Olten

Peter Bichsel liest zum Jubiläum der SP Kanton Solothurn

Der Pfarrsaal war bei der Lesung von Peter Bichsel voll besetzt.

Der Pfarrsaal war bei der Lesung von Peter Bichsel voll besetzt.

Der Schriftsteller Peter Bichsel trat im Rahmen der Feierlichkeiten zum 125-Jahr-Jubiläum der Partei auf. Einige der Texte stammen aus dem letzten Jahrhundert, sind aber aktueller denn je.

Susanne Schaffner, Präsidentin des Organisationskomitees für die Feierlichkeiten, durfte über hundert Gäste im Pfarrsaal der christkatholischen Kirche besuchen. Darunter befanden sich Ständerat Roberto Zanetti und eine grosse Anzahl von National- und Kantonsratsmitgliedern. Aber auch Stadtpräsident Martin Wey kannte keine Berührungsängste und besuchte den Anlass. Schaffner freute sich, dass Peter Bichsel sich bereit erklärt hatte, aus Anlass des Jubiläums aus seinen Werken zu lesen.

Es ist allgemein bekannt, dass Bichsel sich an der linken Partei rieb und mit ihr zu ringen hatte. Der Wahlslogan «Kussecht und vogelfrei» sorgte gar dafür, dass er für einige Zeit aus der Partei austrat. Und doch ist er ein «Sozi» durch und durch und setzt sich immer wieder für «seine» Partei ein. Legendär ist seine Freundschaft mit dem verstorbenen Bundesrat Willi Ritschard.

Macht und Ohnmacht

Bekannt ist der Solothurner für seine Kolumnen. Seine Freundschaft zu einem «Stier, der auch nur ein Mensch war» ist eine Parabel auf Macht. Mit seiner ihm eigenen Stimme zeigt er auf, wie Macht funktioniert. Diese lebt nur von und dank der Angst, die sie verbreitet. 

Es sind nicht neue Texte, die Bichsel vorträgt. Aber sie sind aktueller denn je. Er hat die Episode aus Voltaires Candide aktualisiert, die im von einem Erdbeben heimgesuchten Lissabon handelt. «Drei Randständige erklären Candide die Demokratie» ist ein satirisches Lehrstück, geschrieben mit viel feinem Humor. Mit spitzer Feder lässt Bichsel die drei Randständigen Raymond Broger (1916–1920, Appenzell, Landammann, National- und Ständerat), Niklaus Meienberg (1940–1993, Schriftsteller) und Otto F. Walter (1928–1994, Schriftsteller) frei von der Leber sprechen. Dabei wird niemand geschont, schon gar nicht die sogenannten Volksvertreter.

Liebeserklärung ans Lesen

Bichsel ist aber nicht nur politisch. In «Zwei in einem Märchen» erzählt er von einem deutschen Professor, der jahrelang seinen Urlaub in Montreux verbrachte. Dort sass er in der Lobby des Hotels Palace, in der Hoffnung nur einmal einen Blick auf den Schriftsteller Nabokov werfen zu können. Nach dessen Tod traf der Professor durch Vermittlung eines Hotelangestellten die Witwe des Russen. Diese Geschichte habe er, so berichtet Bichsel, seiner Übersetzerin auf einer Schifffahrt zwischen Lausanne und Chillon erzählt.

Nun, man kann einen Autor kennen und mit ihm zutiefst befreundet sein, ohne ihn je gesehen zu haben. Welcher begeisterte Leser, welche begeisterte Leserin kennt dieses Gefühl nicht. Und es muss nicht Bichsel oder Goethe sein, es darf vermutlich auch Pilcher sein. Tags darauf liest er in Genf, so berichtet Bichsel weiter. Die Buchhändlerin schenkt ihrem Sohn, der nur französisch versteht, ein Buch des Schriftstellers in deutscher Sprache. Der Kleine ist schon bald versunken in die Lektüre, die Worte versteht er noch nicht, aber die Buchstaben. Schöner kann man die Liebe zum Lesen wohl kaum beschreiben.

Als Zugabe gibt Bichsel eine Geschichte zum Besten, die er als Auftragsarbeit für den südwestdeutschen Rundfunk schrieb. Vorgeschrieben waren einzig zwei Worte, die vorkommen mussten: Ticino und Grotto. Entstanden ist eine aberwitzige Geschichte über die Schweizer, die alle vier Sprachen beherrschen, den Poeten Dylan Thomas aus Wales, der nicht walisisch spricht und über Merlot und andere Getränke. Bichsel trug diesen Text wie ein Komiker vor, man hätte ihm noch lange zuhören können.

Bichsel zu Gösgen

Anlässlich der Lesung waren auch Plakate aus der Geschichte der SP Solothurn ausgestellt. Es sind sechs Plakate, die auf verschiedene Themen wie den Generalstreik, das Frauenstimmrecht oder das AKW Gösgen eingehen. Die eigentliche Ausstellung ist auf der Website der SP Solothurn zu finden. Mit historischen Videos, Texten von Historikern und Betroffenen werden die einzelnen Themen vertieft behandelt.

Peter Bichsel wird dabei auch zu Wort kommen und zur Thematik Gösgen Stellung nehmen. Bekannt ist, dass sein Freund der Bundesrat Willi Ritschard stets für das Kernkraftwerk einstand. Man darf gespannt sein, was der Schriftsteller dazu sagt.

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