Egerkingen

Kinder prägen den Alltag im Asylzentrum auf der Fridau

Ein Jahr nach seiner Eröffnung lud das Asyl-Durchgangszentrum auf der Fridau in Egerkingen zum Tag der offenen Tür. Die Nationalitäten sind hier sehr durchmischt; seit kurzem wurde wegen der vielen Kinder auch eine eigene Schulklasse gegründet.

Ruhig, friedlich, unspektakulär: So verlief der Tag der offenen Tür am Samstag im kantonalen Asylzentrum auf der Fridau in Egerkingen. In der Zeit von 11 bis 15 Uhr nutzten rund 200 Besucher das Angebot. Sie konnten sich frei in den Räumen bewegen, einen Blick in die Küche oder in die Vierer- bis Achterzimmer werfen. Zum Mittagessen gabs Ghackets und Hörnli von der Kochgruppe «Les Gourmets» Egerkingen, ergänzt durch syrische Falafel.

Mit 120 Personen ist die neue Obergrenze der Belegung ausgeschöpft. Dominierten nach dem Start im Oktober 2014 die Männer aus Eritrea, wirken die Fridau-Bewohner heute optisch viel gemischter. Aktuell sind es nach Angaben der Zentrumsleitung 51 Männer, 29 Frauen und 40 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, darunter 19 Paare oder Familien. Fast die Hälfte (57) kommen aus Afghanistan, die nächstgrössten Gruppen aus Syrien (16) und Irak (11). Die 9 Eritreer folgen erst an vierter Stelle.

Neu auch Schule auf der Fridau

Wegen der grösseren Anzahl Kinder wird seit kurzem auf der Fridau eine eigene Schulklasse geführt. Sie zählt zurzeit 17 Kinder aus Afghanistan, Syrien, Irak und Iran. Obwohl die einzelnen Kinder nur wenige Monate bleiben, findet Lehrerin Martina Held den Unterricht sehr befriedigend. «Es sind alles hochanständige Kinder, ich staune, wie gute Manieren sie haben.» Sie lernten schnell: «In der Regelschule hatte ich noch nie so motivierte Kinder.»

Die Lehrerin spricht mit ihnen Hochdeutsch oder Englisch. Dass man sich hier zur Begrüssung die Hand gibt und «Guten Tag» sagt, musste sie nur einmal zeigen, seither wird sie von allen so begrüsst. Martina Held weiss, dass die Kinder zum Teil Schreckliches erlebt haben. «Am meisten sehe ich es den Augen an. Dieser ernste Ausdruck.»

Die 13-monatige Betriebszeit des Asylzentrums verlief ruhiger als zuvor befürchtet. «In dieser Zeit mussten wir von der Polizei nur einmal ausrücken, wegen einer Schlägerei», berichtet Sandra Scacchi, Chefin des Polizeipostens Egerkingen und Mitglied der Begleitgruppe. Wie in allen Asylzentren wurden schon präventiv die Zimmer durchsucht, ohne Ergebnis. Ladendiebstähle gebe es im Gäupark oft, sagt die Postenchefin: «Aber nicht durch Leute von der Fridau.» Nur einmal sei eine Asylsuchende erwischt worden: «Sie hatte Windeln für ihre Tochter geklaut.»

Am Tag der offenen Tür sind keine grossen Berührungsängste erkennbar. Der direkte Austausch mit den Asylsuchenden ist aber begrenzt, die (tatsächlichen oder vermuteten) Sprachschwierigkeiten wirken als Barriere. «Eisbrecher» sind die Kinder, die durch die Gänge wuseln oder sich ohne Umstände auch neben Fremde setzen.

«Asylzentren sind sichere Orte»

322 Asylsuchende aus 52 Ländern hielten sich seit der Eröffnung auf der Fridau auf. Dafür sei die Sicherheit im Zentrum hervorragend, sagte ASO-Chefin Claudia Hänzi. Für die Zusammenarbeit zwischen Kanton und Gemeinde fanden beide Seiten höchstes Lob. «Das ASO hat in den 13 Monaten bewiesen, dass es die Sorgen der Bevölkerung ernst nimmt», anerkannte Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi. Sie fügte bei: «Auch wenn es hart klingt: Unsere Erwartungen stehen über denen der Flüchtlinge. Sie müssen sich anpassen, nicht umgekehrt.» Nur so könne Empathie und Verständnis entstehen.

