Solothurner Verwaltungsgericht

Nachtclub-Besucher blitzt mit Beschwerde gegen Quarantäne-Anordnung ab

Der Party-Gast will gar nicht im Club gewesen sein, als der infizierte Gast anwesend war. (Symbolbild)

Der Party-Gast will gar nicht im Club gewesen sein, als der infizierte Gast anwesend war. (Symbolbild)

Dieser frühmorgendliche Abstecher in einen Gerlafinger Nachtclub dürfte dem Besucher – nennen wir ihn Fritz – in denkbar schlechter Erinnerung bleiben. Zumindest die Folgen davon: Eine Quarantäne-Verfügung, die er erfolglos vor Verwaltungsgericht weiter zog.

Kurz nach dem Besuch des Gerlafinger Nachtclubs begann alles damit, dass der Kantonsarzt am 13. Oktober 2020 verfügte, dass Fritz sich ab sofort für die Dauer von zehn vollen Tagen – also bis 21. Oktober – in Quarantäne zu begeben habe. Grund: Im besagten Club könnte er allenfalls mit einem Covid-19-Fall in engen Kontakt gekommen sein.

Quarantäne sei für ihn weder nötig noch komme diese ihm gelegen, beschied Fritz noch am gleichen Tag dem zuständigen Departement des Innern (DdI): Erstens habe er sich erst um 3.45 Uhr im Club angemeldet, habe sich zweitens nur zirka 10 Minuten dort aufgehalten sowie drittens und vor allem habe er erst vor drei Wochen eine neue Festanstellung angetreten, die er nicht verlieren wolle. Kurz: Er müsse arbeiten gehen und könne es sich nicht leisten, zuhause zu bleiben.

Fritz schritt auch gleich zur eigenen Recherche: Er habe erfahren, dass die infizierte Person erst um 4.40 Uhr im Club gewesen sei und da sei er schon längst wieder draussen gewesen, meldete er sich noch einmal einen Tag später erneut beim DdI, das den Fall – nunmehr als Beschwerde – an das zuständige Verwaltungsgericht des Kantons Solothurn weiterleitete. Als «Beweismaterial» reichte Fritz dem Gericht nunmehr als Beschwerdeführer einen Chatverlauf weiter, der aus seiner Sicht beweisen sollte, dass er sich um 4.40 Uhr bereits am Bahnhof Gerlafingen aufgehalten habe, von wo er um 4.50 Uhr abgeholt worden sei.

Chatverlauf widerlegt die eigenen Angaben

Doch der Schuss ging nach hinten raus: «Vorliegend hat sich die infizierte Person um 4.40 Uhr im Club angemeldet. Der Beschwerdeführer hat sich bereits um 3.42 Uhr dort angemeldet, aber nicht mehr abgemeldet, womit er nicht direkt beweisen kann, dass er um 4.40 Uhr nicht mehr im Club war», hält das Verwaltungsgericht in seinem Urteil vom 14. Oktober fest. Und nicht nur das: Der Chatverlauf entlastet Fritz nicht wie erhofft, sondern belastet ihn vielmehr. Denn zwischen 4.43 und 4.48 Uhr hatte Fritz in verschiedenen Nachrichten versucht, einer am Bahnhof wartenden Kollegin seinen Standort im Club mitzuteilen. Zwischen 4.50 Uhr und 4.55 Uhr schickte er ihr dann noch mehrere Nachrichten, dass er und sein Kollege nun auch zum Bahnhof kommen würden.

Was die Richter im Urteil O_VW.2020.232 zum messerscharfen Schluss führt: «Dieser Chatverlauf zeigt auf, dass der Beschwerdeführer bis 4.50 Uhr noch im Club war und somit mit der infizierten Person in Kontakt gekommen sein kann.»

Damit ist selbstredend klar, dass Fritz mit seiner Beschwerde abblitzte und nicht nur seine Quarantäne bis zum Schluss absitzen musste, sondern darüber hinaus auch noch die Urteilsgebühr von 200 Franken zu bezahlen hat. (ums.)

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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