Region Solothurn

Neue Kanäle: Jetzt bringen auch Private Pflanzen an die Hobby-Gärtner

Das Angebot online und in den Quartier-Aussenstellen (hier in Bellach) wird laufen aktualisiert.

Das Angebot online und in den Quartier-Aussenstellen (hier in Bellach) wird laufen aktualisiert.

Jost Pflanzen aus Wiedlisbach hat sich innert einer Woche neu aufgestellt. Während Blumenfreunde in ihren Quartieren die Bestellungen für Pflanzen aus der Gärtnerei aufnehmen, ist noch ein Onlineshop entstanden.

«Wir haben Freude an unserem Beruf. Meine Leute sind wieder sehr motiviert. Es herrscht eine ganz andere Stimmung im Betrieb.» Martin Jost freut sich. Bei der Jost Pflanzen AG mit 80 Angestellten, die an den drei Standorten Wiedlisbach, Rüfenacht und Schwadernau Topfpflanzen für Grossverteiler und weitere Wiederverkäufer produziert, laufen die Telefone heiss. Ein neuer Kanal wurde entdeckt: «Leute, die Blumen sehr gerne haben» und die Gärtnerei unterstützen wollen, würden in ihren Quartieren Bestellungen aufnehmen, sagt Jost. Die vorbestellten und bezahlten Pflanzen werden dann von der Gärtnerei direkt dorthin geliefert, wo sie zu Fuss abgeholt oder von den Initianten nach Hause gebracht werden – alles Corona-konform.

Im Angebot sind alle Pflanzen, die gerade blühen. Während die Primeli langsam durch sind, kommen in den nächsten zwei Wochen Geranien und Balkonpflanzen aus Eigenproduktion ins Sortiment. Die Nachfrage nach Blumenerde ist laut Jost gross, deshalb wird auch diese angeboten. Für ihn ist klar: Es ist ein Bedürfnis. «Die Leute kaufen nicht nur aus Mitleid.»

Das Engagement der Privaten ins Rollen gebracht hat ein Artikel dieser Zeitung über Gärtnereien und ihr Leid, der am letzten Wochenende erschien. Dieser sei auf sehr grosse Resonanz gestossen, sagt der Geschäftsführer. Viele hätten sich gemeldet. Ihnen sei nicht bewusst gewesen, dass die Pflanzen aus der Schweiz kommen und nicht nur aus Holland. Jost Pflanzen kann auf grosse Unterstützung zählen, und das freut den Chef.

Blumen auf dem Vorplatz

Eine der offiziellen Verkaufsstellen bei Privaten ist in Bellach zu finden. Patricia Rufer hat seit Donnerstag drei Wägelchen mit verschiedenen Blumen und dazu Erde auf dem Vorplatz ihres Hauses stehen. Die Inhaberin einer Marketingfirma, die vor allem in der Tourismusbranche Aufträge hat, ist selbst von der Coronakrise betroffen und hat Kurzarbeit beantragt. «Daher habe ich auch Kapazität», meint die Hobbygärtnerin. Die Bellacherin hat mitbekommen, wie hart es die Gärtnerei trifft. «Das hat mich sehr beschäftigt.» Sie wollte helfen und nahm Kontakt mit Martin Jost, einem Freund der Familie, auf. Dieser nahm das Angebot dankend an.

Im Quartier hat Patricia Rufer Bestelllisten in die Briefkästen verteilt, dazu macht sie auf Facebook auf das Angebot aufmerksam. Am Freitag habe es sich wie eine Welle verbreitet. «Das ist erfreulich», meint Rufer, die nun von fremden Menschen kontaktiert wird. Die Verkaufsstelle hat sich eben per Mund-zu-Mund-Propaganda in Windeseile herumgesprochen. Die Nachfrage nach Geranien und mehrjährigen Pflanzen sei am grössten, sagt die Marketingspezialistin. «Es hat auch wunderschöne Stiefmütterchen.»

Eine Woche lang will sie schauen, wie der Verkauf läuft. Wenn die Nachfrage noch da ist, will sie weitermachen. 

«Es lenkt uns ab»

In der Region gibt es neben Bellach weitere Aussenstellen in Lüterkofen, Subingen und Halten. Über die sozialen Medien und WhatsApp verbreitet sich das Angebot der einzelnen Standorte. «Das ist höchst dynamisch», meint Martin Jost. Er macht sich keine Illusionen: «Das wird nicht die grosse Menge, die uns rettet. Aber es lenkt uns ab.»

Zudem ist er einfach froh, aufgezogene Pflanzen nicht nur wegwerfen zu müssen. Seit dem Coronalockdown hat Jost Pflanzen Blumen im Warenwert von 200'000 Franken kompostiert. Das entspricht rund 150'000 Pflanzen, die in den rund 6 Hektar grossen Gewächshäusern der Gärtnerei aufgezogen wurden. 

Onlineshop soll weitergeführt werden

Neben den Verkaufsstellen gibts auch Änderungen auf der Homepage der Jost Pflanzen AG. In einer Nacht- und Nebelaktion entstand ein Onlineshop, der seit Donnerstagabend aufgeschaltet ist. «Und dort sind auch schon erste Bestellungen reingekommen», erzählt der Geschäftsinhaber. Auch hier werden die Produkte laufend angepasst. Bestellungen werden zur Abholung bereitgestellt oder nach Hause geliefert. 

Dass ein Onlineshop so rasch von seinen Mitarbeitenden akzeptiert würde, hätte Martin Jost nie gedacht. «Das wird keine Notmassnahme», betont er. Wenn die Coronakrise vorbei ist, will er den Shop aufrechterhalten. 

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