Das Reservoir an reuigen Steuersündern im Kanton Solothurn muss gross sein. Seit der Einführung der «kleinen Steueramnestie» im 2010 steigt die Zahl der Selbstanzeigen jährlich an. 502 waren es 2016 – sie haben ihr nichtdeklariertes Vermögen respektive Einkommen nachgemeldet.

«Wir haben 290 Fälle definitiv veranlagt», sagt auf Anfrage Marcel Gehrig, Chef des kantonalen Steueramtes. Total seien rund 75,3 Millionen Franken an Vermögen nachbesteuert worden, ohne die im Ausland gelegene Werte. Dabei handelt es sich mehrheitlich um «kleine Fische»: Bei 58 Prozent der veranlagten Fälle geht es um Vermögen unter 200 000 Franken, bei 28 Prozent um solche zwischen 200 000 und 500 000 Franken, bei 8 Prozent um Summen zwischen 500 000 und einer Million Franken.

Immerhin bei 6 Prozent der Fälle betrug das nachversteuerte Schwarzgeld über 1 Million Franken. Darunter befand sich ein «grosser Fisch». «Das höchste einzeln nachdeklarierte Vermögen lag bei 3,5 Millionen Franken», so Gehrig.

Angst vor dem Datenaustausch

Für den starken Anstieg der Selbstanzeigen im vergangenen Jahr gibt es einen Hauptgrund. Seit Anfang Jahr ist das Gesetz über den grenzüberschreitenden Informationsaustausch in Kraft. Die Schweiz liefert einerseits im Inland gesammelte Steuerdaten an die ausländischen Steuerbehörden.

Andererseits erhält sie im Gegenzug die gleichen Daten aus dem Ausland für hier niedergelassene Steuerpflichtige. Und sobald diese Daten in der Schweiz eintreffen und die Steuerbehörde also Kenntnis davon hat, ist eine straflose Selbstanzeige nicht mehr möglich. Gehrig: «Es hat im vergangenen Jahr viele Selbstanzeigen für ausländische Liegenschaften und dazugehörigen Bankkonten gegeben.»

So gesehen sei der Anstieg keine Überraschung. Zudem vermutet Gehrig auch einen Wertewandel bei den Steuerpflichtigen im Sinne, dass Steuerhinterziehung kein Kavaliersdelikt sei. Ferner würden Banken und Vermögensberater ihren Kunden zur Selbstanzeige raten.

Millionen für den Fiskus

Von der Steueramnestie profitieren nicht nur die Steuersünder – er muss keine Busse bezahlen – sondern auch die öffentliche Hand. So kann der Fiskus für 2016 etliche Millionen an Zusatzeinnahmen verbuchen. Gehrig beziffert diese für die Staatssteuer auf 1,8 Millionen und für der Bundessteuer auf 0,6 Millionen Franken.

Bei einem durchschnittlichen Gemeindesteuersatz von 115 flossen zudem 2,1 Millionen Franken in die Gemeindekassen. Insgesamt seit der Einführung der Regelung kam der Kanton zu Mehreinnahmen von 20 Millionen, der Bund von 7,6 Millionen und die Gemeinden von 23 Millionen Franken.

Bei den reuigen Steuersündern handelt es sich offensichtlich nicht um Einzelfälle. Im Zeitraum 2011 bis 2016 (Zahlen für 2010 sind nicht bekannt) wurden, so Gehrig, 2225 Verfahren aufgrund von Selbstanzeigen eingeleitet, 162 davon wieder eingestellt. Bei einer Gesamtzahl von rund 165 000 Steuerpflichtigen entspricht dies einem Anteil von immerhin 1,3 Prozent. Im erwähnten Zeitraum wurden Vermögen in der Höhe von 574 Millionen Franken nachbesteuert.