Coronakrise

Nach anonymen Vorwürfen: Arbeitsinspektorat kontrolliert Stahlwerk Gerlafingen

Stahlwerk Gerlafingen: Arbeiten in einem schwierigen Umfeld.

Stahlwerk Gerlafingen: Arbeiten in einem schwierigen Umfeld.

Die Verantwortlichen von Stahl Gerlafingen würden die Corona-Sicherheitsvorgaben nicht einhalten, die Firma müsse geschlossen werden, fordern anonyme Kritiker. Das Arbeitsinspektorat gibt nach einer Kontrolle Entwarnung.

Die Vorwürfe sind happig: «Geldgier über Menschenleben» und «Die momentane Situation ist nur noch unmenschlich», heisst es in einer Mail, unterzeichnet mit «die Mitarbeiter der Stahl Gerlafingen.» Diese ging am Mittwochmorgen an Behörden und Medien.

Konkret wird den Verantwortlichen der Stahl Gerlafingen AG vorgeworfen, den Weiterbetrieb des Werks über den Schutz der Mitarbeitenden zu stellen. Die Produktion stehe für die Firmenchefs an erster Stelle, die Betriebsabläufe würden schlicht nicht zulassen, dass die Sicherheitsvorschriften – wie etwa der Zwei-Meter-Abstand zwischen den Arbeitenden oder das Verbot von Personenansammlungen – eingehalten werden könnten. «Angst und Ungewissheit und sogar Wut» unter dem Personal seien die Folge.

Kontrolle durch das Arbeitsinspektorat

Die Reaktion der kantonalen Behörden folgte prompt: Drei Spezialisten des Arbeitsinspektorates führten am Nachmittag in Gerlafingen eine Inspektion durch. Das Fazit am frühen Abend: «Das ganze Werk wurde kontrolliert. Abschliessend kann gesagt werden, dass sich die Stahl Gerlafingen AG der ausserordentlichen Lage bewusst ist und sich bemüht alles umzusetzen, um ihre Belegschaft zu schützen», heisst es auf Nachfrage dieser Zeitung.

Die Arbeitsplätze, Aufenthalts- und Pausenräume sind gemäss Feststellung der Inspektoren entsprechend umorganisiert worden, sodass maximal 5 Personen im Raum sein dürfen/können. Ebenfalls seien genügend Waschmöglichkeiten, Seifen- und Hygienesprays vorhanden. Die Garderoben schliesslich seien genügend gross und die Schichten verteilten sich auf die verschiedenen Garderoben, sodass grössere Ansammlungen vermieden werden könnten. Unter dem Strich müssten lediglich kleinere Anpassungen vorgenommen werden.

Firmenleitung rätselt über die Urheber

Firmenleitung und Personalvertreter der Stahl Gerlafingen AG nahmen am Mittwoch in einer Erklärung erfreut vom positiven Ergebnis der Inspektion Kenntnis. Schon vor Erlass der Covid-19-Bundesverordnung seien von der Stahl Gerlafingen AG und deren Mutterkonzern, der italienischen Beltrame-Gruppe (Vicenza), «umfangreiche Massnahmen zum Schutz der Mitarbeitenden, Kunden, Lieferanten und Drittfirmen in Kraft gesetzt» worden, heisst es. Insbesondere seien Reisen zwischen den Beltrame-Werken im Ausland und dem Werk Gerlafingen verboten wurden. Über die nötigen Vorsichtsmassnahmen wird nach Firmenangaben laufend informiert, besonders gefährdete Personen würden von zu Hause aus arbeiten oder seien an spezielle Arbeitsplätze versetzt worden. «Ist beides nicht möglich, werden diese Personen bei voller Lohnzahlung beurlaubt.»

Wer hinter den anonymen Vorwürfen steckt, ist den Stahlwerkverantwortlichen schleierhaft. Es seien vorgängig intern auch keine Beschwerden erhoben oder Personalvertreter zu Interventionen angegangen worden, heisst es.

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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