietet die Fachstelle seit März 2016 zudem einmal pro Woche einen Beratungsnachmittag an, zu dem sich Interessierte anmelden und nach Olten kommen können.

«Durchschnittlich beraten wir eine Frau pro Monat», weiss Muñoz und ergänzt: «Das ist relativ wenig.» Einen Grund sieht Muñoz in der Geografie des Kantons: «Eine Sexarbeiterin aus Grenchen kommt nicht nach Olten für eine Beratung.» Noch habe sich das neue Angebot zu wenig herumgesprochen, so die Sozialarbeiterin. «Speziell aus diesem Grund müssen wir weiterhin aktiv Werbung dafür betreiben.»