Auf einen Kaffee mit...

Koch Thomas Nussbaumer: «Kochen ist etwas Beruhigendes»

Thomas Nussbaumer in der Küche der Oltner FHNW.

Thomas Nussbaumer in der Küche der Oltner FHNW.

Auf einen Kaffee mit... Koch Thomas Nussbaumer, der während der Krisenzeit im Spital aushilft – in der Küche.

Nebst all den Herausforderungen oder Sorgen, welche die aktuelle Lage mit sich bringt, bedeutet sie für so einige auch: Mehr Zeit zu Hause. Und diese wird oft auch dazu genutzt, wieder vermehrt selbst zu kochen, neue Rezepte auszuprobieren, mit regionalen Produkten zu arbeiten. Das stellt auch Thomas Nussbaumer fest. Auch er kocht viel – schon immer. Der 49-Jährige aus Oberwil leitet die Gastronomie an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Olten, dazu gehören ein Restaurant, eine Cafeteria und eine Kaffeebar. Eine Herzensangelegenheit, wie er erzählt, sei zudem das Amt als Präsident des Schweizer Kochverbands. Warum sich in dieser Zeit so viel mehr an den Herd wagen, weiss Nussbaumer auch nicht recht. «Kochen ist etwas Beruhigendes» – das gelte für ihn als Koch aber sowieso. Er koche immer zu Hause, wenn er und seine Frau Gäste haben, wage er sich immer mindestens bei einem Gang an ein neues Rezept. Derzeit backe er zudem Brot und verschenke es in der Nachbarschaft.

Zwangsläufig hat auch Nussbaumer nun mehr Zeit zu Hause. Die FHNW in Olten, und damit auch der ganze Gastrobetrieb, haben derzeit geschlossen. Einige Dinge konnte Nussbaumer zwar im Homeoffice erledigen; wie etwa die Lernenden betreuen, die während der Krisenzeit zu Hause kochen. Irgendwann sind aber auch alle Büroarbeiten nachgeholt. «Untätig zu Hause sein, das hat mir Mühe bereitet», berichtet Nussbaumer. Dazu kommt: Seine Frau arbeitet in der Gesundheitsbranche, in einer Reha-Klinik. Nussbaumer kriegt auch von ehemaligen Arbeitskolleginnen und -kollegen, die in Spitalküchen arbeiten, einiges über die aktuelle Situation mit, und was sie für Leute bedeutet, die nun darin total gefordert sind. «Das einem im Homeoffice die Decke auf den Kopf fällt, ist das eine – es gibt derzeit aber ganz viele Leute, die an vorderster Front arbeiten müssen.» So entschloss sich Nussbaumer, sich bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, den Spitälern im Kanton Baselland, zu melden. Innert weniger Tage hat er sich einen Freiwilligeneinsatz während der Krise organisiert.

Arbeit mit Masken und in aufgeteilten Teams

Konkret funktioniert das so: In den Spitälern arbeiten die Mitarbeitenden in der Gastronomie aktuell in zwei verschiedenen Teams. Diese wechseln sich jeweils nach einer einwöchigen Schicht mit Arbeiten ab. Ein ehemaliger Mitarbeiter, der die nun kleineren Teams in der aktuellen Situation unterstützen kann, war also gefragt. Nussbaumer hilft nun im Spital Liestal aus. 10 Tage stand der 49-Jährige nun im Einsatz. «In einer Spitalküche sind die Hygienevorschriften ohnehin schon sehr hoch», erklärt der Oberwiler. Derzeit tragen die Mitarbeitenden zudem Masken; für die Menübesprechung setzt man sich nicht mehr mit einer Tasse Kaffe an einen Tisch, sondern stellt sich in jeweils 2 Meter Abstand in der Küche auf.

«Man ist wirklich sehr gut organisiert, so dass man relativ unaufgeregt auch in der aktuellen Lage miteinander arbeiten kann. Das gibt Sicherheit.» Und Struktur, und die braucht Nussbaumer im Alltag, wie er erzählt. Auch im Homeoffice stehe er immer zur selben Zeit auf, brauche einen geregelten Ablauf und ein Ziel. Diese Woche hat Nussbaumer im Homeoffice gearbeitet, nachdem er vorletzte Woche im Spital tätig war. Nächste Woche geht er nochmals für einige Tage ins Spital. Danach kommt wohl wieder andere Struktur in Nussbaumers Alltag.

Köchinnen und Köche wollen wieder arbeiten

Bei Lehrabschlussprüfungen im Kanton Basel-Landschaft ist Nussbaumer als Chefexperte tätig. Die praktischen Prüfungen sollen ab Mitte Mai stattfinden. Stand jetzt ist noch unklar, wann genau und in welchem Rahmen der Gastrobereich wieder öffnet und auch Nussbaumer wieder in Cafeteria und Restaurant zu tun hat. Gleichzeitig weiss der Präsident des Schweizer Kochverbandes: Auch in seiner Branche sind längst nicht alle Personen fest angestellt; haben ein gesichertes Einkommen.

Rund 10'000 Mitglieder zählt der Verband – «mit allen kann man also nicht in Kontakt stehen», so Nussbaumer. «Aber mit einzelnen telefonieren wir regelmässig, gerade wenn wir wissen, dass sie es aktuell schwer haben – weil sie als Selbstständige finanzielle Ängste haben oder unter einer Vorerkrankung leiden.»

Was Nussbaumer zudem spürt – und auch eine Umfrage der Schweizer «Hotel und Gastro Union» zeigt: «Die Leute wollen wieder arbeiten; und Gewissheit darüber haben, ab wann sie das wieder können.» Derweil nutzten auch Berufskolleginnen und -kollegen die Zeit zu Hause vor allem für eines: kochen.

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