Es kommt Fahrt in die Solothurner Ständeratswahlen. Erstmals wieder seit 1995 treten nämlich auch die Grünen mit einem eigenen Kandidaten an. 55 Parteimitglieder haben an der Mitgliederversammlung in Solothurn den Oltner Kantonsrat Felix Wettstein nominiert.

Seit Mittwoch ist auch offiziell bekannt, wer höchstwahrscheinlich für die Solothurner FDP ins Rennen steigen wird: Die Oltner Stadt- und die Amteipartei haben Kantonalpräsident Stefan Nünlist nominiert. Damit werden im Oktober alle grösseren Parteien im Kanton mit eigenen Kandidaten antreten. Neben den beiden Bisherigen Pirmin Bischof (CVP, Solothurn) und Roberto Zanetti (SP, Gerlafingen) ist dies neben den beiden nun Nominierten auch SVP-Nationalrat Christian Imark. Zaubert nicht noch eine Kleinpartei eine Kandidatin aus dem Hut, dürfte das Rennen, wie auch dasjenige um die Solothurner Nationalratsmandate, zu einer reinen Männerfrage verkommen.

Nicht nur Wahlkampf-Lok

Während Nünlists Kandidatur allgemein erwartet worden war, kam die Grünen-Kandidatur überraschender. So wussten auch einige der Mitglieder der Versammlung von Mittwochabend der Kantonalpartei noch nichts davon. Von Überraschung oder Skepsis war im Raum aber nichts zu spüren. Ausschliesslich positive Voten fielen zu Wettsteins Kandidatur – der Oltner sei «der Richtige» für den Job, so der Tenor. Mit der Kandidatur gebe man den Wählerinnen und Wählern zudem die Möglichkeit, eine Rot-Grüne Vertretung nach Bern zu schicken.

Wenig Begeisterung auslösen dürfte die Grünen-Kandidatur indes bei der SP. Haben linke Kandidaten im Kanton grundsätzlich nicht die leichteste Ausgangslage, muss SP-Kandidat Roberto Zanetti nun damit leben, dass im linken Lager ein weiterer Kandidat um Stimmen buhlt. – Auch wenn Zanetti als Bisheriger über einen viel höheren Bekanntheitsgrad und Sympathien bis ins bürgerliche Lager verfügt.

Man wolle eine Auswahl bieten, begründet Felix Wettstein die Grünen-Kandidatur. Diese sei keinesfalls gegen Zanetti gerichtet, der in Bern «ausgezeichnete Arbeit» leiste. Und: «Es gibt zwei Linien auf dem Wahlzettel», so Wettstein weiter. Dass nun ein zweiter Wahlgang wahrscheinlich wird, freut ihn jedoch. «Wenn zwei Bisherige antreten, ist es aus demokratiepolitischer Sicht immer erstrebenswert, dass es zu einem zweiten Wahlgang kommt.» «Es ist uns ernst», so Wettstein. «Es ist eine entscheidende Möglichkeit, Positionen der Grünen wie Nachhaltigkeit oder Fairness im Sozialbereich ins Bild zu rücken», begründet er den Entscheid der Partei, der bereits vor den «ermutigenden» Wahlergebnissen in Zürich, Luzern oder Baselland gefallen sei. Dass es eine «grosse Hürde» sei, verschweigt Wettstein allerdings auch nicht. Trotzdem: Man trete nicht nur an, um eine Wahl-Lokomotive für die Nationalratswahlen zu haben, so der Oltner Parlamentarier, sondern man sehe auch Chancen. «Es würde mich unglaublich reizen, auf nationaler Ebene Einfluss zu nehmen», sagt der 61-jährige Fachhochschuldozent.

FDP-interne Gegenkandidatur?

Neben Wettstein will auch Stefan Nünlist, der Präsident der Solothurner FDP, ins «Stöckli» einziehen. Er stellt sich seiner Partei als Ständeratskandidat zur Verfügung, wie er auf Anfrage bestätigt.

Mit Bischof, Imark und Nünlist scheint ein abgesprochenes bürgerliches Zweierpäckli auch 2019 passé. Wieder dürften sich die Stimmen im bürgerlichen Lager aufteilen. 2015 waren, auch deshalb, die Freisinnigen mit Gewerbeverbandspräsidentin Marianne Meister (und ebenso die SVP mit Walter Wobmann) bereits relativ deutlich gegen Zanetti und Bischof gescheitert. Nun treten wiederum beide Bisherigen an. Ob er besser sei als Meister bezweifle er, sagt Nünlist. «Aber man muss es probieren und den Anspruch der FDP geltend machen.» Es sei immer auch eine Frage des richtigen Zeitpunkts, sagt Nünlist, der sich mit künftigen Herausforderungen wie der Digitalisierung beschäftigen will. Nicht zuletzt aber will der Oltner, der seit September 2017 an der Spitze der Solothurner Liberalen steht, auch ein Statement setzen: «Der Freisinn tritt an», bekräftigt er. «Mit einem freisinnigen Ständerat wäre unser Kanton in Bern richtig repräsentiert.»

Noch ist die Kandidatur nicht zu hundert Prozent in Stein gemeisselt: Nünlist muss noch am 24. April von der Kantonalpartei auf den Schild gehoben werden. «Ich wünsche mir eine Kampfkandidatur», sagt der Leiter Unternehmenskommunikation bei der Swisscom. Allfällige Gegner sind bisher allerdings nicht auszumachen.

Der 57-jährige Oltner, der einst als persönlicher Mitarbeiter der Bundesräte Jean-Pascal Delamuraz und Pascal Couchepin politische Erfahrung sammelte, tritt auch mit dem Gedanken an die Vertretung der Regionen an. «Heute sind beide Ständeräte aus dem oberen Kantonsteil», kritisiert er.