Entsorgung

Jetzt organisieren sich auch die Befürworter eines Tiefenlagers

Am Informationsanlass «Treffpunkt Tiefenlager» des Bundesamts für Energie vom 7. November 2013 in der Däniker Erlimatthalle machte sich das Forum Vera erstmals in der Region bemerkbar.

Am Informationsanlass «Treffpunkt Tiefenlager» des Bundesamts für Energie vom 7. November 2013 in der Däniker Erlimatthalle machte sich das Forum Vera erstmals in der Region bemerkbar.

Die neue Regionalgruppe Aargau/Solothurn des Forums Vera will in der Bevölkerung das Verständnis für die Entsorgung radioaktiver Abfälle wecken – auch wenn das Tiefenlager in die «eigene» Region zu liegen käme.

Die Gegner eines Lagers für radioaktive Abfälle im Nagra-Standortgebiet Jura-Südfuss waren voraus: Im Solothurnischen wurde schon im November 2008 der Verein «Niederamt ohne Endlager» (NoE) mit dem Obergösger SP-Kantonsrat Urs Huber als Präsident gegründet, im Juni 2012 folgte im Aargau der Verein «Kein Atommüll im Ballungsgebiet Aarau-Zofingen» (KAAZ). Jetzt ziehen die Befürworter nach: Ende Juni wurde in Bad Zurzach die Regionalgruppe Aargau/Solothurn des Forums Vera Schweiz gegründet. «Vera» steht dabei für «Verantwortung für die Entsorgung radioaktiver Abfälle» (vgl. www.forumvera.info).

Einziger Solothurner im fünfköpfigen Leitungsgremium der Regionalgruppe ist der Däniker SVP-Kantonsrat Walter Gurtner. Der Vorsitzende Kurt Wyss, ehemaliger Aargauer CVP-Grossrat aus Leuggern, erklärt das zahlenmässige Übergewicht der Aargauer so: «Der Kanton Aargau ist bei drei möglichen Tiefenlager-Standorten direkt oder indirekt involviert, Solothurn nur bei einem.»

Regionalgruppen in Standortgebieten

Unter den gegen 100 Mitgliedern der Regionalgruppe AG/SO seien aber auch Solothurner. Mitglieder gewonnen habe das Forum Vera etwa mit der Teilnahme am Informationsanlass «Treffpunkt Tiefenlager» des Bundesamts für Energie im letzten November in Däniken. Regionalgruppen des Forums Vera Schweiz gibt es übrigens drei: Nordost, Nördlich Lägern und Aargau/Solothurn. Damit sind die fünf möglichen Standortgebiete der Nagra in der Nordschweiz abgedeckt: Südranden SH, Zürich Nordost (Zürcher Weinland), Nördlich Lägern AG, Jura Ost AG (Bözberg), Jura-Südfuss AG/SO.

Bauen, wo es am sichersten ist

Wenn «Niederamt ohne Endlager» ausdrücklich die Verhinderung eines Endlagers im Niederamt zum Ziel hat, geht es dem Forum Vera dann umgekehrt darum, ein Tiefenlager in den Aargau oder den Kanton Solothurn zu holen? «Keinesfalls», erklären sowohl Kurt Wyss wie Walter Gurtner übereinstimmend. Das Motto des Forums Vera lautet vielmehr: «Wir wollen, dass der technisch sicherste Standort in der Schweiz gewählt wird. Wir wollen, dass die Geologie über den Standort eines Tiefenlagers entscheidet und nicht die Politik.»

Wenn aber «die Geologie» ein bestimmtes Gebiet einmal als das sicherste benennt, dann will sich das Forum Vera dafür einsetzen, dass das Tiefenlager dann auch tatsächlich dort gebaut wird. Kurt Wyss sagt es so: «Ich wohne am nächsten beim Bözberg. Es ist überhaupt nicht so, dass ich das Tiefenlager dort haben will. Aber wenn es dort am sichersten ist, dann sind wir dafür und setzen uns dafür ein.» Wyss vertraut auf das laufende Standortverfahren: Wenn der Vorschlag der Nagra zuerst vom Ensi und dann von den Experten des Bundes akzeptiert worden sei, gebe es für ihn keinen Grund, dagegen Sturm zu laufen.

Thema bewegt am Jura-Südfuss kaum

Das sieht im Prinzip auch Walter Gurtner so. Allerdings zeigt er sich überzeugt, dass das Gebiet Jura-Südfuss nicht zum Tiefenlager-Standort werde, weil es nur als Standort für schwach- und mittelaktive Abfälle im Rennen ist: «Schon finanziell wird es sich die Schweiz nicht leisten können, zwei Tiefenlager zu bauen», meint er. «Faktisch kommen nur diejenigen Standorte in Frage, die sowohl für die hochaktiven wie auch für die schwach- und mittelaktiven Abfälle geeignet sind. Zudem sagt die Nagra ja selbst, dass der Jura-Südfuss geologisch nur zweite Wahl ist.»

Diese Sicht Gurtners deckt sich mit derjenigen des Däniker Gemeindepräsidenten Gery Meier. Auch ein Grossteil der Bevölkerung im Raum Olten–Aarau rechnet wohl kaum ernsthaft damit, dass das umstrittene Tiefenlager in ihrer Region realisiert werden könnte. Kein Wunder, hat Walter Gurtner in der Plattform Jura-Südfuss, wo er sich als Vertreter der Gemeinde Däniken mit den denkbaren Standorten für Oberflächenanlagen herumschlägt, gähnendes Desinteresse der Bevölkerung festgestellt: «Das Thema Tiefenlager bewegt hier überhaupt nicht. Die Rückmeldungen aus den Gemeinden sind gleich null.»

«Unabhängig» – aus Befürwortersicht

Nimmt man Gurtner beim Wort, geht es dem Forum Vera um «unabhängige, kritische und objektive Information» zum Thema Entsorgung der radioaktiven Abfälle. Wobei er unter «unabhängig» ausdrücklich «unabhängig von der Nagra» versteht. In diesem Sinn stehe das Forum auch Personen offen, die der Kernenergie kritisch oder ablehnend gegenüberstünden.

Unbestritten ist dabei, dass das Forum Vera die Realisierung eines Tiefenlagers in der Schweiz fördern und nicht verhindern will. Auch sind die führenden Exponenten überwiegend als aktive Befürworter der Kernenergie bekannt. Das gilt für Walter Gurtner ebenso wie für Kurt Wyss, der Verwaltungsrat des KKW Leibstadt ist. Präsidentin des Forums Vera Schweiz ist Nationalrätin Kathy Riklin (CVP, ZH), im Vorstand sitzen die Nationalräte Bernhard Guhl (BDP, AG) und Hans Killer (SVP, AG) sowie alt Ständerat Rolf Schweiger (FDP, ZG).

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