Auf einen Kaffee mit...
In seiner Werkstatt ist er von Technologie umringt, zuhause hat er keinen Internetanschluss

Auf einen Kaffee mit... Max Aeschlimann, der für die Technik der Solothurner Filmtage zuständig ist. Im Medienhaus hat er eine Werkstatt, in der er um die 12 Stunden am Tag arbeitet.

Sophie Deck
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Max Aeschlimann arbeitet in einem Raum voller zu reparierender Geräte.

Max Aeschlimann arbeitet in einem Raum voller zu reparierender Geräte.

Michel Lüthi

«Ich will ein Problem nicht nur für den Moment lösen», sagt Max Aeschlimann selbstsicher. «Ich will die Ursache beheben, sodass es gar nie mehr auftritt.» Der 61-jährige Technikexperte sitzt entspannt in seinem Werkstatt im Parterre des Solothurner Medienhauses und erklärt seine Herangehensweise an Aufträge. Seit mehr als 40 Jahren repariert er technische Geräte und hilft Kunden mit ihren technischen Schwierigkeiten. Dabei reiche es ihm nicht, wenn Dinge wieder funktionieren; er möchte wissen, warum sie funktionieren.

Genauso geht er auch bei den diesjährigen Filmtagen vor, wo er für die technische Kontrolle der Filme zuständig ist. Schon in den vergangenen Jahren hat er bei den Filmtagen mitgeholfen, doch dieses Jahr sei alles anders, denn «ein Online-Festival ist etwas Neues für mich und für das meiste, was ich machen muss, gibt es nirgendwo eine Anleitung.» Als Beispiel nennt er ein Problem mit den Untertiteln. «Die Online-Plattform ist International und in Englisch gehalten. Vielleicht ist das Problem so noch nie aufgetreten», erklärt er und wirkt beinahe erfreut als er hinzufügt: «Ich muss mir nun selbst etwas überlegen.»

«Zu Hause habe ich keinen Internetanschluss»

Das Bedürfnis, Prozesse wirklich zu verstehen ist für Aeschlimann der Grund, warum er überhaupt so gut mit Technologie zurechtkommt. Er habe schon als Kind immer alles auseinander genommen und viel «rumgebastelt». «Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der viel neue Technologie entstand», erklärt er. «So konnte ich die Hintergründe sehen. Wie man Computer dazu gebracht hat, so zu funktionieren wie sie es heute tun.» Und sie würden ja auch noch gleich funktionieren, meint er noch sinnierend, nur seien sie eben leichter zu bedienen.

Alles, was Aeschlimann im technischen Bereich kann und weiss, hat er sich selber angeeignet. Und er hat aus seiner Faszination ein Geschäft geschaffen. Seine Arbeit ist auch sein Hobby – eben seine Leidenschaft, so sagt er. Und dennoch: Er trennt die Zeit am Arbeitsplatz strikt von seiner Freizeit. «Zu Hause habe ich keinen Internetanschluss», sagt er zufrieden – und es ist bei dem Anblick der sieben Bildschirme im Raum, die er alle vom gleichen Computer aus steuert, kaum zu glauben. Doch er wolle abends einfach abschalten. «Ich lese manchmal ein Buch oder gehe auch schon um 21 Uhr ins Bett.»

Und viel Zeit verbringe er zu Hause sowieso nicht. Er arbeite um die zwölf Stunden am Tag, jedoch nicht nach der Uhrzeit. «Ich stehe dann auf, wenn ich aufwache und gehe ins Bett, wenn ich müde bin» sagt er. Sogar wenn er einen Termin hat, stellt er keinen Wecker. «Ich wache immer rechtzeitig auf», meint er schulterzuckend.

Jeder kann bei der offenen Tür vorbeikommen

Seine Tage auf diese Art zu gestalten, funktioniere für ihn, weil er sich niemandem anpassen muss. In seinem Beruf verbringt er viel Zeit allein. Deshalb laufen in seinem Büro auch immer Nachrichten. «Damit ich das Gefühl habe, dass noch jemand mir im Raum ist», erklärt er. Ausserdem lässt er immer seine Tür offen, damit man weiss, dass jeder vorbeikommen kann. «Es gab schon Leuten, die spät abends zu mir gekommen sind, weil sie auf die Zeitungsredaktion im dritten Stock wollten, um zu verhindern, dass ihr Bild in der Zeitung erscheint», berichtet er lachend.

Er scheint alles locker zu nehmen. Bei seiner Arbeit nehme er sich auch immer Zeit, auf die Menschen einzugehen. «Ich sehe genau an deinem Gesichtsausdruck, ob du mich verstanden hast oder nicht. Ich kann schon an der Frage beurteilen, wie viel Ahnung du hast», meint er beim Erklären von Datei-Pfaden auf dem Mac. Es ist daher nicht erstaunlich, dass Aeschlimann auch gut im Team arbeiten kann – auch wenn seine Kollegen nicht die gleiche Ahnung von Technik haben.

So meint er zu den Filmtagen: «Es gibt den technischen und den kulturellen Aspekt. Beide sind gleich wichtig.» Ganz alle Probleme seien für das Online-Festival noch nicht behoben, aber die Vorbereitungen sind in vollem Gange. «Die nächste Zeit wird es sicher noch meine Hauptbeschäftigung sein», meint er. «Doch ich denke, es kommt alles gut und freue mich darauf.»