Tourismusforum

Noch nie gab es so viele Logiernächte in Solothurn – heisser Flirt mit dem Aargau

Die Zahlen von Solothurn Tourismu sind eindrücklich – strategisch muss sich die Kooperation mit Aargau Tourismus erst beweisen.

«Wir haben jetzt zehn Jahre Erfahrung mit Jura Trois-Lacs gesammelt – wurden aber eher als deutschsprachige Randregion wahrgenommen.» Das sagte Michael Hug, Präsident des Vereins Region Solothurn Tourismus an der Generalversammlung Anfang Mai des vergangenen Jahres. Und stellte damit die Vertragsauflösung auf Ende 2019 in Aussicht.

Touristischer Alleingang oder Kooperation? Diese Frage war in der Folge rasch beantwortet: «Wir brauchen eine Anbindung, sonst verschwinden wir von der Landkarte.» Was Hug damit am jüngsten Tourismusforum ausdrücken wollte: «Wir sind froh, mit Tourismus Aargau einen Partner gefunden zu haben, der gleich tickt.»

«Allein geht es nicht», steht für Solothurn fest

Viele Vorschusslorbeeren also für eine gerade einmal ein paar Tage alte Kooperation, die alle Züge eines zarten Pflänzchens trägt. Das weiss auch Jürgen Hofer, Direktor von Solothurn Tourismus. Es brauchte denn auch noch reichlich Fantasie, um sich eine Vorstellung davon machen zu können, welche Früchte das Bäumchen dereinst tragen soll. Immerhin: Die Chemie zwischen Hofer und seinem Aargauer Pendant Andrea Portmann stimmt offensichtlich. Im Gegensatz zur etwas verbrauchten Beziehung mit den Exponenten von Jura Trois-Lacs.

Gerade auf eine Heirat zusteuern müsse man deswegen nicht, meinten sowohl die Aargauer als auch die Solothurner vor den rund 200 Gästen im Alten Spital zu Solothurn unisono. Aber schauen, was nach der Phase des Abtastens und Beschnupperns noch werden könnte – das liege aber allemal drin. Weil vor allem die Solothurner wissen: «Allein geht es nicht», wie es Hofer auf den Punkt brachte.

Es ist also ein gerüttelt Mass an Arbeit, das auf Solothurn Tourismus zukommt. Aber der Zugang zu den Töpfen von Schweiz Tourismus will verdient sein. Trotz begrenzter Mittel. Trotz fehlendem Leistungsauftrag. Trotz langsam mahlender Polit-Mühlen. Wie dem auch sei: Die von Präsident Hug als «bilaterales Abkommen» titulierte Kooperation mit Tourismus Aargau könnte ein Türöffner sein. Und dafür lässt Solothurn Tourismus nichts unversucht. Neben einer neuen Website und einer Vielzahl von Projekten, die dafür sorgen sollen, dass die Tourismusregion eben gerade nicht vom Radar der Touristinnen und Touristen verschwindet, soll auch eine Kommunikationsagentur künftig helfen, das Produkt Solothurn Tourismus zu vermarkten. Gere Gretz, Chef der gleichnamigen Berner Firma, sagte es so: «Solothurn hat nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient.»

Marketing und Public Relations in Ehren – wer ernten will, muss zuerst säen. Oder, wie sich Tourismus-Aargau-Direktorin Portmann ausdrückte: «Ohne Identität geht es nicht.» Eine Aussage, die sie nicht aus dem hohlen Bauch heraus machte, sondern aus eigener, zum Teil auch leidvoller Erfahrung. Der Aargau war lange ein «terrain vaste», bevor er sich zum selbstbewussten, ausstrahlenden und anziehenden Territorium mauserte. Diesen Weg hat Solothurn Tourismus zu einem schönen Teil noch vor sich – eine Arbeit, die es selber zu leisten gilt, wie sich Hofer bewusst ist. Aber vielleicht geht es etwas leichter mit einem Partner, der die Strecke schon hinter sich gebracht hat. Und zudem mit Solothurn bereits kooperiert. Genauer: Die Stadt Olten kooperiert mit Aargau Tourismus. Und die Erfahrungen sind dergestalt, dass sowohl für Portmann als auch für Hofer einer Ausweitung nichts im Wege stand.

In der von Anita Panzer souverän geleiteten Podiumsdiskussion sprach denn auch ein Ausstehender von einer «grossen Chance». Richard Kämpf, Leiter der Tourismuspolitik beim Staatssekretariat für Wirtschaft, attestierte dem noch vergleichsweise formlosen Zusammengehen der beiden Partner jedenfalls Potenzial. Mehr noch: Kämpf plädierte offen für «Ökonomie der Kräfte» und «kritische Grösse». Er weiss, wovon er spricht: Der Tourismus hierzulande ist zwar wirtschaftsmächtig, angesichts der Grösse des zu vermarktenden Gebietes und der Vielzahl konkurrierender Destinationen aber angewiesen auf Angebote, die sich gegenseitig befruchten statt sich im Wege zu stehen.

Oder zwischen Stuhl und Bank zu fallen, wie es für das in alle Himmelsrichtungen orientierte Solothurn zuweilen der Fall ist. Präsident Hug mag sich bei der Auseinandersetzung mit der strategischen Neuausrichtung von Solothurn Tourismus an die vor einem Jahr an gleicher Stelle dargelegte Weissenstein-Saga erinnert haben. Der Tourismus in diesen Breiten hat etwas Schicksalhaftes.

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Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

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