Markus Oberholzer hat sich vom Bariton-Solisten zum gefragten Dirigenten entwickelt und hat aus dem Singkreis Wasseramt, dem Konzertchor Leberberg und dem Konzertchor Oberaargau den «ClassicFestivalChor» und damit einen der leistungsstärksten Chöre des Mittellandes geschaffen. Am längsten schon erklimmt er mit den Wasserämter Sängerinnen und Sängern musikalische Höhepunkte.

Bekanntes und Unbekanntes

Markus Oberholzer kennt das klassische Chorrepertoire. Er hat Bach, Händel, Haydn, Mozart, Gounod und Brahms aufgeführt. Mit grosser Leidenschaft tummelt er sich jedoch in unbekanntem Terrain, erschliesst Unbekannteres einem breiten Publikum. Der Vollblutmusiker brachte Werke wie «The Armed Man – A Mass for Peace» von Karl Jenkins, das «Requiem» von Andrew Lloyd Webber und «A Child of Our Time» von Michael Tipett in die Region. Er erzählt: «1994 war Tipetts Oratorium für die Choristen und das hiesige Publikum völlig unbekannt. Doch der Funke sprang über und es gelang, zweimal die Kirche zu füllen.»

Mit dem vom Schweizer Komponisten Arthur Honegger in seinen letzten Lebensjahren komponierten Oratorium «Cris du Monde» packte der Chorleiter sein anspruchsvollstes Projekt an. «Da kommt ein Laienchor an seine Grenzen», erinnert er sich. Doch die Schwierigkeiten liessen den Chor wachsen. Die Aufführung und die sowohl für den Chor wie auch das Werk erste CD-Produktion gelang sogar so gut, dass sich neben vielen Radio-Stationen sogar Radio Israel bei Markus Oberholzer meldete. «Der Musikredaktor in Tel Aviv bereitete gerade eine Serie über Honegger vor und ich durfte ihm unsere Aufnahme schicken, die als Rarität und qualitativ hochstehend klassiert wird», freut sich der Initiant bis heute.

Dass «Cris du Monde» innerhalb des Singkreises Wasseramt oft zitiert wird und zum geflügelten Wort avancierte, hat andere Gründe, wie Markus Oberholzer lachend erklärt: «Wenn der Chor ein Werk vorschlägt, dessen Schwierigkeitsgrad seine Kapazität strapaziert, brauche ich nur «erinnert Euch an Honegger» zu sagen und schon kapieren alle, dass es beim Wünschen bleiben wird.»

Die zwei Seiten der Musik

Markus Oberholzer kommt vom Singen und kann deshalb einschätzen, was machbar ist. Auf die Frage, ob er es nicht manchmal bedauere, dem Dirigenten mehr Raum als dem Konzert-Solisten eingeräumt zu haben, kommt die Antwort postwendend. «Die beiden Genres haben sich gegenseitig befruchtet. Als Dirigent lernte ich Werke kennen, zu denen ich als Sänger sonst vielleicht keinen Zugang gefunden hätte.

Das Arbeiten mit Klangkörpern wie dem Donau-Sinfonie-Orchester Budapest, der Württembergischen Philharmonie, der Kammerphilharmonie Europa oder dem Nova Amadeus Orchestra bereicherte mich ungemein.» Erfahrungen, die ihn für gigantische Klang-Events prädestinierten: Die «Carmina Burana» in der Reithalle Solothurn und auf einer PostFinance-Konzerttournee durch die Schweiz.

Allein schon die Masse ist Spektakel: der Classic Festival Chor und die Kammerphilharmonie Europa unter Leitung von Markus Oberholzer.

Allein schon die Masse ist Spektakel: der Classic Festival Chor und die Kammerphilharmonie Europa unter Leitung von Markus Oberholzer.

Markus Oberholzer gelingt es, drei Chöre mit unterschiedlichen Mentalitäten zu einem Ganzen zu vereinen. Er erkannte die Zeichen der Zeit und bietet raffiniert zusammengestellte Programme an, die Bekanntes und Neues verbinden, ausgetretene Pfade meiden und immer wieder überraschen. So verdient er sicher das Prädikat «vielseitig». Für den November 2019 bereitet er jetzt schon mit namhaften Solisten, dem «ClassicFestivalChor» und dem Orchester Theater Biel-Solothurn das Verdi-Requiem vor und will damit einen weiteren Repertoiregipfel erobern.

Wenn es in seinem breiten Schaffen aber eine Konstante gibt, so heisst diese Johann Sebastian Bach. Als junger Solist sang er alle Kantaten auswendig und immer wieder führt er seine Messen, Oratorien und Passionen auf. Zum Beispiel auch am Samstagabend, 21. März um 19.30 Uhr und am Sonntag um 17 Uhr. Da erklingt Bachs Johannes-Passion in der Jesuitenkirche Solothurn mit dem Singkreis Wasseramt. Dies auch zum 30-Jahr-Jubiläum von Oberholzer als Dirigent dieses Chores.