Neuendorf

Pinsel statt Blumentopf: Malerlehrling wollte Gärtner werden

Roman von Arb bei einem Einsatz in Niederbuchsiten.

Roman von Arb bei einem Einsatz in Niederbuchsiten.

Der Neuendörfer Roman von Arb wollte eigentlich Gärtner werden - nun hat er die Malerlehre als Kantonsbester absolviert. Wie es nach dem Abschluss weitergeht, weiss der 20-Jährige noch nicht genau.

Eigentlich wollte er immer Gärtner werden, erwidert Roman von Arb auf die Frage, weshalb er sich entschieden hat, eine Malerlehre anzufangen. Nicht Gartenbauer, sondern Zierpflanzengärtner, doch die Lehrstellen in diesem Bereich sind im Kanton Solothurn nur sehr dünn gesät. «Dann habe ich einfach mal eine Schnupperlehre in einem Malergeschäft bei uns im Dorf gemacht, und es gefiel mir. Ich habe mich beworben und die Stelle bekommen», erzählt von Arb.

Wie ein Kochlernender mit dem Salat beginnt ein Malerlehrling mit Abdecken, eine genaue und für den Malerberuf sehr wichtige Aufgabe. «Das meiste, was man als Maler macht, ist die Abdeckungs- und dann die Schlussarbeit, wo alles wieder abgenommen, Lampen und Steckdosen wieder montiert werden.» Mit seinem Lehrbetrieb, dem Malergeschäft Urs Luginbühl aus Neuendorf, war Roman von Arb vor allem in der Region um Neuendorf unterwegs, manchmal im Thal und einmal sogar in Biel.

«Einfache, weisse Anstriche sind schon am meisten gefragt», so von Arb. Aber auch aussergewöhnliche Techniken kämen ab und an vor: Das Speziellste, was er in seiner Lehrzeit machen durfte, sei ein Treppenhaus gewesen, in dem zwei Wände komplett mit Schwammtechnik eingefärbt wurden. Auch Tapeten seien wieder im Kommen, meint der Lehrabgänger. «Nicht die klischeehafte Blümchentapete, es gibt viel innovatives auf diesem Gebiet, zum Beispiel 3-D-Tapete mit Holz- oder Stein-Optik.»

Die Fassade seines Traumhauses sei komplett in Weiss gestrichen, mit Fenstern und Rollläden in Anthrazit, das Ganze kombiniert mit Holzwerk. «Man muss jedoch immer auf die Umgebung und die Beschaffenheit eines Hauses achten, um die richtige Farbe auszuwählen. Jede Farbe kann schön sein, wenn man sie am richtigen Ort einsetzt.»

In der Schule und in den überbetrieblichen Kursen (ÜK) lernt man alles, womit man im Arbeitsleben zu tun hat, detaillierter kennen. «Im Alltag bleibt meist keine Zeit, um etwas genauer anzuschauen oder zu erklären, es muss alles schnell gehen.»

Am Anfang habe er sich gefragt, was es da gross zu lernen gäbe, erzählt von Arb, aber mit der Zeit stellte sich heraus, dass der Malerberuf sehr viele verschiedene Fähigkeiten voraussetzt, vom richtigen Mischen der Farben bis hin zu Berechnungen, wie viel Farbe für eine bestimmte Fläche benötigt wird.

In der Praxis ist das Mischen von Farbe jedoch nur noch selten gefragt, die gewünschte Farbe kann fertig gemischt bestellt werden. An der praktischen Abschlussprüfung wurde diese Fähigkeit jedoch dennoch von den Lernenden verlangt, da sie wichtig sein kann, falls irgendwo etwas ausgebessert werden muss und die richtige Farbe nicht vorhanden ist.

Die Schule sei ihm im Grossen und Ganzen leicht gefallen, meint Roman von Arb. Ausser Allgemeinbildung, dort habe er manchmal etwas Mühe gehabt. «Es war nie mein Ziel, den besten Lehrabschluss zu machen, auch wenn mein Lehrer und mein Lehrmeister die Note 5 von mir erwarteten.» Der Lernende wollte sich selbst nicht unter Druck setzen und einfach sein Bestes geben.

Dennoch habe er bereits im vergangenen Januar angefangen, den Schulstoff der ganzen drei Lehrjahre noch mal durchzugehen, sich Lernkärtchen zu schreiben und alles auswendig zu lernen. Im Nachhinein kann er sagen, dass der Aufwand zu gross war, er viel zu viel gelernt hatte und vieles gar nicht abgefragt wurde. «Man weiss halt nie, was an der Prüfung genau kommt, und muss trotzdem auf alles vorbereitet sein.»

Ein ganz anderes Gefühl hatte er nach der praktischen Prüfung: «Ich dachte, das könnte knapp werden.» Wie sich herausstellte, hatte ihn dieses Gefühl getrügt, er hatte die beste praktische Prüfung im ganzen Kanton abgelegt.

Wie es nun nach dem erfolgreichen Lehrabschluss weitergeht, weiss der 20-Jährige noch nicht genau. Sicher ist, dass er noch ein Jahr in seinem Lehrbetrieb bleiben wird, um sich dann neu zu orientieren. «Ich habe es nie bereut, die Malerlehre angefangen zu haben, aber es ist nicht mein Traumberuf.»

Wenn er drei Jahre zurückdenkt, wird ihm klar: «Ich war nach der Sekundarschule noch nicht bereit, die Entscheidung für mein Berufsleben zu treffen, und hatte Schwierigkeiten mit der Umstellung von der Schule auf die Lehre.» Nun könnte er sich vorstellen, die Berufsmatura abzuschliessen, Fotograf zu werden, aber das alles steht noch in den Sternen. Zuallererst stehen zwei Monate Ferien und eine Reise nach Holland und Island, ein lang ersehntes Reiseziel, auf dem Programm.

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