Auf einen Kaffee mit...
«Pflege ist für mich wie Fahrradfahren»: Nach 4 Jahren Pause hilft Marion Rauber im Impfzentrum mit

Auf einen Kaffee mit ... Marion Rauber, die als gelernte Pflegefachfrau freiwillig im Impfzentrum Solothurn hilft.

Sophie Deck
Drucken
Teilen
Es sei wichtig, dass in der Krise alle ihren Teil beitragen, erklärt Marion Rauber.

Es sei wichtig, dass in der Krise alle ihren Teil beitragen, erklärt Marion Rauber.

Bruno Kissling

Das Arbeiten mit Menschen in der Pflege sei anders als das Arbeiten mit Menschen in der Politik, erklärt Marion Rauber augenzwinkernd. Die Oltner Stadträtin und gelernte Pflegefachfrau sitzt im Kulturlokal «Mokka Rubin», dessen Mitinitiantin sie ist, und erzählt von ihren Erfahrungen im Impfzentrum Solothurn, wo sie seit dem Impfstart von Anfang Januar freiwillig mithilft, indem sie Patientinnen und Patienten impft.

Draussen wütet ein Schneesturm, drinnen brennen Kerzen. Rauber öffnet die Türen des momentan immer leeren Raums für unser Gespräch und bietet stolz ihre eigene Kaffeeröstung an. «In der Politik ist es oft ein Machtkampf», sagt sie und lehnt sich etwas vor. «Jeder versucht zu beweisen, dass sein Lösungsvorschlag der einzig richtige ist.» Dies sei in der Pflege anders: Man arbeite immer zusammen, nie gegeneinander. «Und solange das Problem am Ende gelöst ist, sind alle zufrieden.» Neben ihrem Amt als Stadträtin arbeitete Rauber noch bis vor vier Jahren im Pflegeberuf.

Es sei immer ihre grosse Leidenschaft gewesen. Aber nicht hauptsächlich wegen des Kontakts mit den Patienten. «Ich hatte nie ein Helfersyndrom», grinst sie. «Nichts in mir hat gesagt: Du bist jetzt berufen, dich um diese Menschen zu kümmern.» Allerdings hätten sie von Anfang an die Funktionen des menschlichen Körpers fasziniert, und wie man auf diese von aussen Einfluss nehmen kann. «Wenn zum Beispiel ein Patient viel schwitzt, kocht man ihm einen Salbei-Tee und dann schwitzt er weniger», erklärt sie mit einem faszinierten Lächeln. «Solche Dinge haben mich immer gefesselt.»

Nicht den Beruf zurück gestellt, um zu politisieren

Somit sei es für sie immer klar gewesen, dass sie genau diesen Beruf lernen wollte. Nach ihrer Ausbildung arbeitete sie als Pflegefachfrau im Kantonsspital. Dort begann sie auch langsam zu politisieren, indem sie sich in der Gewerkschaft einsetzte. Doch sie stellt klar: «Ich habe nicht den Beruf für die Politik zurückgestellt. Als ich im Beruf kürzertrat, bot es sich an, stärker politisch aktiv zu sein.»

Mit der Zeit seien die Nachtschichten anstrengender geworden, und zudem hatte Rauber zwei kleine Kinder, da sei das Schlafen tagsüber nicht mehr gut möglich gewesen. «Ich merkte, dass ich diese Unregelmässigkeit nicht mehr einfach so wegstecken konnte», erzählt sie. So arbeitete sie siebzehn Jahre für einen Arzt in seiner Praxis, wo ihre Arbeitszeiten regelmässig waren, und hörte schliesslich ganz auf.

Inzwischen nehme ihr politisches Amt schon die meiste ihrer Zeit in Anspruch, sagt Rauber. Doch dennoch macht sie nebenher die verschiedensten Dinge: Sie unterrichtet Yoga, ist Mitglied des Oltner Fasnachtskomitees und führt mit dem Verein «Mokka Rubin» das Kaffee, in dem auch Kunstausstellungen und andere Anlässe jeglicher Art stattfinden. Dies alles falle im Moment wegen Corona weg. So habe sie, als Freiwillige zur Entlastungen der Krankenhäuser und Altersheime gesucht wurden, «genau die richtigen Kapazitäten» gehabt, so Rauber.

Der Pflegeberuf ist wie Fahrradfahren

Rauber meldete sich gleich am Anfang der Krise und nahm an einem kleinen Auffrischungskurs teil, der vom Kanton angeboten wurde.

Stadträtin Marion Rauber (r.) übt die Reanimation mit Herzdruckmassage und Defibrillator.

Stadträtin Marion Rauber (r.) übt die Reanimation mit Herzdruckmassage und Defibrillator.

Urs Moser

Das habe sie toll gefunden, die Fachfrau, doch für sie sei die Pflege auch wie Fahrradfahren. «Wenn ich einmal weiss, wie man eine Spritze setzt, dann mache ich es, ohne zu überlegen, wieder richtig», erklärt sie. Nach der Schulung ist die Arbeit im Impfzentrum ihr erster Einsatz. Nervös gewesen sei sie gar nicht. Es hätte sich angefühlt, als hätte sie nie eine Pause gemacht.

Und ausserdem sei das Arbeitsklima sofort angenehm gewesen. «Alle nehmen es locker und sind geduldig, die Mitarbeitenden wie auch die Patientinnen und Patienten», sagt die Oltnerin. Es sei ein gemeinsames Lernen. Mit der Logistik habe gleich alles geklappt und die Sache mit den Terminen funktioniere inzwischen auch gut.

Wenn am 4. Februar Olten sein Impfzentrum eröffnet, wird Marion Rauber dorthin wechseln. Sie wirkt optimistisch; Olten könne sich nun natürlich einiges von Solothurn abschauen, meint sie. «Es ist jetzt einfach wichtig, dass jeder seinen Teil beiträgt», sagt sie. «Irgendwann wird diese Krise auch vorbei sein. Und bis dahin schaffen wir es nur gemeinsam.»