Von überall her erklingt es, das unheilvolle Wort, das über vielen Schweizer Kantonen wie eine dunkle Wolke hängt: der Lehrermangel. Solothurner Eltern können momentan aber aufatmen, denn auf den Schulstart hin wurden für alle Klassen Lehrer gefunden.

Einzig fehlt noch eine Kindergartenlehrperson, da eine Lehrkraft krankheitshalber ausgefallen sei, erklärt Yolanda Klaus, stellvertretende Leiterin des Volksschulamts Solothurn. «Im Allgemeinen ist die Situation für die Stufe Kindergarten in Solothurn nicht ganz so einfach, da es weniger Leute gibt, die sich für eine Ausbildung zur Kindergartenlehrperson entscheiden. Der Lehrermangel hat sich in Solothurn aber, im Gegensatz zu den Nachbarkantonen, entspannt.»

Problem auf zwei Wegen anpacken

Auf jeden Fall sei es wichtig, zu erkennen, dass der Lehrermangel kein kurzfristiges Problem sei, sondern langfristige Lösungen gefunden werden müssen, weiss Klaus. Zur Problembekämpfung werden vom Kanton deshalb zwei Wege beschritten. Zum einen sei die Erhöhung der momentanen Pensen eine Möglichkeit, der Lage entgegenzutreten. Zum anderen soll der Beruf der Lehrperson wieder bekannter und beliebter gemacht werden.

Wenn man einen Blick auf die kantonale Bildungsstatistik wirft, die im Mai veröffentlicht wurde, sieht man, dass das durchschnittliche Arbeitspensum der Lehrpersonen im Kanton Solothurn nur rund 58 Prozent betrug. «In dieser Hinsicht haben wir nicht so tolle Zahlen. Wir sehen in ihnen aber vor allem das Potenzial, diese Pensen zu erhöhen. Somit können wir dem Lehrermangel entgegenwirken», sagt Klaus. Besonders wenige Vollzeitpensen gibt es bei den Lehrpersonen zwischen 30 und 50 Jahren. Dies liegt auch daran, dass in diesen Bereich oft die Familienplanung hineinfällt und daher Pensen reduziert werden. «Es ist gut, dass es die Möglichkeit der Pensenreduktion gibt. Die Frage ist aber, wie man eine Balance findet, sodass Teilzeitstellen nicht nur für Einzelpersonen, sondern auch für das System Schule gut sind. Deswegen raten wir den Schulen, zu kleine Pensen zu vermeiden», so Klaus.

Auch die Entwicklung der Studierendenzahl lässt auf den ersten Blick Zuversicht aufkommen. Es entscheiden sich immer mehr junge Leute oder ältere Quereinsteiger für die Laufbahn als Lehrer und die Tendenz ist steigend. Doch steigt sie steil genug im Vergleich zu den ebenfalls steigenden Zahlen der Schulkinder? Auch Yolanda Klaus sieht hier den Wurm. «Das grösste Problem des Lehrermangels ist, dass Prognosen kaum möglich sind. Wir wissen nicht, wie viele der Studierenden am Schluss wirklich in den Beruf einsteigen oder wie viele an anderen Orten in der Schweiz tätig werden.»

Das Sorgenkind Heilpädagogik

Weitaus grösser als das Problem des generellen Lehrermangels ist im Kanton aber das Problem des Heilpädagogenmangels. Es gibt in der Kategorie der Sonderpädagogik auch keine steigende Studierendenzahl, die die Sorgen vertreiben könnte. Klaus: «Es ist wirklich schwierig, eine gute Lösung für die schulische Heilpädagogik zu finden. Zurzeit arbeiten wir hart daran, dieses Problem zu bewältigen, können aber noch keine Patentlösung präsentieren. »