Bancomaten-Betrüger

Kein Bancomat ist sicher vor Skimming

Ein manipulierter Bancomat: Der aufgesetzte Kartenschlitz (oben) lässt sich relativ simpel demontieren und montieren (unten).fotos: ZVG

Ein manipulierter Bancomat: Der aufgesetzte Kartenschlitz (oben) lässt sich relativ simpel demontieren und montieren (unten).fotos: ZVG

Die Manipulation von Kartenautomaten – das sogenannte Skimming – hält ungebrochen an. Die dreisten Bankräuber ohne Masken machen selbst nicht Halt vor Einkaufszentren. Die Täter werden selten erwischt.

Auch schon ein ungutes Gefühl gehabt, beim Geldbezug an einem Bancomaten? Vorsicht ist tatsächlich geboten. Wurden 2010 nur sieben «Skimming»-Fälle registriert, waren es im letzten Jahr schon 75 Fälle. «Etwa gleich viel werden es voraussichtlich in diesem Jahr sein, wie die Quartalszahlen zeigen», sagt Urs Bartenschlager, Kripochef der Kantonspolizei Solothurn. Die Dunkelziffer dürfte wesentlich höher liegen, wenn auch nicht mehr so hoch wie vor zwei, drei Jahren. Grund: Mittlerweile empfehlen die Banken Kunden, deren Daten «abgesaugt» worden sind, Anzeige zu erstatten.

Noch bis vor kurzem fürchteten die Banken viel mehr um ihren Ruf, denn das Kapital einer Bank ist ihre Sicherheit. Wohl auch aufgrund der von den modernen Bankräubern geraubten Summen gehen die Banken nun offensiver mit dem Problem um. Sie unterstützen finanziell die nationale Skimming-Aufklärungskampagne. Ausserdem reagieren sie sofort bei Auffälligkeiten. Am letztjährigen Märet-Fescht wurden mehrere Raiffeisen-Kunden Skimming-Opfer. Manipuliert war der Automat bei der Kronengasse. Auch Bartenschlager selbst war eines der Opfer. Doch selbst er als Profi merkte dies erst, als ihn die Bank informierte, seine Karte sei gesperrt worden.

Beliebter Tatort Bahnhof Olten

Geschädigt sind immer die Banken. Der Kunde hat zwar den Ärger, für den Schaden steht seine Bank aber gerade. Dies, obwohl nicht nur Geldautomaten der Banken manipuliert werden. Im letzten Jahr betrafen von den 75 Fällen 33 SBB-Ticketautomaten. Vorwiegend auf dem Bahnhof Olten. In diesem Jahr sind bislang keine Ticketautomaten manipuliert worden. Auch hier aber machen die SBB kaum Wind um das Problem. Kürzlich haben sie aber angekündigt, neue Automaten anschaffen zu wollen. In einem Nebensatz hiess es: Diese sollen sicherer vor «Skimming» sein. In diesem Jahr sind im Kanton Solothurn bis anhin vor allem Bancomaten-Türöffnungssysteme für den Bancomat-Raum der Migros-Bank betroffen.

Dort lesen die Täter die Daten ab dem Magnetstreifen ab. Den PIN-Code der Karte spähen sie dann mittels einer Kamera oder Beobachtung aus. Die Erklärung dafür: «Die gut organisierten Banden aus Osteuropa bauen den Tastatur- und Kartenschlitz-Aufsatz jeweils exakt für einen bestimmten Automatentyp», so Bartenschlager. Danach gehen die Banden auf «Montage». Trägt man dann die Schadensmeldungen auf einer Karte ein, lassen sich die Streifzüge in der Regel gut verfolgen – nur leider zu spät.

Auch in Einkaufszentren

Sicher ist kein Kartenautomat – weder der einer Bank, einer Tankstelle oder sonst wo. Ja die modernen Bankräuber werden immer dreister. Sogar grosse Einkaufszentren hatten schon Skimming-Fälle, wie Bartenschlager erzählt. Das Vorgehen der Täter: Sie verstecken sich irgendwo im Einkaufszentrum, lassen sich einsperren. Über Nacht manipulieren sie eine Kassen-Zahlungsstelle. Am nächsten Einkaufstag werden dann von dieser Zahlstelle munter die Daten der EC-Kärtchen «abgesaugt». Es ist auch schon vorgekommen, dass in der nächsten Nacht die Täter die manipulierte Zahlstelle wieder in den Original-Zustand zurückbauten.

Die Banden rüsten auch stetig technisch auf. So wird bei den Kartenschlitzen nicht mehr ein manipulierter Aufsatz montiert. «Die neusten Teile sind so filigran, dass sie in den Kartenschlitz hineingesteckt werden können. So sind sie nicht mehr erkennbar», sagt Bartenschlager. Das technische Wettrüsten sei enorm.

Die «Monteure» halten dicht

Täter werden selten erwischt – erst recht nicht in flagranti. Ein Glücksfall war, als letzten Sommer in Bellach ein 44-jähriger Bulgare dingfest gemacht werden konnte, als er gerade seine Gerätschaften vom Bancomaten der Raiffeisen demontieren wollte. Die «Monteure» sind laut Bartenschlager aber eh nur die kleinen Fische. Sie machen die Drecksarbeit, während irgendwo auf der Welt irgendwelche Hintermänner abkassieren. «An diese Hintermänner kommt man kaum ran», so Bartenschlager. Auch aus den «Monteuren» ist kaum etwas rauszukriegen. «Sie wissen, dass in der Zeit, in der sie ihre Strafe absitzen, für ihre Familien gesorgt wird», erklärt Bartenschlager. «Sie wissen aber auch, dass, wenn sie singen, ebenfalls für ihre Familien gesorgt wird. Und das sagen sie auch offen so.»

Die Kantonspolizei gibt Empfehlungen ab, um sich vor Skimming zu schützen (siehe links). Der einfachste Schutz wäre aber, Kartenautomaten zu meiden und nur in der Bank Geld abzuheben. Das ist aber einfacher gesagt, als getan. Denn viele tragen heute nur ungern Bargeld auf sich.

Hinweis: Die Kantonspolizei ist bis Samstag mit ihren Präventionsbancomaten im Ladedorf Langendorf präsent.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1