Mario Fuchs

Nackter «Tatort»-Praktikant: «Sich seelisch zu entblössen, ist die grössere Herausforderung»

Praktikant Silvan Bühler (Mario Fuchs) trifft am Morgen nackt auf Kommissar Reto Flückiger.

Praktikant Silvan Bühler (Mario Fuchs) trifft am Morgen nackt auf Kommissar Reto Flückiger.

Der Solothurner Schauspieler Mario Fuchs hat im «Tatort» einen Auftritt. Wie es ist, nackt vor die Kamera zu treten und wie die Arbeit mit der Tatort-Crew war, erzählt er Interview.

Ihr Auftritt als nackter Praktikant in der Wohnung der Kriminaltechnikerin ist der lustigste im ganzen Tatort.  Dass Sie nackt um die Ecke kommen, damit hat wohl kein Zuschauer gerechnet. Wie bereitet man sich auf so einen Auftritt vor? Oder ist Nacktsein das Normalste auf der Welt für einen Schauspieler?

Ja, diese Nacktszene. Tatsächlich braucht es nicht besonders viel Mut, sich vor der Kamera oder im Theater auszuziehen. Nacktheit ist dann einfach ein Kostüm. Eine viel herausfordernde Aufgabe für einen Schauspieler ist es, sich seelisch zu entblössen, wirklich etwas von sich, seinem Fühlen und Denken, preiszugeben. In solchen Situationen macht man sich ungleich verletzbarer. Aber ganz abgesehen davon: Der Regisseur Markus Welter hat am «Tatort»-Set eine sehr entspannte Atmosphäre geschaffen. Ich konnte ihm und dem ganzen Team hundertprozentig vertrauen.

Mario Fuchs im Tatort. Als Praktikant Silvan Bühler muss er einmal ganz nackt auftreten.

Mario Fuchs im Tatort. Als Praktikant Silvan Bühler muss er einmal ganz nackt auftreten.

Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

Markus Welter und ich haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden. Er hat am Set eine konzentrierte, aber entspannte Atmosphäre geschaffen, in der man sich gegenseitig vertrauen konnte. Das ist das Wichtigste. Er ist ein erfahrener Schauspielerregisseur, er gibt präzise Regieanweisungen und sucht den Dialog mit seinen Spielern. So entsteht ein lebendiger Austausch.

Und wie war die Arbeit mit den «alten Tatort-Hasen» Stefan Gubser, Delia Mayer und Fabienne Hadorn?

Das gesamte «Tatort»-Team ist wie eine große Familie. Man arbeitet konzentriert, zugleich ist die Stimmung entspannt und gut. Wie alle erfahrenen Kollegen bringen auch die «Tatort»-Kommissare eine große Gelassenheit und Selbstverständlichkeit in Bezug auf ihre Arbeit mit ans Set, von ihrem Erfahrungsschatz kann man junger Schauspieler sehr viel lernen.

Wie würden Sie Silvan Bühler, ihre Rolle im «Tatort», beschreiben?

Silvan sorgt für die komische Note im Film. Er kommt als absoluter Grünschnabel zur Polizei und wird schon am ersten Tag mit einer Leiche konfrontiert. Das überfordert ihn zunächst total. Überhaupt ist die ganze Polizeiarbeit sehr aufregend für ihn, da lauern überall Fettnäpfchen. Er lässt sich davon jedoch nicht beirren und trägt mutig immer mehr zur Lösung des Falles bei. Er wandelt sich also während des Films vom ängstlichen Anfänger zu einem mutigen Helfer. Eigentlich ist er der heimliche Held des Films (lacht).

Haben Sie etwas gemeinsam?

Silvan hat ein großes Herz und eine blühende Phantasie. Das gefällt mir. Ich mag auch sein bedingungsloses Staunen über das, was um ihn herum geschieht sowie seinen liebevollen und aufrichtigen Blick auf die Welt. Davon kann man sich was abschneiden.

Wie einfach oder schwierig war es für Sie, die Rolle im «Tatort» zu bekommen?

Um eine Rolle in einem Fernsehfilm zu besetzen, wird vorab meistens ein Casting gemacht. Ob man selber dann für die Rolle besetzt wird, hängt von vielen Faktoren ab, man kann das nicht steuern. In diesem Fall hat mich Corinna Glaus, mit der ich bereits 2010 beim Filmnachwuchsprojekt «Junge Talente» zusammengearbeitet habe, zum Casting eingeladen. Dank ihr sind der Regisseur Markus Welter und das Schweizer Fernsehen auf mich aufmerksam geworden.

Was nehmen Sie mit vom Tatort-Dreh?

«Tatort» ist eines der wenigen Fernseh-Formate, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz von einem Millionenpublikum gesehen werden. Auch innerhalb der Film- und Fernsehlandschaft wird der «Tatort» aufmerksam verfolgt. Insofern ist das eine gute Plattform und natürlich wäre es schön, wenn diesem Engagement weitere Film- und Fernsehrollen folgen würden.

Sie sind in Bern geboren, in Solothurn aufgewachsen und ins Gymnasium gegangen, und leben heute in Basel. Was verbinden Sie mit Solothurn?

Sehr viel. Ich habe meine gesamte Jugend in Solothurn verbracht und habe hier meine ersten Theatererfahrungen gesammelt. Meine Eltern leben nach wie vor hier und viele meiner Freunde. 2014 hat mich der Kanton Solothurn mit dem Kulturförderpreis ausgezeichnet. Ich bin oft in Solothurn zu Besuch – nach Solothurn zu kommen, heisst für mich, nach Hause zu kommen.

Sie haben in den letzten Jahren viel in Deutschland gearbeitet – am Schauspiel Frankfurt und zuletzt in Hamburg. Während des Studiums an der Zürcher Hochschule der Künste haben Sie bei ersten Filmproduktionen mitgewirkt. Ihre Rolle im «Tatort» ist ihre erste Produktion mit SRF. Was gefällt Ihnen besser: Theater oder Film?

Man kann das nicht miteinander vergleichen. Im Theater befindet man sich während ein paar Stunden gemeinsam mit den Zuschauern im selben Raum, man verbringt die selbe Zeit miteinander und jeder Abend ist anders. Das stellt ganz bestimmte Anforderungen an einen Schauspieler. Im Film wiederum ergeben sich durch die technischen Mittel Möglichkeiten, die das Theater nicht hat. Das ist spannend. Die beiden Kunstformen befruchten und bereichern sich gegenseitig.

Was fasziniert Sie am Beruf Schauspieler?

Ich habe schon im Schultheater gemerkt, dass es mich interessiert, die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Im Grunde vollzieht man als Schauspieler ja ständig Perspektivenwechsel: Eine Figur zu spielen heisst nichts anderes, als die Welt aus den Augen von jemandem zu betrachten, der nicht ich ist. Dazu kommt im Theater die Erfahrung von Gemeinschaft: Spieler und Publikum verbringen Zeit miteinander, man lässt sich aufeinander ein. Es gibt nicht viele Orte, die diese gemeinschaftstiftende Möglichkeit haben.

Sie sind seit vergangenem Sommer festes Ensemblemitglied am Theater Basel. Woran arbeiten Sie gerade?

Zurzeit bin ich dort in drei Stücken zu sehen. Am 14. April folgt die nächste Premiere: «Der Menschen Feind» nach Molière in einer Fassung von Peter Licht. Dann geht es nahtlos weiter. Es gibt also glücklicherweise viel zu tun in nächster Zeit.

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