Gesundheit

Nicht nur Solothurn muss im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie umdenken

Die Solothurner Spitäler AG organisiert ihre psychiatrischen Dienste neu. (Symbolbild)

Die Solothurner Spitäler AG organisiert ihre psychiatrischen Dienste neu. (Symbolbild)

Zu wenig Fachkräfte und mehr kranke Kinder und Jugendliche zwingen auch andere Kantone zu Kooperationen.

Wenig Ärzte, dafür Patienten mit immer komplexeren Bedürfnissen: Diese Konstellation hat die Solothurner Spitäler AG soH dazu bewogen, ihre psychiatrischen Dienste neu zu organisieren.
Die soH will mehr ambulante Behandlungen anbieten, dafür werde die 18 stationären Plätze nach Liestal, Bern oder Basel ausgelagert. Das gab die soH Mitte Januar bekannt.

Der Entscheid sorgte bei Politikern und niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiatern für Kopfschütteln. Aber dass die soH die stationären Plätze an andere Standorte verschiebt bedeutet nicht zwingend, dass die Versorgung leidet. Das schreibt Susanne Walitza, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie (SGKJPP) auf Anfrage.

Besonders positiv wertet Walitza die Pläne der soH, in Zukunft mehr aufsuchende Behandlungen durchzuführen. Bei diesen Behandlungen werden Kinder und Jugendliche daheim besucht, so können sie in ihrem gewohnten Umfeld bleiben. «Mit einem Angebot an aufsuchender Behandlung lässt sich ein weiterer Teil des Bedarfes an stationären Plätzen kompensieren», so Walitza. Wichtig sei aber, dass der Bedarf an stationären Plätzen gesichert ist - im Kanton Solothurn wäre dies durch die Zusammenarbeit der soH mit den Universitätskliniken in Bern und Basel gegeben.

Ein Blick über die Kantonsgrenze zeigt: Auch in anderen Teilen der Schweiz gibt es zwischen den Kantonen im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie Kooperationen. Ein Beispiel dafür sind ist die Zusammenarbeit der Kantone Uri, Schwyz und Zug. Im Rahmen der Zusammenarbeiten unterhält der Kanton Uri keine eigene stationäre Abteilung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Zusammenarbeit wird begrüsst

Die verschiedenen Formen der Zusammenarbeit zwischen den Kantonen werden «grundsätzlich begrüsst», schreibt die Walitza. «In unserem Fachgebiet findet eine zunehmende und notwendige Spezialisierung statt, die nicht mehr an allen Häusern gewährleistet werden kann», schreibt die Gesellschaft weiter. Neben einer zunehmenden Spezialisierung kämpft der Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie laut Walitza auch mit einem Mangel an Fachkräften. Dieser gehe einher mit einer Zunahme von psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen – so seien in den letzten Jahren mehr Kinder und Jugendliche an Depressionen erkrankt, und die Zahl der Notfälle wegen Suizidalität habe zugenommen.

Auch das Geld spielt eine Rolle: der Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist laut Walitza nicht ausreichend finanziert, weil die festgelegten ambulanten und stationären Tarife die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen berücksichtigen. Wenn Ärzte also für die Betreuung eines Kindes auch mit Lehrpersonen oder Jugendarbeitern sprechen, dann wird diese Zeit laut Walitza nicht ausreichend vergütet.

Ganz unkritisch sieht es Walitza aber doch nicht, wenn Kantone Teile der Kinder- und Jugendpsychiatrie auslagern: «Wenn ein Kanton das stationäre Angebot als Sparmassnahme abbaut und geringfügig die Ambulanz ausbaut um die Gemüter zu besänftigen, macht das wenig Sinn.» Wie die Zukunft der Kinder- und Jugendpsychiatrie im Kanton Solothurn aussieht ist noch nicht bekannt: Die soH will in den nächsten Wochen ein Konzept ausarbeiten und dieses zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen.

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