Solothurner Angebot

«Ist das normal?»: Diese Hotline beantwortet Fragen rund ums Thema Demenz

Stellt die Vergesslichkeit eine gewöhnliche Alterserscheinung dar – oder steckt mehr dahinter? Bei Demenzverdacht lohnt sich eine frühzeitige Abklärung.

Stellt die Vergesslichkeit eine gewöhnliche Alterserscheinung dar – oder steckt mehr dahinter? Bei Demenzverdacht lohnt sich eine frühzeitige Abklärung.

Seit einem Jahr beantwortet die Ärztin Susanna Frigerio telefonisch Fragen zum Thema Demenz. Meist kommen die Anrufe von besorgten Angehörigen. Entweder in Fällen von Betroffenen, die noch gar keine Diagnose haben. Oder dann in Fällen, in welchen bereits eine Diagnose vorhanden ist, und Fragen zu Rechtlichem oder Medikamenten offen sind.


Einmal im Monat ist Susanna Frigerio am anderen Ende der Solothurner «Dementia Hotline». Während zwei Stunden nimmt sie Anrufe entgegen – und Fragen. Fragen zum Thema Demenz. «Mein Partner erwacht nachts oft, ist unruhig, reagiert auf Fragen gereizt. Am Morgen erinnert er sich nicht mehr daran. Erste Anzeichen für Demenz?» «Auf dem Nachhauseweg wusste ich plötzlich nicht mehr, welche Abzweigung ich nehmen soll. Ist das normal?» «Meine Mutter ist dement. Brauchen wir nun rechtlichen Beistand?» So könnten einige Beispiele lauten, mit denen sich Frigerio beschäftigt.

Im Kanton Solothurn leben über 5000 Menschen mit Demenz. Wobei: «Die Dunkelziffer dürfte höher sein», sagt Susanna Frigerio, die als Neurologin gemeinsam mit der Geriatrie die Memory Clinic am Kantonsspital Olten leitet, wo eine Demenzerkrankung abgeklärt werden kann. Alzheimer Schweiz geht davon aus, dass rund die Hälfte der Betroffenen gar keine Diagnose hat – auch weil Angehörige und Betroffene gar nicht wissen, wann und wo man nach Hilfe fragen soll. Genau hier setzt die «Dementia Hotline» an.

Keine Diagnose – aber Hilfe zum ersten Schritt

Bei einer immer älter werdenden Gesellschaft, in der die Anzahl Demenz-Erkrankter zunimmt, hat sich Frigerio gefragt, wie sie als Ärztin und Vorstandsmitglied von Alzheimer Solothurn Betroffenen und Angehörigen auf einfache Art und Weise helfen kann. So wurde vor rund einem Jahr die «Dementia Hotline», ein Projekt der Solothurner Sektion von Alzheimer Schweiz, ins Leben gerufen. Seither betreut Frigerio die Hotline einmal im Monat – in ihrer Freizeit. Während der Sommermonaten sind es etwas weniger, im Winter rund 5 bis 10 Anrufe, die während zwei Stunden monatlich eingehen. Die Mehrheit der Anrufe kommt von besorgten Angehörigen.

Frigerio kann erste Tipps geben und bei aufkommendem Demenzverdacht verweisen. «Ich stelle keine Diagnosen am Telefon», stellt sie klar. «Telefonisch wäre dies gar nicht möglich.» Es geht um ein erstes Zuhören, darum, zum nächsten oder zum ersten Schritt überhaupt im Zusammenhang mit einer Demenzerkrankung zu verhelfen. Und vor allem: «Es ist ein Signal, dass jemand da ist, der bei Ungewissheit helfen kann.» Frigerio kann beispielsweise an eine Stelle für Rechtsfragen weiterleiten; oder an den Hausarzt. «Ich empfehle frühzeitige Abklärungen», so Frigerio. «Wenn Unsicherheiten oder Beschwerden im Alltag zu täglichem Leidensdruck führen, muss Hilfe her.»

Nach der Diagnose: Fragen zu Medikamenten und Beistand

Für eine genaue Abklärung, bei der Alter, Bildung, Geschlecht berücksichtigt werden, geht es dann in die Memory Clinic, die an den Standorten Solothurn und Olten von der Solothurner Spitäler AG betrieben wird. Frigerio kann im Rahmen der Hotline an die Klinik verweisen, oder aber ein Hausarzt kann im Verdachtsfall seine Patientinnen und Patienten zuweisen. «Immer wieder gehen Personen auch beruhigt aus der Abklärung, weil man feststellen konnte, dass sich aufgefallene Vergesslichkeit beispielsweise im Rahmen von üblichen Alterserscheinungen bewegt.»

Befindet sich eine Person aber in der Grauzone – oder schon weiter, kann eine genaue Diagnose gestellt werden. Haben Angehörige oder Betroffene dann Fragen – etwa, was die medikamentöse Behandlung oder eine rechtliche Beratung einer nicht mehr urteilsfähigen, dementen Person angeht – hilft Frigerio wieder am anderen Ende der Dementia Hotline.


Von diesem einfachen Angebot für die verschiedenen Stufen einer Demenzerkrankung haben sich mittlerweile auch andere Kantone inspirieren lassen. Laut Ernst Zingg, Präsident von Alzheimer Solothurn, haben mittlerweile sechs andere Kantone ebenfalls eine Hotline nach Solothurner Vorbild eingeführt.



Die Hotline ist jeweils am ersten Montag im Monat von 17 bis 19 Uhr geöffnet und kostenlos: 077 487 74 96.

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