Vorweg die gute Nachricht: Die Solothurnische Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) beendet auch das zweite Jahr im Budget. 4,94 Millionen Franken hatte der Kantonsrat für die Kesb reserviert. «Wenn alles fertig abgerechnet ist, werden wir sogar ein paar tausend Franken darunter liegen», sagt Claudia Hänzi vom kantonalen Amt für soziale Sicherheit (ASO).

Während in Bern die Kesb vom Grossen Rat zum Beispiel eben einen Nachkredit von 10,7 Millionen Franken für das letzte Jahr bewilligen lassen musste, will sich Hänzi für ihr Ergebnis jedoch nicht feiern lassen: «Es stärkt unsere Zuversicht, zu sehen, dass das auf Basis von theoretischen Zahlen ermittelte Kostendach für die Kesb ausreichend war.»

Anders als in Bern finanziert in Solothurn der Kanton via das Kesb-Budget nur den Betrieb der Behörde. Massnahmen, welche die drei regionalen Kesb (Solothurn, Dorneck-Thierstein/Thal-Gäu mit Sitz in Breitenbach und Balsthal sowie Olten-Gösgen mit Sitz in Gösgen) anordnen, müssen die Sozialregionen und damit die Gemeinden berappen. Dazu gibt es für das vergangene Jahr noch keine Zahlen. Und überhaupt sind Vergleiche zu früher äusserst schwierig, weil das Vormundschaftswesen bis 2012 dezentral von Milizkommissionen organisiert war. Damals wie heute gilt jedoch: Ein, zwei teure Fälle können da schon mal das Budget aus dem Lot bringen.

2014: 8270 neue Dossiers

Balsam für die oft gescholtene neue Behörde ist auch die Entwicklung der Fallzahlen. Anfang Jahr – als die Tötung von zwei Kindern im Zürichbiet, die von der Kesb beurteilt werden sollten, hohe Wellen warf – sagte Claudia Hänzi gegenüber dieser Zeitung: Nach anfänglichen Schwierigkeiten bei der Umsetzung der neuen Organisation würden inzwischen an allen drei Kesb-Standorten mehr Fälle entschieden als eingingen. Jetzt untermauert das Amt für soziale Sicherheit diese Aussage mit Zahlen: 5563 Fälle wurden letztes Jahr kantonsweit erledigt, Ende 2014 waren 2707 Dossiers hängig.

Ein weiterer Gradmesser für die Arbeit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde sind Gerichtsentscheide. Auch hier gibt es jetzt erstmals Zahlen: Von den 202 Entscheiden, die letztes Jahr vor Verwaltungsgericht angefochten wurden, sind lediglich 17 Beschwerden teilweise oder ganz gutgeheissen worden. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zahl der Beschwerden zwar zu, was sich mit dem Aufbau der neuen Behörde jedoch leicht erklären lässt.

Vor Bundesgericht wurde in letzter Instanz bislang kein Solothurner Fall verhandelt. Wie oft die Kesb ihrerseits Empfehlungen vorgelagerter kommunaler oder regionaler Behörde korrigiert, wird vom ASO dagegen erst ab diesem Jahr erhoben. Doch anders, als immer wieder kolportiert wird, komme dies nur bei wenigen sehr gut begründeten Fällen vor, erklärte Hänzi bereits Anfang Jahr.

Datengrundlage wird erweitert

Überhaupt will das Amt für soziale Sicherheit mehr Daten erheben, um die Arbeit der verschiedenen Kesb-Regionen sowie der ganzen Behörde besser vergleichen zu können. Neuerdings wird daher erhoben, auf welche Initiative Fremdplatzierungen zurückgehen. Infrage kommen dazu nebst der Kesb Schulen, Private oder die Sozialhilfe.

Denn auch mit dem neuen Kindes- und Erwachsenenschutzgesetz müssen die Behörden jedem Hinweis nachgehen, auch von Privaten. Via den Notruf der Kantonspolizei können Gefährdungsmeldungen in Solothurn seit zwei Jahren rund um die Uhr aufgegeben werden. Auch dazu liegen jetzt erstmals Zahlen vor: 2013 wurde das Kesb-Pikett ausserhalb der Büroöffnungszeiten im ganzen Kanton insgesamt 48-mal angerufen.

Letztes Jahr waren es bereits 70 Anrufe. Verursachten diese im ersten Jahr über alle Kesb-Regionen betrachtet einen durchschnittlich Aufwand von 42,5 Wochenarbeitsstunden, stieg der Aufwand 2014 auf durchschnittlich 67,5 Wochenstunden. Oder anders ausgedrückt: Jeder Anruf auf das Kesb-Pikett verursacht im Schnitt etwa eine Stunde Aufwand.

All diese Zahlen, so ASO-Chefin Claudia Hänzi, untermauerten, dass die solothurnischen Kesb allen Unkenrufen zum Trotz «gut unterwegs» seien. Die wahre Bewährungsprobe dürfte der neuen Behörde allerdings erst bevorstehen. Wenn sich nun, wie von Hänzi prognostiziert, der Alltag einstellt und nicht mehr alle Argusaugen ständig auf die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde gerichtet sind, die Arbeitsbelastung aber dennoch nicht abnehmen wird.