Biodiversität

Neuauflage der Förderprogramme als «Meilenstein für den Naturschutz im Kanton»

Solothurn investiert in Artenvielfalt: Wie viel weiss die Regierung über Flora und Fauna?

Solothurn investiert in Artenvielfalt: Wie viel weiss die Regierung über Flora und Fauna?

Der Kanton Solothurn will 65 Millionen Franken in die Artenvielfalt investieren. Tele M1 begleitete die Solothurner Regierung auf einer Exkursion ins Grüne.

Der Regierungsrat will die Biodiversität weiterhin gezielt fördern. Die Erfolgsgeschichte des Kantons geht auf eine freiwillige Beteiligung der Land- und Waldbesitzer und auf eine «angemessene Entschädigung» zurück.

Als Pionier in der Förderung der Biodiversität soll der Kanton Solothurn das gute Werk weiterführen und ausbauen. Der Regierungsrat hat beschlossen, die auslaufenden Mehrjahresprogramme «Natur und Landschaft» und «Biodiversität im Wald» für die Zeitspanne 2021-2032 neu aufzulegen und dem Kantonsrat einen Kredit von 65  Mio. Franken zu beantragen.

Am Waldrand in Bettlach erklärten die Verantwortlichen gestern die Zusammenhänge zwischen dem Artenschutz und unserer Lebensgrundlage und zeigten «die schönste Blume», die glücklicherweise bisher von keinem Reh gefressen wurde. In den kommenden elf Jahren soll der Schwerpunkt bei der Vernetzung liegen, Vernetzung zwischen Waldrändern und Hecken, zwischen Ufergehölzen, Altholzinseln und wertvollen Biotop-Bäumen im Wald sowie zwischen ungedüngten Heuwiesen und ökologisch wertvollen Juraweiden. Derzeit profitieren knapp zehn Prozent der landwirtschaftlichen Flächen und 13 Prozent des Waldes von den zwei Förderprogrammen. 1000 Bewirtschafter mit 2500 Vereinbarungen beteiligen sich allein im Programm «Natur und Landschaft» bereits an der Aufwertung der Flächen.

Freiwilligkeit als Rezept zum Erfolg

Begonnen hat die Geschichte mit der Förderung der Biomatten in den Achtzigerjahren und der Aufwertung im Wald in den Neunzigerjahren. Dabei setzt der Kanton auf eine freiwillige Beteiligung der Land- und Waldbesitzer und auf eine «angemessene Entschädigung». Damit ist die Solothurner Biodiversitätsförderung nach Aussage von Regierungsrat Roland Fürst, dem Vorsteher des Bau- und Justizdepartements, zur Erfolgsgeschichte geworden. Das Modell sei von anderen Kantonen kopiert worden. «Biodiversität hält uns gesund und füllt uns den Teller», sagte er. In der Neuauflage der beiden Förderprogramme sieht er einen «Meilenstein für den Naturschutz im Kanton».

Frau Landammann Brigit Wyss ist ebenfalls überzeugt, dass «das Geld sehr gut angelegt ist und die gelebte Partnerschaft von Bund, Kanton und Gemeinden sich auch künftig bewähren wird». Im Verteilschlüssel soll der Kanton in den zwölf Jahren 19,2 Mio. Franken aus dem Natur- und Heimatschutzfonds sowie dem Forstfonds aufwenden. Zur Veranschaulichung der bisher geleisteten Arbeit dienten Flächen der Bürgergemeinde Bettlach am oberen Siedlungsrand.

Thomas Schwaller, Leiter Natur und Landschaft im Amt für Raumplanung, zog aus der kniehohen Wiese, die seit 2002 ungedüngt geblieben ist, einen zuvor gepflückten Strauss Wildblumen mit Flockenblume, Hafermark und Wiesensalbei. Es sei nicht nur wichtig, wann gemäht wird (am 20. Juni), sondern auch wie – mit dem Balkenmesser statt dem Kreismäher, sagte er. Ein Rückzugsstreifen ungemähte Wiese entlang der Hecke soll das Überleben der Insekten sichern, und die Hecke selbst soll im nächsten Winter verjüngt und mit gezielten Holzschnitten gepflegt werden.

Auch die Arbeit, die im Kanton bisher an 135 Kilometern Waldrand geleistet wird, lässt sich am Berghang gut zeigen. «Seien wir ehrlich, wenn der Förster da tätig wird, sieht das zuerst einmal nicht schön aus», sagte Rolf Manser mit Blick auf die Lücken im Baumbestand neben dem Weg. Der Chef des Amtes für Wald, Jagd und Fischerei erklärte, weshalb ein gestufter, unregelmässiger Waldsaum für Tiere und Pflanzen so wertvoll ist: Dank dem Licht in Bodennähe könnten sich gefährdete Arten endlich wieder ausbreiten.

Wenige Schritte zwischen die Bäume genügten, damit er eine Trouvaille präsentieren konnte, die seit dem Holzschlag letzten Herbst bereits gewachsen ist: ein Türkenbund. «Die schönste Blume steht im Wald», kommentierte er die seltene Orchidee.

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