Kita-Serie, II

«Mir tut der Ausgleich gut – so kann ich eine gute Mutter sein»

Die Familie Schuch: Die Eltern Helge und Alexandra, in der Mitte Isabelle Josephine.

Die Familie Schuch: Die Eltern Helge und Alexandra, in der Mitte Isabelle Josephine.

Das deutsche Ehepaar Schuch hat in der Schweiz keine Verwandten, die sich um ihre Tochter kümmern könnten. Aber beide wollen arbeiten. Ihre Lösung lautet: Teilzeitpensen, Homeoffice und Kita.

«Als sie noch sehr klein war, wollten wir es mit der Kita-Dauer nicht übertreiben», sagt Helge Schuch. Er und seine Frau Alexandra Te Posso haben eine mittlerweile zwei Jahre und fünf Monate alte Tochter – Isabelle Josephine. Sie gaben sie in Zuchwil in die Kita, als sie sieben Monate alt war. Damals noch für vier Halbtage. Mittlerweile haben sie das Kita-Pensum aufgestockt.

Die 42-jährige Mutter ist mit ihrem Arbeitspensum von 60 auf 70 Prozent hoch. Zwei Tage arbeitet sie in Zürich, drei Halbtage zu Hause in Zuchwil im Bereich «Learning and support». Helge Schuch (52) arbeitet nach wie vor zu 80 Prozent in Biel. So geht Isabelle Josephine seit diesem Sommer drei halbe und einen ganzen Tag in die Krippe.

Herr Schuch, Frau Te Posso, warum geben Sie Ihr Kind ab?

Sie: Für mich war von Anfang an klar, dass ich nicht zu 100 Prozent zu Hause bleiben möchte. Ich brauche meinen Ausgleich. Wir haben uns auch überlegt, dass es für die Kleine das Beste ist, wenn sie Kontakt zu anderen Kindern hat.

Er: Genau. Das schönste Spielzeug für Kinder sind andere Kinder. Ihr Sozialverhalten profitiert extrem davon. Sie sieht so andere Dinge, die wir ihr gar nicht beibringen können.

Haben Sie ein Beispiel?

Sie: Hier zu Hause ist sie immer die Nummer eins. In der Kita nicht. Dort muss sie mit anderen Kindern teilen.

Er: Und für sie ist das ein «Dürfen», wenn sie in die Krippe geht. Dort hat sie ja auch andere Kinder – ihre «Gschpändli». Ich glaube, wenn dann mal ein verlängertes Wochenende ansteht und sie mit uns Alten zu Hause hocken muss, ist das fast langweilig für sie.

Stört Sie etwas an Ihrem jetzigen Modell?

Sie: Ich habe also noch gar keine negativen Erfahrungen gemacht.

Er: Das läuft wirklich alles tadellos. Die Betreuungszeiten sind ja riesig. Natürlich ist dieses Modell auch aufwendig. Mit ein oder zwei Kindern geht das noch, mit drei oder vier sieht das schon anders aus. Und der Arbeitgeber muss das Teilzeitpensum zuerst ja ermöglichen.

Was sagen Sie zum Vorurteil, wer Kinder hat, soll sie auch selber grossziehen?

Sie: Das wird der Frau heutzutage ja noch vorgeworfen: Warum geht die arbeiten und ist nicht bei ihrem Kind?

(Er wirft zum Spass ein: Rabenmutter!)

Sie: Diesen Gedanken finde ich völlig veraltet. Eine Frau kann heutzutage genau so gut Geld verdienen und die Familie versorgen, wie ein Mann den Haushalt schmeissen und das Kind betreuen kann. Und mir persönlich tut der Ausgleich gut. Deswegen kann ich dann zu Hause auch eine gute Mutter sein.

Er: Natürlich muss das jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe dank diesem Modell in der Woche einen ganzen Tag mit der Kleinen zu Hause. Das ist für mich unbezahlbar.

Liegt die Erziehung bei diesem Modell noch in Ihren Händen?

Er: Ich fühle mich durch die Kita gar nicht bevormundet. Und ich habe mit Sicherheit mehr Einfluss auf die Kleine, als wenn ich sie nur am Abend sehen würde.

Sie: Ich sehe das auch so. Wir kannten ja die Richtlinien in der Kita. Wenn uns die nicht gepasst hätten, hätten wir gar nie diese Krippe ausgesucht. Manchmal hat das eher Vorteile.

Er: Die Krippe bietet eigentlich eine Art Hilfestellung – zum Beispiel beim Thema Kinderkrankheiten. Da hören und kennen sie ja sehr viel. Als ein Kind der Gruppe von Isabelle Josephine mal Windpocken hatte, sagten sie uns, wir sollen die Kleine ruhig bringen. Da haben wir einmal in der Kita die Epidemie und dann ist es durch. Das fand ich einen sehr pragmatischen Ansatz.

Wie lange fahren Sie mit diesem Modell weiter?

Er: Der Kindergarten ist die nächste Deadline. Über alles Weitere habe ich mir noch gar nicht gross Gedanken gemacht.

Sie: Ich bin ja erst auf Juni von 60 auf 70 Prozent hoch bei der Arbeit. Wir haben auch nicht vor, das in nächster Zeit gleich wieder zu ändern.

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