Kanton Solothurn

Noch keine verbesserten Arbeitsbedingungen: Vorerst bleibt für das Pflegefachpersonal Respekt der Lohn

Das Pflegepersonal erfährt seit der Coronakrise mehr Respekt.  (Themenbild).

Das Pflegepersonal erfährt seit der Coronakrise mehr Respekt. (Themenbild).

Die Wertschätzung gegenüber dem Pflegefachpersonal ist während der Coronakrise diesen Frühling gewachsen, der Respekt ist geblieben. Ob dem konkrete Taten folgen, zeigt sich im August.

Im März und im April stand das Pflegefachpersonal in den Spitälern und den Altersheimen im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit: Die Bevölkerung klatschte für diejenigen, die in den Spitälern im Einsatz waren, und vor dem Kantonsspital Olten wurde dem Pflegefachpersonal und den Ärzten mit einem grossen Plakat gedankt.

Mittlerweile ist es etwas ruhiger geworden um diejenigen, die Tag für Tag andere Menschen pflegen. Der Respekt, der dem Pflegefachpersonal im Frühling plötzlich entgegengebracht wurde, ist aber geblieben. Das zeigt eine Anfrage bei der Sektion Aargau-Solothurn des Schweizerischen Berufsverbands für Pflegefachpersonal SBK.

«Die Haltung der Bevölkerung und der Patienten gegenüber dem Personal hat sich spürbar verändert», so Erik Grossenbacher, der Leiter der Geschäftsstelle. «Vielen Menschen war bekannt, wie hart ein Beruf im Bereich der Pflege ist. Wie wichtig diese Arbeit aber gleichzeitig ist, haben viele erst im Frühling realisiert». Im Idealfall könne sich dieses Bewusstsein auf die Zahl der Lernenden im Pflegebereich auswirken, weil die Arbeit nicht mehr nur als hart wahrgenommen werde.

Die Bedingungen haben sich noch nicht verbessert

Ob dem Respekt, der dem Personal entgegengebracht wird, nun konkrete Taten folgen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. «Ob sich durch Corona etwas verbessert hat oder in Zukunft verbessern wird, ist noch offen. Lohnverhandlungen werden im Kanton Solothurn erst im August aufgenommen», so Grossenbacher. Auch wie in Zukunft mit den Anliegen des Pflegefachpersonals umgegangen wird, sei noch offen. Etwa die Frage, wie das Personal die Minusstunden, die zum Teil durch die aufgrund des Coronavirus angepassten Arbeitspläne entstanden sind, abbauen kann.

«Grundsätzlich kann gesagt werden, dass sich nicht nur die Löhne, sondern auch die Arbeitsbedingungen ändern müssen», so Grossenbacher. Auch im Kanton Solothurn.

Wie mit den Anliegenden des Pflegefachpersonals auf nationaler Ebene umgegangen wird, ist laut Grossenbacher bisher nicht zufriedenstellend. Erst im Juni hat der Ständerat einen indirekten Gegenvorschlag zur Pflege-Initiative verabschiedet. Dieser sei schlechter als die Variante, die der Nationalrat erarbeitet habe. Auf ihrer Website sammelt die Sektion Aargau-Solothurn des SBK deshalb Unterschriften für einen Appell an die Politik.

Der Appell fordert die Politikerinnen und Politiker dazu auf, sich für die Forderungen der vom SBK lancierten Pflege-Initiative auszusprechen. Der Verband lancierte den Appell am Tag der Pflege am 12. Mai. Bisher hat der SBK 70'000 Unterschriften gesammelt, 100'000 Unterschriften sind das Ziel. «Wir gehen davon aus, dass wir auch wegen der Vorkommnisse in diesem Frühling so schnell so viele Unterschriften sammeln konnten», so Grossenbacher.

Autor

Rebekka Balzarini

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