Kanton Solothurn

Mit Maske hinterm Steuer: Wie die Fahrlehrer den Unterricht abhalten

Reto Wüthrich erklärt, wie sich der Alltag der Fahrlehrer aufgrund der Schutzmassnahmen verändert

Reto Wüthrich erklärt, wie sich der Alltag der Fahrlehrer aufgrund der Schutzmassnahmen verändert

Ab Montag stehen weitere Lockerungen in der Coronakrise an. Auch die Fahrlehrer dürfen dann den Unterricht wieder aufnehmen. Auch sie mit Auflagen.

In den letzten Wochen ist es auf den Strassen ruhig geworden. Dies dürfte sich auf Grund der kommenden Lockerungen bald wieder ändern. Nicht nur haben die Menschen eher wieder Grund ausser Haus zu gehen. Hinzu kommt auch, dass die Fahrschulen ihren Betrieb wieder aufnehmen dürfen.
Mit den Lockerungsbestimmungen des Bundesrates dürfen die Fahrlehrer ab dem 11. Mai wieder unterrichten. Dieses frühe Datum hat die Branche überrascht. Da Fahrschulen als Ausbildungsstätte gewertet werden, waren mit Lockerungen analog den Berufs-, Mittel- und Hochschulen nicht vor dem 8. Juni zu rechnen. Während dieser Entscheid bei Vielen für Erleichterung sorgen mag, vernimmt man vermehrt auch kritische Stimmen.

Der Schweizerische Fahrlehrerverband (SFV) begrüsst allerdings den Entscheid des Bundesrates, wie es in einer Mitteilung auf der Website des SFV heisst. «Wenngleich innerhalb der Fahrlehrerschaft in den letzten Tagen auch Stimmen laut geworden waren, welche den Restart lieber noch länger hinausgeschoben hätten», schreibt der Verband weiter. Doch man sei sich eben auch bewusst, dass sich zahlreiche Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer angesichts des Arbeitsverbots mit existenziellen Problemen konfrontiert gesehen hätten. Aus diesem Grund erachtet der SFV das gewählte Datum als «gutschweizerischen Kompromiss».

Strenge Massnahmen fordern die Fahrlehrer

Wie in allen andern Branchen, die ihre Arbeit wieder aufnehmen können, wird auch hier ein spezifisches Schutzkonzept verlangt. «Wir sind stark gefordert in der nächsten Zeit», sagt Reto Wüthrich, Auto- und Motorradfahrlehrer. Der Inhaber der Fahrschule Wüthrich und Präsident des SFV Sektion Mittelland fasst damit die anstehenden Veränderungen zusammen. Der Dachverband habe ein Schutzkonzept ausgearbeitet, das den Fahrlehrern zur Verfügung steht. Dieses Branchenkonzept habe der Bund bereits genehmigt. Für die Umsetzung und Einhaltung der Schutzmassnahmen sei aber jeder Fahrlehrer selbst zuständig, erklärt Wüthrich. Auch hier übernimmt der Kanton die Kontrollfunktion.

Da im Auto unmöglich die Distanzregel eingehalten werden kann, sind besonders strenge Massnahmen erforderlich, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren und die Schutzbestimmungen des Bundes einhalten zu können. So gehört das Tragen eines Mundschutzes für den Fahrschüler ebenso dazu wie der Einweg-Sitzüberzug. Der Fahrlehrer selbst trägt einen Gesichtsschutz aus Plexiglas, bei dem eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Schweissermaske nicht abzustreiten ist. Auf das Tragen von Latexhandschuhen soll hingegen verzichtet werden. «Vermutlich aus Sicherheitsgründen», erklärt Wüthrich. So rutsche man nicht so schnell ab und habe einen besseren Griff.

Aus diesem Grund ist es aber umso wichtiger, dass das Auto zwischen den Fahrstunden beziehungsweise dem Wechsel der Fahrschüler gründlich desinfiziert wird. «Alle Stellen, die der Fahrschüler berührt hat oder berührt haben könnte, müssen desinfiziert werden», so Wüthrich und zählt auf: Lenkrad, Blinker, Hebel, Rückspiegel, Türgriff, Gurtschnalle, Fahrzeugschlüssel. Eine vor jeder Stunde auszufüllende Checkliste soll dabei helfen, dass nichts vergessen gehe, schliesslich sei an Vieles zu denken. Dies alles ist auch mit einem beträchtlichen zeitlichen Aufwand verbunden. «Der Zeitaufwand pro Fahrschüler hat sich dadurch immens vergrössert», fasst der Fahrlehrer zusammen.

Grosse Unklarheit bei Lehrern und Schülern

Als Präsident des SFV der Sektion Mittelland ist Wüthrich Ansprechperson für die Fahrlehrer der Region. In der letzten Zeit erreichten ihn viele Fragen, nicht nur der Fahrlehrer, sondern auch der Schüler. Es herrschte viel Unklarheit. «Es gab täglich so viele Informationen und Änderungen bezüglich der Schutzmassnahmen», so Wüthrich. Mittlerweile sei aber alles geklärt und am Montag könne wieder mit dem Fahrunterricht gestartet werden. Auch Motorrad- und Theoriekurse dürfen wieder − zumindest in einer Gruppe bis fünf Personen − stattfinden. Ebenso dürfen wieder Prüfungen durchgeführt werden.
Wüthrich stellt aber eine gewisse Vorsicht unter den Schülern fest. So gäbe es einzelne, die erst am 8. Juni die Fahrausbildung fortsetzten wollen.

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