Vom Abbau betroffen ist primär die Abteilung Entwicklung – die Jobs werden ins Ausland verlagert, schwergewichtig nach Indien. Diese Pläne eröffnete am Dienstagmorgen Managing Director Ulrich Blatter den Sozialpartnern. Innerhalb von nur drei Jahren ist dies nun bereits die dritte Abbaurunde bei Mitel Schweiz (zuvor Aastra, noch früher Ascom) in Solothurn. Erst im Februar 2014 war die ebenfalls kanadische Aastra-Gruppe vom Mitel-Konzern geschluckt worden. Seither wird nur noch abgebaut.

Gemäss Mitel-Chef Blatter läuft nun bis zum 27. Juli das gesetzlich vorgesehene Konsultationsverfahren, in dem die Sozialpartner allenfalls Vorschläge für alternative Lösungen vorbringen können. Die Kündigungen sollen aber nichtsdestotrotz bereits per Ende Juli ausgesprochen werden. Da der erneute Aderlass anzahlmässig in die Kategorie «Massenentlassung» fällt, sollen die Betroffenen vom bestehenden Sozialplan profitieren können, hiess es am Dienstag.

«Salamitaktik» bestätigt sich

Auf Arbeitnehmerseite fallen die Reaktionen geharnischt aus: «Die Strategie von Mitel weist aus Sicht der Angestellten Schweiz suizidale Tendenzen auf», heisst es in einer Mitteilung. Vor zwei Jahren bereits sei angekündigt, worden einzelne Forschungs- und Entwicklungsarbeitsplätze ins Ausland zu verschieben. «Nun soll praktisch die ganze Abteilung folgen. Die Angestellten Schweiz fordern, diese Massnahme nicht umzusetzen, weil sie den ganzen Betrieb gefährdet.»

Von einer «Fortsetzung der Salamitaktik» spricht auch ein empörter Zabedin Iseini, Regionsverantwortlicher Olten-Solothurn der Gewerkschaft Syna. Einmal mehr wiederhole Mitel zur Begründung des Abbaus die «alte Leier vom Marklt, der sich rapide verändere, sinkenden Preisen und kostengünstigerer Konkurrenz.» All diese Faktoren seien längst bekannt und es zeige sich, dass es «das Unternehmen leider verpasst hat, sich diesen Veränderungen am Markt anzupassen». Den Preis für diese «unverständlichen Versäumnisse» müssten nun einmal mehr die Beschäftigten bezahlen.

Jonas Motschi, Chef des kantonalen Amtes für Wirtschaft und Arbeit, hat von den Plänen «mit grossem Bedauern» Kenntnis genommen. Der Fall zeige, dass regionale Befindlichkeiten in einem Weltkonzern keine Bedeutung hätten. Unter diesen Voraussetzungen bezweifelt Motschi, «dass der Mitel-Standort Solothurn auf Dauer eine Zukunft hat».

Alternativen suchen

Angestellte Schweiz und Gewerkschaften fordern die Geschäftsleitung von Mitel Schweiz AG auf, zusammen mit der Arbeitnehmervertretung Alternativen zur Verlagerung von Forschung und Entwicklung auszuarbeiten. Notfalls sei zugunsten der Entlassenen alles zu unternehmen, um Härtefälle zu vermeiden. Die Kündigungsfrist der Betroffenen sei zu verlängern, Umschulungen anzubieten und älteren Personen eine vorzeitige Pensionierung anzubieten.