Glaubte er, dass ihm die Schweizer Behörden alles abnehmen, nachdem seine Scheinehen über Jahre funktioniert hatten? Rechnete er schlicht nicht mit der Beflissenheit von Schweizer Beamten? Oder haben die Behörden nun einem Mann unrecht getan?


Man darf den 45-jährigen Kosovaren wohl getrost als leicht ungeschickt bezeichnen. Denn er sorgte letztlich selbst dafür, dass er nun die Schweiz verlassen muss. Er machte die Behörden letztlich aufmerksam, dass er gar nicht hier sein sollte.

Neu verheiratet und doch noch Kinder mit der Ex gezeugt


Und das ging so: Im Oktober 2017 stellte der Mann beim Solothurner Migrationsamt das Gesuch, seine drei jüngsten Kinder, die er mit seiner ersten Frau gezeugt hatte, zu sich und seiner neuen tschechischen Ehefrau in die Schweiz zu holen. Dies machte die Behörden offenbar stutzig, denn als die zwei jüngsten Kinder 2006 und 2011 geboren wurden, war der Mann gar nicht mehr mit seiner Frau im Kosovo verheiratet, mit der er die Kinder zeugte. Er war zu dieser Zeit mit einer Österreicherin verheiratet, was ihm den dauernden Aufenthalt in der europäischen Union erlaubte. Von seiner ersten Frau, mit der er insgesamt fünf Kinder hat, hatte er sich bereits 2003 scheiden lassen.


Schweizer Ermittlungen im Kosovo


Die stutzig gewordenen Schweizer Behörden taten nun, was man auf den ersten Blick nicht erwartet. Sie schickten gleich zwei Delegationen der Schweizer Botschaft in Pristina los. Die eine schickten sie zum Haus, in dem die Ex-Frau offiziell lebte. Die andere schickten sie zum Haus der Mutter des Mannes. Und siehe da: An der offiziellen Adresse fand sich die Frau zuerst nicht. Sie lebte mit ihren Kindern noch immer bei der Mutter des Mannes, von dem sie offiziell seit 15 Jahren geschieden ist. Dazu kam: Der Mann selbst war an diesem Tag selbst auch im Kosovo bei seiner Ex-Frau. Die Behörden fanden ein normales Schlafzimmer von Eheleuten. An der offiziellen Adresse der Frau fanden sich in deren angeblichen Zimmern jedoch nur Bilder von Cousins, aber nicht von ihren eigenen Kindern. Bei weiteren Kontrollbesuchen war das Haus an der offiziellen Adresse gar leer.


Für den Mann hat dies nun Folgen: Das Solothurner Migrationsamt hat nicht nur den Familiennachzug abgelehnt. Es hat auch die Aufenthaltsbewilligung des Mannes widerrufen.
Das Verwaltungsgericht hat den Entscheid nun bestätigt, wie dem kürzlich publizierten Urteil zu entnehmen ist. In ihrer Argumentation betreiben die Richter auch Volkskunde: «Dass eine Frau nach dem tatsächlichen Scheitern einer Beziehung und der darauffolgenden Scheidung weiterhin bei den Schwiegereltern/bzw. wie vorliegend bei der Schwiegermutter lebt, wäre in der Schweiz als äusserst aussergewöhnlich einzustufen, in der notorisch im Kosovo herrschenden traditionellen familialen Gesellschaftsstruktur ist dies als praktisch ausgeschlossen zu betrachten», schreiben die Solothurner Richter. Für sie ist klar: Der Mann liess sich nur zum Schein scheiden und er heiratete nur zum Schein Frauen, die einen EU-Pass hatten (nach der Österreicherin, von der er sich 2016 scheiden liess, heiratete er eine Tschechin, mit der er 2016 in die Schweiz einreiste).


Als Indiz für eine Scheinehe werteten die Behörden den Umstand, dass die neue Ehefrau des Mannes weder je mit ihm im Kosovo war, noch dass sie die Kinder kannte, die er gemeinsam mit ihr in die Schweiz holen wollte.


Nun glücklich verheiratet


Der Kosovare dagegen gibt an, dass er nur zu seiner Ex-Ehefrau in den Kosovo zurückgekehrt sei, weil seine damalige Ehe bereits gescheitert gewesen sei. Nun sei er glücklich in dritter Ehe verheiratet. Er monierte zudem, dass die Botschaftsmitarbeiter in ihrem Bericht falsche Angaben gemacht hätten und er sich zu diesem Bericht nie richtig habe äussern dürfen.
Für beide Argumente aber hatten die Solothurner Richter kein Gehör. Dass der Mann in der Schweiz für den Bruder seiner Ex-Frau arbeitet, sahen sie, im Gegenteil, als weiteres Indiz für eine Scheinscheidung an. Kurzum: Behörden und Richter kamen zum Schluss, dass der 45-Jährige «die Ehe mit seiner dritten Ehefrau lediglich zum Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung geschlossen habe».


Der Mann muss nun 1500 Franken Verfahrenskosten bezahlen. Er kann das Urteil noch ans Bundesgericht weiterziehen.