«Um welches Tier geht es denn konkret?», fragt der Kantonsrat die Jugendlichen. Nach einer kurzen Schweigepause meldet sich ein Mädchen: «Eigentlich um alle.» Im Zimmer 131 des Ambassadorenhofes in Solothurn wird gerade über Tierhaltung diskutiert. Im Vorzimmer des Kantonsratsaales wird derweil über Mobilität gesprochen. «Wir fänden es gut, wenn auch ländliche Dörfer gut ans öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen sind», sagt ein Jugendlicher. Der Tisch ist voller Flipcharts, welche dieses Anliegen illustrieren. Das Thema Integration wird im Konferenzraum Rathaus Ost behandelt. Die Idee der Gruppe: Junge Flüchtlinge sollen in Vereinen mitmachen. Dies würde deren Integration fördern.

Diskutieren und konkretisieren

Wenn die grossen Ideen und Vorstellungen der Jugendlichen auf professionelle Politiker treffen, kann dies ein bisschen ernüchternd sein. Da heisst es nur: Nicht einschüchtern lassen und sich engagieren. In diesem Sinne fand gestern zum elften Mal der Jugendpolittag statt. Die auf der Onlineplattform «engage.ch» gesammelten Anliegen wurden von den Jugendlichen aus dem Kanton Solothurn umfassend diskutiert. Am Morgen wurden im «Alten Spital» die Themen in Arbeitsgruppen ausgewählt und definiert. Am Nachmittag wurden diese mit Kantonsräten konkretisiert und vertieft.

Stets begleitet wurden die Jugendlichen von Moderatoren. «Wir begleiten und helfen im Formulieren. Mitreden dürfen wir jedoch nicht», sagt eine Moderatorin im Kantonsratsaal. Die politische Meinung der Moderatoren soll nicht einfliessen. Die Teilnehmenden sollen ihre sich politische Meinung selber bilden können.

«Sie lernen hier die parlamentarischen Instrumente kennen und erfahren, wie sie sich politisch engagieren können», sagt Grüne-Kantonsrat Felix Glatz-Böni. Er war für die Themengruppe Tierhaltung zuständig. «Die Jugendlichen sind unsere Zukunft.» Daher sei es wichtig, ihnen die politischen Mechanismen aufzuzeigen. «Man muss das Spiel kennenlernen, um mitspielen zu können», fügt Glatz-Böni an.

Ein politisches Instrument lernte die Gruppe von Felix Glatz-Böni kennen: Die Interpellation. Das Anliegen der Themengruppe Tierhaltung war, dass Nutztieren in der Landwirtschaft durch mehr Kontrollen eine grössere Lebensqualität ermöglicht werden sollte. Die Früchte dieser Diskussion wird eine Anfrage an die Regierung sein. Diese soll klären, wie viel Platz Tiertiere in der Landwirtschaft zur Verfügung haben. Mit dieser Information können sich die Jugendlichen weiter beschäftigen.

Breite Themen

An einer abschliessenden Präsentation wurden die mit den Kantonsräten ausgearbeiteten Themen vorgestellt. In der Themengruppe Bildung wurde das Bedürfnis besserer Infrastrukturen für Tablets im IT-Bereich laut. Die Gruppe Mobilität will ein App entwickeln, um die leeren Sitzplätze der Autos zu füllen. Zudem soll der öffentliche Verkehr für ländliche Gemeinden ausgebaut werden. Die Jugendlichen werden sich in einer öffentlichen Mitwirkung dazu einbringen. Wie man sieht, geht die politische Arbeit der Jugendlichen nun erst richtig los. «Wir hoffen, dass Ihr dran bleibt und Eure Ideen umsetzt», sagt Melanie Eberhard, Projektleiterin der Onlineplattform «engage.ch» abschliessend. Politik braucht Geduld. Doch nur so können die innovativen Ideen der Jungen umgesetzt werden.