Corona-Zwischenbilanz

Kanton führt weiterhin Polizeikontrollen bei Rückkehrern aus Risikoländern durch

Personen, welche vom Contact-Tracing kontaktiert werden, zeigen sich kooperativ.

Personen, welche vom Contact-Tracing kontaktiert werden, zeigen sich kooperativ.

Bis anhin zeigten sich von Quarantänemassnahmen betroffene Personen im Kanton Solothurn kooperativ. Trotzdem werden weiterhin Polizeikontrollen durchgeführt um sicherzustellen, dass die verhängten Massnahmen eingehalten werden. Eine Zwischenbilanz.

Am Mittwoch meldete das Bundesamt für Gesundheit BAG so viele neue laborbestätigte Infektionen mit dem Coronavirus wie schon lange nicht mehr: 193 Fälle waren es, insgesamt haben sich in der Schweiz seit Pandemiebeginn 34'802 Personen angesteckt. Der Kanton Solothurn veröffentlicht ebenfalls täglich die neusten Fallzahlen: Dort wurden bis am Mittwoch 522 Personen positiv auf Covid-19 getestet, eine Person mehr als noch am Vortag.

Aber auch im Kanton ist das Contact-Tracing-Team mit immer mehr Fällen konfrontiert. Das schreibt der Kanton in einer Mitteilung. Derzeit befinden sich im Kanton 47 Personen in Quarantäne, 18 Personen in Isolation. Zusätzlich sind 373 Personen in Quarantäne, die aus dem Ausland zurückgekehrt sind.

Staatsanwaltschaft und Polizei unterstützen

Um sicherzustellen, dass das Contact-Tracing im Kanton funktioniert und sich betroffene Personen an die Regeln halten, arbeitet das Gesundheitsamt mit der Staatsanwaltschaft und der Kantonspolizei zusammen. An vorderster Front im Einsatz ist das Contact-Tracing-Team. Personen, die sich in Isolation oder in Quarantäne begeben müssen, telefonieren regelmässig mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Teams.

Falls Zweifel aufkommen, ob sich eine Person tatsächlich an die Schutzmassnahmen hält, kann der kantonsärztliche Dienst eine Kontrolle anordnen. Auch Personen, die aus Risikogebieten einreisen, werden stichprobenartig aufgesucht. An diesem Punkt kommt die Polizei ins Spiel: Grundsätzlich kontrollieren Polizistinnen und Polizisten, ob sich Privatpersonen an die Regeln halten. Korpsangehörige wurden dafür extra ausgebildet, schreibt der Kanton. «Der Polizei war es ein Anliegen, dass die eingesetzten Polizistinnen und Polizisten nicht nur kontrollieren, sondern auch sensibilisieren und beraten können. Es wurden dementsprechend verschiedene Alltagssituationen diskutiert.»

Verdachtsmeldungen haben sich jedoch mehrheitlich nicht bestätigt: Insgesamt führte die Kapo 25 Kontrollen durch, in drei Fällen stellten die Beamten einen Verstoss gegen die Schutzmassnahmen fest. Kommt es zu einem Regelverstoss, dann wird die Staatsanwaltschaft aktiv. In den drei genannten Fällen reichte der Kanton eine Anzeige ein, dazu kommen zwei Fälle aus Grenchen, wo sich Ende Juni zwei Personen nicht an die angeordnete Isolation und Quarantäne gehalten hatten.

Die Eigenverantwortung spielt eine grosse Rolle

Gegen Ende der Sommerferien spielen für die Ansteckungen besonders Personen eine Rolle, die ihre Ferien im Ausland verbracht haben. 42 Länder gelten in der Schweiz als Risikogebiete, wer die Ferien dort verbracht hat, muss nach der Rückkehr für zwei Wochen vorsorglich in Quarantäne. Im Kanton Solothurn haben Reiserückkehrer zwei Tage Zeit, um sich per Formular beim Gesundheitsamt zu melden. Die Quarantänepflicht gilt aber schon ab dem Zeitpunkt der Einreise.

Damit die Kantone die Quarantänepflicht der Reisenden prüfen und durchsetzen können, sind sie auch auf die Unterstützung des Bundes angewiesen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hatte vor einigen Wochen angekündigt, dass den Kantonen Passagierlisten und Formulare ausgehändigt werden, damit die Reiserückkehrer überprüft werden können. Laut der Zeitung NZZ liefert der Bund aber kaum Daten zu Reisenden aus Risikoländern. Eine systematische Kontrolle sei deshalb momentan unmöglich, so der Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK) gegenüber der Zeitung. Ob die Solothurner Behörden mit den Daten des BAG zufrieden sind, lassen sie auf Anfrage offen. Der kantonsärztliche Dienst habe Passagierlisten erhalten und überprüft, so der Kanton.

Klar ist: Der Kanton kann nicht in jedem Fall kontrollieren, ob sich eine Person an die verordneten Massnahmen hält. Bei jeder Gelegenheit appelliert er deshalb die Eigenverantwortung, die der Bevölkerung selber zukommt. Bisher ist man in der Verwaltung aber damit zufrieden, wie sich Personen verhalten, die sich in Isolation oder Quarantäne begeben müssen. «Wir möchten betonen, dass die behördlichen Massnahmen weitgehend befolgt werden und die Kooperationsbereitschaft der grossen Mehrheit der Bevölkerung gut ist», so der Kanton. Diese Praxis, bestehend aus Kontrolle und Eigenverantwortung, habe sich bewährt.

Autor

Rebekka Balzarini

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