Die Morgen sind kühl und neblig, die Autoscheiben beschlagen, die Winterreifen montiert. Die Frage nach der Strassensicherheit stellt sich. In der letzten Saison hatten manche Werkhöfe mit Streusalzmangel zu kämpfen. Wie sieht es aktuell aus?

Seit Ende Oktober sind die Mitarbeiter des Kreisbauamtes I in Zuchwil auf Pikett. 1150 Tonnen loses Streusalz und 150 Tonnen Sacksalz – gleich viel wie im letzten Jahr – warten auf den ersten Schnee. «Bei einem normalen Winter müssen wir so kein Salz nachbestellen», sagt Walter Kissling, Leiter des Kreisbauamtes. Über die letzten zehn Jahre gesehen benötigte das Kreisbauamt im Schnitt 931 Tonnen Salz. Die Schwankungen sind gross: 260 Tonnen war der Mindestverbrauch, Spitzenreiter war der letzte Winter mit 2100 Tonnen. Fällt Schnee, sind für das Kreisbauamt 26 Fahrzeuge auf den 250 Strassenkilometern in den Bezirken Solothurn, Lebern, Wasseramt und Bucheggberg unterwegs.

Solothurn hat aufgerüstet

«In den letzten Jahren gab es immer wieder Salzmangel», sagt Patrick Schärer, Leiter des Solothurner Werkhofs. Dieses Jahr geht die Stadt auf Nummer sicher. 150 Tonnen Sacksalz befinden sich im eigenen Lager in Zuchwil – dreimal mehr als in den vorhergehenden Jahren.

Im Lager ist nur das Sacksalz für die kleineren Maschinen. Die beiden grossen Lastwagen der Stadt holen ihr Salz direkt im Kreisbauamt – wie auch vier andere Gemeinden der Region. Dort steht ein Salzsilo, unter das die Lastwagen fahren können. Auf dem Chip des Lastwagenfahrers ist das Ladevolumen des Fahrzeugs gespeichert. Am Computer kann Walter Kissling nachvollziehen, wer zu welcher Zeit wie viel Salz holt.

Bis zu 10000 Franken pro Kilometer

«Sobald es schneit, kostet es Geld», sagt Kissling. Der Winterdienst kam pro Strassenkilometer in den vergangenen Jahren durchschnittlich auf 5108 Franken – auf die 250 Kilometer des Kreisbauamtes I also rund 1,3 Millionen Franken. Für Ausreisser sorgten die harten Winter: 2005 kostete der Kilometer Kantonsstrasse 10028 Franken, letztes Jahr gar 10079 Franken. «Es begann im November zu schneien und schneite den ganzen Dezember», so Kissling.

Weniger Salz wegen Umweltschutz

Seit 25 Jahren ist Rudolf Winzenried, Chef des Grenchner Werkhofs, beim Winterdienst dabei. Bezüglich Salzverbrauch und Umweltschutz hat sich einiges verändert. «Heute räumt man den Schnee bereits bei
3 oder 4 Zentimeter maschinell weg.» Früher hätte man diese Schneemengen ganz mit Salz weggeräumt. «Es brauchte das Doppelte.» Rund 25 Mitarbeiter sind in Grenchen bei Volllast unterwegs, 250 Tonnen loses Salz hat der Grenchner Werkhof an Lager. «Ich gehe davon aus, dass dies bei einem normalen Winter reicht», sagt Winzenried. «Ebenso wichtig sind aber eine gute Vororganisation und eine minutiöse Betriebsinstruktion.» Vier kleinere Schneeräumungsfahrzeuge und zwei grosse Streufahrzeuge, die ausschliesslich der Glättebekämpfung dienen, besitzt Grenchen. Für die Schneeräumung hat es zusätzlich acht grosse Pflugfahrzeuge.

Kein Autobahnsalz mehr für Kanton

Die Nationalstrassen Nordwestschweiz NSNW AG ist für die Sicherheit auf der Autobahn zuständig. Der Werkhof in Oensingen beheimatet das Salzlager für die beiden Abschnitte A1 von Rothrist nach Recherswil und A5 von Lengnau bis Luterbach.

Betriebsleiter Dieter Flückiger hat das Lager auch heuer mit der Standardmenge von 3000 Tonnen aufgefüllt. «Im Normalfall reicht dies für einen Winter. Bei ‹groben› Wintern versuchen wir, Salz dazuzukaufen», fügt der Oensinger Betriebsleiter an. 2013 kommt ein zusätzliches, 400 Tonnen fassendes Salzsilo. Als Maximalverbrauch in den vergangenen Jahren nennt Flückiger 2500 Tonnen.

«Jetzt haben wir bereits einen Vorsprung», sagt Rudolf Winzenried. «Denn letztes Jahr um diese Zeit hat es schon geschneit.» Trotzdem: Ein strenger Winter könne jederzeit noch kommen. Mensch und Maschinen sind bereit.