Auszeichnung
Preis in der Krise gegen die Krise: Die Oltner Eventfrog AG erhält den Solothurner Unternehmerpreis

Der Solothurner Unternehmerpreis 2021 geht nicht von ungefähr an die mutig expandierende Oltner Eventfrog AG.

Balz Bruder
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Das sind die Gewinner des Solothurner Unternehmerpreises 2021 (v.l.): Reto Baumgartner, Urs Koller, Mike Müller.

Das sind die Gewinner des Solothurner Unternehmerpreises 2021 (v.l.): Reto Baumgartner, Urs Koller, Mike Müller.

Tom Ulrich / fotomtina

Vor einem Jahr war das Solothurner Landhaus prall gefüllt. Musik spielte auf. Der Apéro wartete auf 350 hungrige Mäuler und durstige Kehlen. Ganz anders am Mittwochabend: Der Saal war leer – über 500 Personen verfolgten die Verleihung des mit 20'000 Franken dotierten Solothurner Unternehmerpreises 2021 auf ihren PCs, Tablets und Natels im Live-Stream.

Und sie kamen trotz fehlendem Ambiente auf ihre Kosten, weil ihnen eine Überraschung präsentiert wurde: Die unabhängige Jury wählte aus einer Vielzahl von Bewerbungen als Preisträgerin nämlich die krisenresistente Firma Eventfrog AG aus. Das junge Oltner Unternehmen erfüllte das Jahreskriterium «Krise als Chance» am besten.

Dabei ist die Trägerin des vom Regierungsrat, der Handelskammer und dem Gewerbeverband verliehenen Preises noch reichlich jung: Eventfrog AG wurde 2016 gegründet und ist demnach fast noch ein Start-up. Gegründet wurde die Firma als Spin-off einer E-Commerce-Agentur von den drei Solothurner Unternehmern Mike Müller, Reto Baumgartner und Urs Koller.

Sie besitzen gemeinsam die Mehrheit der Aktien und haben bis dato einen hohen siebenstelligen Betrag investiert. Zurzeit sind 18 Mitarbeitende bei Eventfrog AG beschäftigt, weitere sollen in den nächsten Monaten folgen. Der Ticketumsatz liegt bereits im zweistelligen Millionenbereich; die Internationalisierung steht mit einem Expansionsschritt nach Deutschland kurz bevor.

Für die Jury ist klar: Die Preisträgerin hat der Veranstaltungs- und Eventbranche mit ihrem Geschäftsmodell einen Weg aufgezeigt, wie für die Tausenden kleinerer Veranstaltungen und Events ein kostengünstiges Ticketingsystem mit Organisationssupport zugänglich gemacht werden kann.

Besonders beeindruckend für die Jury dabei: Dass Eventfrog AG ihr Geschäftsmodell just in der Krise angepasst und sogar ein Unterstützungsprojekt in Form einer Spendenaktion für die gebeutelte Veranstaltungs- und Eventbranche umgesetzt hat, zeige auf, welches Potenzial und welcher Innovationsreichtum in der Firma vorhanden sei.

Die Pläne von Eventfrog AG sind unbescheiden: Es soll eine europaweite Event- und Ticketingplattform geschaffen werden, die kleine Veranstalter administrativ entlastet und finanziell erfolgreicher macht. Ausserdem soll auf der Plattform ein offener Marktplatz für Anbieter von eventnahen Dienstleistungen und Veranstalter entstehen. Eventfrog AG leiste damit einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung einer vielfältigen regionalen Kulturlandschaft in Europa und schaffe einen Gegenpol zum Gigantismus der Event-Konzerne, befindet die Jury.

Nicht von ungefähr sprach Laudatorin Christine Davatz denn auch von «unverwechselbarer Handschrift und tadellosem Ruf», mit dem sich Eventfrog AG als Arbeitgeberin und Dienstleistungsgeberin positioniert und etabliert habe. Schön, wenn der Veranstaltungsfrosch 2022 wieder real statt virtuell durch das Solothurner Landhaus hüpfte.

Die «Kalte Lust» aus Olten ist der Newcomer 2021

«Gesundheit schützen, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erhalten»: Dies war das Motto von Volkswirtschaftsdirektorin Brigit Wyss bei der Begrüssung zur Preisverleihung. Nicht immer ein einfaches Unterfangen, weil es widerstreitende Interessen gibt. 2020 sei schwierig gewesen, 2021 werde anspruchsvoll werden, meinte sie. Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass es am Wirtschaftsstandort Solothurn nach wie vor auch «good news» gibt. Zum Beispiel hoffnungsvolle Neugründungen.

Kein Zufall denn auch, lancierte die Trägerschaft des Unternehmerpreises einen Newcomerpreis, um den bei der ersten Ausrichtung die Firmen Fashion-Promo Tex AG, Olten, Kalte Lust AG, Olten, und WeedControl GmbH, Oberramsern, konkurrierten. Das Verdikt des digital abstimmenden Publikums fiel so aus: Trotz beissender Kälte hatten es die Abstimmenden mit der in der Deutschschweiz immer beliebteren Glace aus der Dreitannenstadt, die nicht nur gut schmeckt, sondern auch fair produziert wird. Das Verdienst von Dominique Mattenberger und Florian Stähli, die den ersten Preis in Empfang nehmen konnten.