Schnupperlehren

Lehrbetriebe erhalten mehr Zeit, um Verträge abzuschliessen

Wegen des Coronavirus wurden bislang in diesem Jahr weniger Lehrstellen vergeben.

Wegen des Coronavirus wurden bislang in diesem Jahr weniger Lehrstellen vergeben.

Corona machte das Schnuppern teilweise unmöglich – der Kanton kommt den Lehrbetrieben deshalb entgegen. Sie dürfen die Lehrverträge bis im September abschliessen.

Wie sieht der Alltag im Restaurant, in der Autowerkstatt oder im Altersheim aus? Das wollen viele Jugendliche wissen, bevor sie die Lehrstelle in ihrem jeweiligen Traumberuf antreten. Und auch die Lehrbetriebe wollen wissen, wer bei ihnen das jeweilige Handwerk lernen wird.

Schnupperlehren sind deshalb sowohl bei Unternehmen wie auch bei den Jugendlichen beliebt. In diesem Frühling war das aber nur eingeschränkt oder teilweise sogar gar nicht möglich. Die Schutzmassnahmen in der Coronakrise hatten einige Betriebe dazu gezwungen, ihre Türen für Schnupperlehrlinge zu schliessen. Davon betroffen waren etwa Pflegeheime, wo die Bewohnerinnen und Bewohner besonders vor einer möglichen Ansteckung geschützt werden mussten.

Einige Unternehmen haben deshalb noch keine Lehrlinge gefunden, so Thomas Jenni, Projektleiter Berufsmarketing vom Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverband (kgv). Dieser möchte den Schülerinnen und Schülern, aber auch den Betrieben, unter die Arme greifen und hat gemeinsam mit der Solothurner Handelskammer eine virtuelle Lehrstellenbörse lanciert.

Ausserdem kommt auch der Kanton den Betrieben entgegen: Sie dürfen ihre Lehrverträge bis zu den Herbstferien einreichen statt schon wie bisher nur bis August.

Es zeichnet sich kein Lehrstellenmangel ab

Mit der virtuellen Lehrstellenbörse will Thomas Jenni Lehrbetriebe mit Schülerinnen und Schülern zusammenbringen, die das Rüstzeug und das Interesse an einer passenden Lehrstelle mitbringen. Gemeinsam mit einer weiteren Person prüft er die Dossiers und Lehrstellenangebote. Wenn er etwas Passendes findet, dann lässt er den Lehrbetrieben das entsprechende Dossier zukommen.

Jenni betont aber: Einen Mangel an Lehrstellen habe er bisher nicht feststellen können. Momentan sind laut der Lehrstellenplattform LENA noch 824 Lehrstellen im Kanton frei. Auch das Departement für Bildung und Kultur lässt auf Anfrage verlauten, dass es aufgrund des Coronavirus zu keinem deutlichen Abschwung auf dem Lehrstellenmarkt gekommen sei.

Zwar seien im Mai im vergleich zum Vorjahr leicht weniger Lehrverträge abgeschlossen worden als im Vorjahr, das liege aber nicht daran, dass es weniger Lehrstellen gibt, sondern daran, dass die Abschlüsse der Lehrverträge verschoben worden seien. Oder eben keine Schnupperlehren durchgeführt werden konnten, damit sich potenzielle Lehrlinge und Betriebe näher kennen lernen.

Von diesem Problem betroffen sind laut Jenni eher die grösseren Betriebe: «Die kleinen Betriebe waren häufig flexibler darin, wie sie die Schutzmassnahmen in ihrem jeweiligen Betrieb umsetzen wollten. So hatten sie auch eher die Möglichkeit, einige Tage lang Schnupperlehrlinge bei sich zu beschäftigen und ihnen so einen Einblick in den Berufsalltag zu geben.»

Mehraufwand in Zeiten von Corona

Einer dieser kleineren Betriebe, die in diesem Frühling trotz Corona ihre Lehrstellen besetzen konnten, ist die Ehrsam Gartenbau AG in Balsthal. Drei Schnupperlehrlinge waren laut Geschäftsführer Jakob Ehrsam einige Tage lang im Betrieb zu Gast. Mit zwei von ihnen konnte der Betrieb einen Lehrvertrag abschliessen. Auf die Erfahrung der Schnupperlehrlinge hätten die Schutzmassnahmen im Betrieb sehr wenig Einfluss gehabt, so Ehrsam.

Besonders bei den Arbeiten im Freien sei es einfach gewesen, die Massnahmen einzuhalten. Einen Mehraufwand habe es aber etwa bei der Bewältigung der Wege zu den jeweiligen Einsatzorten gegeben: «Wir mussten statt mit einem mit drei Autos unterwegs sein, damit die Sicherheitsabstände eingehalten werden konnten», sagt Ehrsam.

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Autor

Rebekka Balzarini

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