Klima

Klimastreikende und SVP wollen Flugverbot – die Regierung nicht

Schüler, die streiken – wie hier am 15. März 2019 in Olten –, sollen nicht fliegen, fordert ein Kantonsrat.

Schüler, die streiken – wie hier am 15. März 2019 in Olten –, sollen nicht fliegen, fordert ein Kantonsrat.

Wenn es nach SVP-Kantonsrat Beat Künzli ginge, würden Kantischüler Sprach- und Kulturreisen im Inland durchführen. «Dies würde einerseits zu einem besseren Kennenlernen des eigenen Landes führen und wäre andererseits umweltpolitisch um einiges nachhaltiger», schreibt er in seinem Kantonsratsvorstoss. Dort stellt er dem Regierungsrat Fragen zu den Forderungen der «Klimajugend».

Insbesondere, ob der Regierungsrat sich vorstellen könne, ein gänzliches Flugverbot für Kantischüler durchzusetzen und ob es möglich sei, an den Solothurner Kantonsschulen weitere Schritte zur Reduktion des CO2- Ausstosses vorzunehmen, etwa durch eine Reduktion der Zimmertemperatur in den Klassensälen, interessiert den Laupersdörfer Landwirt.

«Schüler sollen auf Luxus verzichten»

«Ganz grundsätzlich stört es mich wahnsinnig, dass die Schüler demonstrieren gehen, einige Klassen an der Kanti aber ins Ausland fliegen. Die Jugendlichen sollen auf den Luxus verzichten, wenn sie von der Politik fordern, Massnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen», meint Künzli auf Nachfrage im Gespräch. Aufklärung über den Klimawandel im Schulunterricht brauche es laut Künzli aber nicht: «Die einzige Aufklärung, die es in der Schule braucht, ist zu Fragen wie «Wie verzichte ich auf Wohlstand und Luxus?»

Diese Ansicht teilt der Regierungsrat nicht. In seiner Stellungnahme zum Vorstoss von Künzli schreibt er: «Wir bevorzugen eine Politik der Zurückhaltung in Sachen Flugreisen. Sie erlaubt eine umfassende Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schüler mit allen Ebenen des Klimaschutzes: der Vermeidung, Reduktion oder Kompensation des Treibhausgasausstosses.»

Ein gänzliches Flugverbot entbehre demgegenüber nicht einer gewissen Bevormundung und Symbolpolitik, da nur der Teilaspekt Fliegen thematisiert werde. Zudem schreibt der Regierungsrat, ihm sei nicht bekannt, dass Gymnasiasten in schulischen Angelegenheiten weite Reisen unternähmen, die von den Schulen organisierten Reisen fänden generell in Europa statt. Künzli gibt sich mit dieser Antwort jedoch nicht zufrieden, bezeichnet sie gar als heuchlerisch und unwahr, da er von Studienreisen nach England und Dublin sowie dem Partnerschaftsprojekt mit einer Schule im Senegal weiss.

Flugreisen nur bei begründeten Ausnahmen

Ein generelles Flugverbot gibt es an der Kantonsschule Solothurn nicht, informiert Rektor Stefan Zumbrunn. Eine Umfrage bei den Lehrpersonen und Schülern vor einigen Jahren habe ergeben, dass dies nicht gewünscht sei. Jedoch würden Flugreisen nur in Ausnahmefällen, beispielsweise bei Zielen im englischen Sprachraum, die mit dem Zug nur sehr mühsam erreicht werden können, genehmigt. Ausserdem müsse jeder Flug, den eine Klasse unternimmt, konsequent CO2-kompensiert werden.

Jürg Schläpfer, langjähriger Musiklehrer an der Kantonsschule Solothurn, der immer wieder Kulturreisen für seine Klassen organisiert, betont zudem, dass es immer ein Abwägen sei, wenn es um Flugreisen gehe: «Der Aspekt Umwelt und Treibhausgasemissionen spielt in der Planung schulischer Reisen immer eine grosse Rolle. Jedoch ist es, vor allem in der heutigen Situation, auch wichtig, Kulturaustausche zu fördern, um Brücken zu bauen, Verbindungen zu schaffen und Vorurteile abzulegen. Das ist mit Inlandsreisen nicht immer möglich.»

Schläpfer berichtet, dass er und seine Klassen die Ziele der Kulturwochen in den letzten Jahren trotz Mehrkosten stets mit dem Zug erreicht hätten; die Schüler seien immer bereit gewesen, die grösseren Eigenleistungen zu vollbringen.

Auch Lisa Metzger, Präsidentin des schulinternen Vereins «Unos con Otros», der in der Bestrebung gegründet wurde, die Unesco-Ziele an der Kantonsschule Solothurn konkret umzusetzen, sieht die Flugfrage als stetes Abwägen. Der Verein entsendet jährlich eine Delegation aus Lehrpersonen und Schülern in den Senegal an die Partnerschule in Thiès. «Es geht um einen einmaligen interkulturellen Austausch mit den senegalesischen Schülern. Wir gehen nicht als Touristen hin, sondern es ist eine Zusammenarbeit, ein Kennenlernen, eine Problembewältigung, die tatsächliche Begegnungen und Berührungen erfordert», erklärt Metzger.

Auch in Olten nur mit Klimakompensation

Auch an der Kantonsschule Olten werden Flugreisen seit 2011 nur noch in sehr gut begründeten Ausnahmefällen bewilligt, bestätigt Rektorin Sibylle Wyss. Dies sei nur der Fall, wenn ein Bildungsziel im Vordergrund stehe, das mit einer Zug- oder Busreise nicht sinnvoll erreicht werden könne. Rein finanzielle Argumente zählten nicht und Flüge müssten immer klimakompensiert werden.

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