Bildung

Kaum Sprachaufenthalte: Französisch-Unterricht bleibt eine Baustelle

Biel/Bienne ist nur eine kurze Fahrzeit von Solothurn weg, den Schritt für einen Austausch wagen viele Schüler trotzdem nicht. Archiv/AZ

Biel/Bienne ist nur eine kurze Fahrzeit von Solothurn weg, den Schritt für einen Austausch wagen viele Schüler trotzdem nicht. Archiv/AZ

Solothurner Schüler sprechen nicht besonders gut Französisch und gehen selten in den Austausch in das Welschland. Der Regierungsrat soll nun Schüler-Austauschprojekte fördern. Wie genau, ist jedoch nicht klar.

Um die Französisch-Kenntnisse der Solothurner Schüler könnte es besser stehen: Obwohl der Kanton nahe an der Grenze zur Westschweiz liegt, gibt es im Vergleich zu anderen Kantonen relativ wenige Schülerinnen und Schüler, die zum Sprachaustausch in den anderen Landesteil reisen.

Die Französischkenntnisse der Solothurner Schülerinnen und Schüler sind zudem nicht auf dem Stand, auf dem sie in anderen Kantonen sind: Im gesamtschweizerischen Schulvergleich sind die Schüler aus dem Kanton Solothurn im Fach Französisch im hinteren Teil gelandet. Dies zeigte eine nationale Erhebung, die im Frühjahr dieses Jahres publiziert worden ist.

Kantonsrat macht Druck

Nun kommt Druck auch aus dem Kantonsparlament, damit die Situation verbessert wird. Gleich zwei Kantonsräte sind in den letzten Wochen aktiv geworden: Sowohl der Bellacher SP-Mann Mathias Stricker, der auch Präsident des kantonalen Lehrerverbandes ist, als auch FDP-Kantonsrat Martin Rufer (Lüsslingen) forderten, dass der Schüleraustausch verbessert wird.
Kantonsrat Rufer hält dazu fest: Als «Brückenbauer-Kanton an der deutsch-französischen Sprachgrenze» sollten Solothurner Schülerinnen und Schüler bessere Französisch-Kenntnisse vorweisen können. Jeder Schüler sollte während der Volksschule mindestens eine Woche im Welschland verbringen. «Im Idealfall schliesst der Kanton Solothurn mit einem oder mehreren Kantonen aus der Romandie eine Kooperation im Themenbereich des Sprachaustausches ab», so Rufer.

Neu sind die Forderungen nicht: Bereits 2017 musste der Regierungsrat in Sachen geringer Austauschzahlen gegenüber dem Kantonsparlament Stellung beziehen. Damals angedeutete Massnahmen würden offenbar nicht ausreichen, sind sowohl Stricker als auch Rufer mit Blick auf die Entwicklung überzeugt.

Nicht zuletzt geht es auch um das Geld

Kritisch gesteht auch das Bildungsdepartement ein: Die Einführung des Lehrplans 21 und des neuen Fremdsprachenkonzeptes «Passepartout» habe viele Ressourcen benötigt, heisst es in der Stellungnahme des Regierungsrates zum Thema. «Daher hatte das Thema Austausch und Mobilität nicht erste Priorität.» Bereits jetzt gebe es aber Lehrer, die den Austausch organisierten. «Viele Lehrpersonen stellen fest, dass sich der Aufwand lohnt.» Weiter soll nun eine «Task-Force» das Solothurner Abschneiden beim nationalen Vergleich «vertieft analysieren».

Es sei ihm ein wichtiges Anliegen, den Austausch zu fördern, schreibt der Regierungsrat zudem. Diverse Schritte seien in Planung. Was er konkret zu tun gedenkt, bleibt der Regierungsrat in der Antwort aber grösstenteils schuldig. Er verweist etwa auf die kantonale Austauschverantwortliche: Sie informiere regelmässig über mögliche Programme, berate Schulen und vernetze sich national mit Austauschorganisationen. Dass dieses Stellenpensum aber bei den letzten Sparmassnahmen reduziert wurde, erwähnt der Regierungsrat nicht. So oder so geht es auch um Finanzen: Der Kanton fordert vom Bund, dass dieser Klassenaustauschprojekte stärker fördere.

Nicht die einzige Französisch-Baustelle

Der fehlende Austausch ist nicht die einzige Baustelle im Solothurner Französischunterricht. Teilweise massiv in die Kritik gekommen waren bereits die obligatorischen Lehrmittel «Mille feuilles» und «Clin d`oeil». Sie waren gemeinsam mit fünf anderen Kantonen in einem für den Kanton 6,7 Mio. Franken teuren Projekt erarbeitet worden. Das Buch «Mille feuilles» musste jedoch in die Überarbeitung geschickt werden. Auf Stufe Sek P erwies sich das Lehrmittel «Clin d`Oeil» als untauglich. Schliesslich wurde im Kanton eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die Hilfen für die Anwendung der Lehrmittel im Unterricht erarbeitete.

Schiffbruch erlitt das Projekt auch im Kanton Baselland: Dort kippte das Volk am Sonntag an der Urne das Lehrobligatorium für die beiden umstrittenen Lehrmittel.

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