Mit dem Betrieb des Asylzentrums Fridau ist ASO-Chefin Claudia Hänzi sehr zufrieden. «Wir machen gute Erfahrungen mit Zentren, wo Familien und alleinstehende Männer gemischt sind. Da entsteht eine gewisse familiäre Struktur, das trägt zur Entspannung bei.» Zurzeit würden dem Kanton jeden Monat etwa 200 Asylsuchende vom Bund zugewiesen. Das ASO suche vor allem nach weiteren Zivilschutzanlagen als Asylunterkünfte. Ist es da nicht schade, die Fridau in zwei Jahren wieder zu schliessen? «Natürlich, aber so hat der Regierungsrat entschieden, das sind die Rahmenbedingungen.» Eine Verlängerung stehe, Stand heute, nicht zur Diskussion. «Ich bin überzeugt, dass das geplante neue Zentrum in Deitingen mit 250 Plätzen dann bereit sein wird.»

Claudia Hänzi

Mit dem Betrieb des Asylzentrums Fridau ist ASO-Chefin Claudia Hänzi sehr zufrieden. «Wir machen gute Erfahrungen mit Zentren, wo Familien und alleinstehende Männer gemischt sind. Da entsteht eine gewisse familiäre Struktur, das trägt zur Entspannung bei.» Zurzeit würden dem Kanton jeden Monat etwa 200 Asylsuchende vom Bund zugewiesen. Das ASO suche vor allem nach weiteren Zivilschutzanlagen als Asylunterkünfte. Ist es da nicht schade, die Fridau in zwei Jahren wieder zu schliessen? «Natürlich, aber so hat der Regierungsrat entschieden, das sind die Rahmenbedingungen.» Eine Verlängerung stehe, Stand heute, nicht zur Diskussion. «Ich bin überzeugt, dass das geplante neue Zentrum in Deitingen mit 250 Plätzen dann bereit sein wird.»

Egerkingens Gemeindepräsidentin hat kaum Klagen zur Fridau: «Aus Sicht der Gemeinde läuft der Betrieb reibungslos – bis aufs Littering», sagt Johanna Bartholdi. Das Littering hat offenbar mit dem Alkoholverbot im Asylzentrum zu tun: Die Fridau-Bewohner trinken ihre Biere nach dem Einkauf im Dorf auf dem Fussweg zur Klinik. Laut Bartholdi erhält die Verwaltung nie negative Rückmeldungen, ausser dass am Weg Äpfel und Zwetschgen von den Bäumen gestohlen worden seien. Trotzdem weiss die Gemeindepräsidentin: «Die Empfindlichkeit der Bevölkerung ist nach wie vor sehr gross.» Ihr selbst kommt manches zu Ohren. So würden die Asylsuchenden manchmal auf dem Känzeli oberhalb der Kirche singen: «Manche finden das schön, andere beklagen sich über Lärm.»

Johanna Bartholdi

Egerkingens Gemeindepräsidentin hat kaum Klagen zur Fridau: «Aus Sicht der Gemeinde läuft der Betrieb reibungslos – bis aufs Littering», sagt Johanna Bartholdi. Das Littering hat offenbar mit dem Alkoholverbot im Asylzentrum zu tun: Die Fridau-Bewohner trinken ihre Biere nach dem Einkauf im Dorf auf dem Fussweg zur Klinik. Laut Bartholdi erhält die Verwaltung nie negative Rückmeldungen, ausser dass am Weg Äpfel und Zwetschgen von den Bäumen gestohlen worden seien. Trotzdem weiss die Gemeindepräsidentin: «Die Empfindlichkeit der Bevölkerung ist nach wie vor sehr gross.» Ihr selbst kommt manches zu Ohren. So würden die Asylsuchenden manchmal auf dem Känzeli oberhalb der Kirche singen: «Manche finden das schön, andere beklagen sich über Lärm.»

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