Maskenpflicht schränkt Seilbahn und Schifffahrt ein

Auf dem Weissenstein und dem Bielersee befürchtet man Einbussen aufgrund der ab heute geltenden Regelung.

Nadja Senn
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... oder im Gondeli auf den Solothurner Hausberg?

... oder im Gondeli auf den Solothurner Hausberg?

Bilder: Tom Ulrich

Während lokale Transportunternehmen wie die Aare Seeland mobil AG (asm) und die Oensingen-Balsthal-Bahn die ab heute geltende Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr als nachvollziehbar bezeichnen, hört es sich bei der Solothurner Seilbahn Weissenstein AG ganz anders an: «Wir bedauern diesen radikalen Entscheid sehr», heisst es. Habe man sie doch seit dem am 15. März verordneten Lockdown nicht zum öffentlichen Verkehr gezählt, weshalb man den Betrieb habe stillegen müssen – und jetzt gehöre man auf einmal dazu. Dieser Entscheid sei «sonderbar und keinesfalls ausgewogen», kritisiert der Geschäftsführer der Seilbahn, Konrad Stuber. Die Seilbahn habe für eine Maskenpflicht in vollen Zügen und Bussen zu Stosszeiten durchaus Verständnis und befürworte diese sogar. Jedoch seien derartige Situationen keineswegs mit den Verhältnissen in den Sechserkabinen der Seilbahn zu vergleichen, beteuert Stuber.

Auch bei der Bielersee Schifffahrtsgesellschaft (BSG) sieht man dem heutigen Tag besorgt entgegen. Wie Thomas Mühleberger, Geschäftsführer der BSG, auf Anfrage erklärt, sehen die Schutzmassnahmen vor, dass Passagiere sowohl beim Warten an den Anlegestellen, beim Ein- und Ausstieg als auch während der ganzen Schiffsreise eine Maske tragen müssen. Der von den Schifffahrtsgesellschaften in die Diskussion mit den Behörden eingebrachte Antrag, dass auf den Aussendecks keine Maskentragpflicht vorgesehen werden soll, sei nicht bewilligt worden. «Wir wissen nicht, ob unsere Gäste unter diesen Voraussetzungen noch aufs Schiff kommen werden und ihre Zeit an Bord geniessen können», so Mühlethaler.

Schiff und Gondeli «nicht vergleichbar» mit Zügen

Sowohl die OeBB als auch die asm beobachteten in der vergangenen Zeit nur eine niedrige Anzahl Maskenträgerinnen und -träger. Auf den Schiffen der Bielersee Schifffahrtsgesellschaft stellte Geschäftsführer Thomas Mühlethaler gar noch eine tendenziell tiefere Anzahl Maskenträgerinnen und Maskenträger fest.

Und Konrad Stuber von der Seilbahn Weissenstein beschreibt ein seit der Wiedereröffnung am 6. Juni «sehr diszipliniertes Publikum», das die Abstände und Hygienemassnahmen strikt einhalte und umsetze. Laut Stuber machen Masken in der Seilbahn auch gar nicht wirklich Sinn – da die Gäste, die in einer Gondel sitzen, meist auch zusammen kommen – also ohnehin Kontakt haben. Sei dies nicht der Fall, so könne man in den 65 Gondeln Fahrgäste auch problemlos einzeln auf den Berg transportieren.

Der Geschäftsleiter der Seilbahn befürchtet mit der generellen Maskenpflicht «einen weiteren wirtschaftlichen Schaden und Frequenzeinbussen». Inwiefern die Massnahme das Publikum in Zukunft von einem Ausflug auf den Berg abhalte, werde sich zeigen. Schliesslich könne «gerade in den heissen Sommermonaten eine Bergfahrt im klimatisierten Privat-PW ohne Mund- und Nasenschutz den einen oder anderen Gast dazu bewegen, die Seilbahn aussen vor zu lassen». Zudem sei ein Ausflug auf den Berg freiwillig und könne auch später nachgeholt werden. Dies mache die Seilbahn absolut nicht vergleichbar mit den täglichen Pendlerströmen in Zügen und Bussen, welche aufgrund des Gangs zur Arbeit weiter bestünden.

Auch der Geschäftsführer der BSG macht sich Sorgen: Bereits jetzt befänden sich die Einbussen im hohen sechsstelligen Negativbereich, erklärt Mühlethaler. Die Maskenpflicht wirke sich im Tourismus «sicher nicht positiv aus». In Bezug auf diese Woche stellt sich Mühlethaler auf unangenehme Vorfälle ein – falls Passagiere das Maskentragen verweigern sollten; schliesslich müssten Kundinnen und Kunden beim Nichteinhalten der Maskenpflicht des Schiffes verwiesen werden, und das könne «heikle Situationen» geben. Zumindest bei diesem Thema zeigt sich der Geschäftsführer der BSG einigermassen zuversichtlich: «Die Situation wird sich in 14 Tagen eingependelt haben und das Maskentragen zur Normalität werden.»

Auch bei der OeBB können Passagiere bei einem Verstoss gegen die Maskenpflicht des Zuges verwiesen werden. Widersetzt sich die Person, kann dies der Polizei gemeldet und eine Busse wegen ungebührlichen Verhaltens zur Folge haben. Stichkontrollen werden in der OeBB von Seiten des Systemführers, sprich der SBB durchgeführt.