Die Solothurner Gärtnermeister sind enttäuscht. In einem finanziellen Kraftakt stemmen die rund 50 Mitglieder des kantonalen Gärtnermeisterverbandes derzeit 450'000 Franken, um für ihre Lehrlinge ein neues Ausbildungszentrum auf dem Oeschberg bei Koppigen BE zu bauen. Doch vom Kanton Solothurn gibt es keinen einzigen Rappen an das neue Ausbildungszentrum. «Dafür hat niemand Verständnis», sagt Anton Sonderegger, Präsident des Verbandes Jardin Suisse Solothurn. In der ganzen Schweiz sei es üblich, dem dualen Bildungssystem Vorschub zu leisten. «Im Kanton Solothurn ist das nicht der Fall. Das ist beschämend und traurig zugleich.» 

Hunderttausende Franken hat der Kanton in den vergangenen Jahren bereits für Ausbildungszentren von kantonalen – und auch nationalen – Berufsverbänden ausgegeben (vgl. Kasten unten). Warum dann nicht auch bei den Gärtnern? 

Der simple Grund: Die Solothurner Gärtner bauen das 4-Mio.-Franken-Projekt gemeinsam mit ihren Berner Berufskollegen in Oeschberg bei Koppigen. Geld aber gibt es nur für Ausbildungszentren, die auch im Kanton gebaut werden. Das sei unter den Kantonen so vereinbart, sagt Stefan Ruchti, Chef des Amtes für Berufsbildung, Mittel- und Hochschulen. Für Zuschüsse an ausserkantonale Standorte fehle «in der kantonalen Berufsbildungsgesetzgebung die Rechtsgrundlage».

Allerdings gibt es einen Unterschied zu früher. Mit dem Sparpaket 2014 haben Regierungs- und Kantonsrat Beiträge gestrichen, die der Kanton an die überbetrieblichen Kurse zuschiessen konnte. Hätten die Gärtnermeister ihren Antrag vor 2014 gestellt, wäre ihr Gesuch möglicherweise positiv beantwortet worden und der Kanton hätte die Pauschalen für die überbetrieblichen Kurse zeitweise erhöht. Allerdings waren diese 2008 eingeführten Beiträge schon damals nur als Übergangslösung vorgesehen gewesen.

Gewerbeverband will aktiv werden

Für Anton Sonderegger macht es wenig Sinn, dass der Kanton nur Projekte auf dem eigenen Kantonsgebiet subventioniert. «Es gibt die Tendenz, kantonsübergreifend zusammenzuarbeiten, weil dies auch finanziell Sinn macht», sagt der Langendörfer Gärtnermeister. «Alleine wären wir zu klein.» Rund 25 Lehrlinge bilden die Solothurner Gärtner pro Jahr aus; zu wenig, um ein eigenes Ausbildungszentrum zu betreiben. Mit dem gemeinsamen Zentrum habe man den «wirtschaftlicheren Weg» gewählt, sagt Sonderegger. «Dafür wird die Solothurner Sektion der Gärtner nun bestraft.» Sonderegger ist überzeugt, dass die Kantone der Entwicklung bezüglich interkantonaler Zentren hinterherhinken» und die «Subventionspolitik überdenken» müssen. Er verweist auf die Innerschweiz, wo mehrere Kantone gemeinsam ein Ausbildungszentrum gebaut haben. «Jeder Kanton hat Geld beigesteuert.»

Auch beim Kantonalen Gewerbeverband (KGV) ist man mit der heutigen Situation nicht glücklich. «Das ist störend», sagt KGV-Geschäftsführer Andreas Gasche zum fehlenden Beitrag für die Gärtnermeister. Denn gerade die kleineren Verbände seien darauf angewiesen, mit anderen Kantonalverbänden zusammenarbeiten zu können. Um einen Beitrag zu erhalten, dürfen sie, zumindest nach dem Solothurner Modell, nur in ihrem Kanton bauen. «Man zwingt kleine Verbände, im Kanton in etwas zu investieren, was qualitativ und quantitativ besser mit anderen Kantonen zusammen geleistet wird», so Gasche. Der Gewerbeverband will nun politisch aktiv werden. Bereits in der nächsten Session will der Verband über seine Kanäle einen entsprechenden Vorstoss im Kantonsparlament einreichen. Vorwürfe an die Verwaltung will KGV-Geschäftsführer Gasche aufgrund des nicht bezahlten Beitrags an die Gärtner allerdings keine erheben. «Dem Amt sind die Hände gebunden», sagt er. Denn den Sparentscheid 2014 habe nun einmal die Politik getroffen.

«Es bringt Wertschöpfung»

Für Amtschef Stefan Ruchti ist es «der erste Fall, der nach den Sparmassnahmen Widerstand auslöst». Bereits einmal wurde ein ähnliches Gesuch abgelehnt. Für Ruchti macht die heutige Lösung, bei der Kantone nur an Zentren zahlen, die im Kanton gebaut werden, auch aus ökonomischer Sicht Sinn: Zum einen finanzieren diejenigen Kantone die Zentren, die auch von der Wertschöpfung profitieren – und davon gibt es auch im Kanton Solothurn mehrere: So zieht etwa das nationale, aber vom Kanton mitfinanzierte Ausbildungszentrum des Gebäudetechnikverbandes Suissetec in Lostorf Lehrlinge aus der ganzen Schweiz in die Region und sorgt für Übernachtungen im Kanton.

Zum anderen besuchen die 6280 Solothurner Lernenden 50 Kurszentren im Kanton, aber 150 ausserkantonale. Würde Solothurn an ausserkantonale Zentren ebenfalls bezahlen, so schätzt Ruchti, würde dies verwaltungsintern zu relativ viel Mehraufwand führen. Und Kosten auslösen: Der Kanton müsste wohl an diverse ausserkantonale Zentren Beiträge leisten, die Solothurner ausserkantonal besuchen – gerade auch für solche im Baselbiet für die Lehrlinge aus dem Schwarzbubenland.