Zu kompostieren, wo und wie es das Herz begehrt, ist in der Schweiz nicht möglich. Diese Erfahrung mussten Solothurner Bauern dieses Jahr machen. Regelungen, die seit Jahren in den Gesetzbüchern stehen, jedoch kaum angewendet wurden, kommen seit der Lancierung des kantonalen Projektes zur Förderung des Humusaufbaus in Ackerböden konsequenter zur Anwendung. Bei vielen Bauern flattern seitdem Aufforderungen, Baugesuche für ihre Kompostmieten einzureichen, in die Briefkästen.

Für viele Landwirte wirkt das kaum nachvollziehbar, vor allem, weil die Kompostmieten seit Jahrzehnten problemlos an Feldrändern errichtet werden. Unter Kompostmieten versteht man sachgerecht aufgeschichtete Komposthaufen, die nach dem Anlegen eine Weile arbeiten, bevor sie wiederverwendet werden.

Bauernverband schafft Klarheit und hilft weiter

Um die Landwirte davor zu bewahren, «vom administrativen Teufel aufgefressen zu werden», wie es Peter Brügger vom Solothurnischen Bauernverband auf den Punkt bringt, hat der Bauernverband Verhandlungen mit dem Bau- und Justizdepartement aufgenommen und nach eigenen Angaben eine pragmatische Lösung erreicht.

So muss neu nur ein Baugesuch für den eigentlichen Kompostbetrieb eingereicht werden, statt jede Kompostmiete einzeln bewilligen lassen zu müssen. Die möglichen Feldränder, auf denen der Bauer gedenkt, Kompostmieten zu errichten, müssen konzeptionell gekennzeichnet, aber nicht separat bewilligt werden. Nachträgliche Baugesuche nach demselben Prinzip müssen für bereits bestehende Kompostlager eingereicht werden. So können die Bauern die Bewilligungen für jede separate Hofparzelle, auf der sie eventuell für einige Monate Komposthaufen errichten werden, umgehen und vermeiden somit auch erheblichen Kosten: Der Bauernverband geht von Beträgen zwischen 500 und 1000 Franken pro Baugesuch aus.

Strenge Anforderungen für den Kompost

Ob ein Baugesuch dann bewilligt wird, hängt von unzählig scheinenden Faktoren ab. Dem vierseitigen Merkblatt zur «Raumplanungsrechtlichen Beurteilung der bäuerlichen Kompostierung» des Bundesamts für Raumentwicklung (ARE) ist zu entnehmen, dass die bäuerliche Feldrandkompostierung nur dann unproblematisch ist, wenn ein Landwirt die Grünabfälle des nahegelegenen Siedlungsgebietes auf einem sogenannten Sammel- und Aufbereitungsplatz sammelt, aufbereitet und in Mieten auf seinen eigenen Feldern oder Wiesen oder denjenigen der benachbarten Landwirte kompostiert.

Zu beachten sind etwa auch die Abstände zu Wohnzonen, genügende Erschliessungen. Des Weiteren ist es zu vermeiden, dass Grüngut von weit her gesammelt, auf weit verstreuten Feldrandmieten kompostiert und als Dünger über grössere Distanzen geliefert wird. So müssen mindestens 51 Prozent des Kompostes auf den Feldern und Wiesen innerhalb des ortsüblichen Bewirtschaftungsbereichs von Sammel- beziehungsweise Aufbereitungsplatz verteilt werden. Wie genau die 51 Prozent des Kompostes abgemessen werden müssen, ist dem Merkblatt aber nicht zu entnehmen.

Weitere gesetzliche Anforderungen stellen das eidgenössische Raumplanungsgesetz von 1979 und die Raumplanungsverordnung aus dem Jahr 2000. So darf die Bewilligung zum Erstellen eines Komposthaufens nur erteilt werden, wenn die Anlage für die Bewirtschaftung nötig ist, der Angelegenheit keine überwiegenden Interessen entgegenstehen und der Betrieb voraussichtlich längerfristig bestehen kann.