Ständeratswahlen

Imark fordert Zanetti heraus: Ein Duell zwischen SP und SVP

Kontrahenten im zweiten Wahlgang: Roberto Zanetti und Christian Imark.

Kontrahenten im zweiten Wahlgang: Roberto Zanetti und Christian Imark.

Alles andere als ein Start-Ziel-Sieg wäre für CVP-Ständerat Pirmin Bischof eine Enttäuschung gewesen. Umso grösser die Erleichterung, als es vollbracht war. Im zweiten Wahlgang kommt es zum Duell zwischen der SP und der SVP.

Seine Irritation darüber, dass ihn die Wahlumfrage dieser Zeitung knapp zwei Wochen vor dem Tag der Entscheidung deutlich unter dem absoluten Mehr sah, war gross. Und er sollte recht behalten mit seinen Zweifeln an der Stichhaltigkeit der demoskopischen Leistung. Am Ende übertraf er die ominöse Hürde um etwas mehr als 2500 Stimmen. Die Erleichterung war denn auch spürbar, dass ihm der zweite Wahlgang erspart blieb. Abgesehen davon, dass die Familienferien neuerlich hätten gestrichen werden müssen, wäre es wohl auch so etwas wie eine «Majestätsbeleidigung» gewesen, oder, Pirmin Bischof?

Wiederwahl ist keine «Existenzfrage» mehr

Nicht viel von derlei Eitelkeiten hält SP-Ständerat Roberto Zanetti. Er war in früheren Wahlgängen beileibe nicht immer der «ewige Zweite», der ihm angedichtet wurde – aber er hat Erfahrung damit, wie es sich anfühlt, noch einmal Anlauf zu holen. Entsprechend gelassen gab sich Zanetti am Wahltag. Und zuversichtlich, dass es am 17. November klappen wird. Anders als 2015 ist die Wiederwahl für den bald 65-Jährigen zwar keine «Existenzfrage» mehr. Zanetti ist aber noch derart im Saft, dass es ihm gleichwohl ans Lebendige ginge, seine schillernde politische Karriere auf allen Staatsebenen fände ein abruptes und ungewolltes Ende.

Auch wenn jedem Wahltag etwas Unabwägbares innewohnt: Nach heutigem Stand der Dinge darf der «rote Röbu» dem zweiten Umgang mit einer gewissen Zuversicht entgegenblicken. Das hat zum einen mit seinem Resultat im ersten Lauf zu tun. Er hielt den nächsten Verfolger, SVP-Präsident Christian Imark, deutlich auf Distanz. Zum andern haftet dem ungleichen Duo Bischof/Zanetti in der öffentlichen Wahrnehmung ein gewisser Nimbus der Unzertrennlichkeit an. Politisch sind die beiden zwar nicht immer auf der gleichen Spur, aber sie verstehen sich offensichtlich ausgezeichnet. Und machen aus ihren gegenseitigen Sympathien keinen Hehl.

Die etwas komplizierte Sache mit der ungeteilten Standesstimme

Allerdings – bei allem Respekt vor funktionierender zwischenmenschlicher «Chemie»: Dass die beiden amtierenden Ständeräte gerne zusammen nach Bern fahren, ist kein valables Argument für Zanettis Wiederwahl. Die Frage ist, ob die Solothurnerinnen und Solothurner eine bürgerliche Vertretung in die kleine Kammer entsenden wollen – und, zumindest auf dem Papier, für die ungeteilte Standesstimme optieren.

Oder ob sie in Kauf nehmen, dass die Solothurner Stimmen im «Stöckli» mehr oder weniger häufig gesplittet werden. Wobei die Sache etwas komplizierter ist, als sie scheint, denn: Ob die Quote der Übereinstimmungen bei einem Doppel Bischof/Zanetti beziehungsweise bei einer Paarung Bischof/Imark höher ist, wäre im Einzelfall zu prüfen.

Bürgerliche Herausforderung ist eine Pflicht

So oder anders ist klar: Aus Sicht der Bürgerlichen wär es ein Zeichen der Schwäche und des politischen Laisser-faire gewesen, die Aufforderung zum Tanz nach dem ersten Wahlgang nicht anzunehmen. Dies gilt insbesondere für die angriffige SVP. Erstens hat sie hierzulande weniger verloren als anderswo und ihre beiden Sitze problemlos verteidigt. Zweitens kann der glänzend wiedergewählte Imark aus einer Position der Stärke zum Angriff blasen. Ironie des Schicksals: Auch Imark und Zanetti verstehen sich persönlich durchaus.

Die Affiche für einen Kampf mit Zähnen und Klauen sieht anders aus. Doch die SVP hat Morgenluft gewittert. Und will die Plattform, die ein zweiter Wahlgang bietet, nutzen. Die Parteileitung hat gestern Abend Imark einstimmig für den zweiten Wahlgang nominiert. Damit, so die SVP, hätten die Stimmbürger «die Möglichkeit, einen bürgerlichen Unternehmer» zu wählen. Imark sei als junger Familienvater «die perfekte Alternative zu bald Pensionär Zanetti».

Die Stärke der SVP ist die Schwäche der FDP: Der freisinnige Herausforderer Stefan Nünlist gebrach es selbst auf seinem «Home-Turf» an der nötigen Unterstützung. Mit ein Grund dafür, dass der Freisinnige weit unter den Erwartungen blieb und sich am Ende sogar noch hinter dem Grünen Felix Wettstein einreihte. Dieser wurde «wenigstens» in den Nationalrat gewählt, derweil Nünlist auch für die grosse Kammer weit weg von einem Mandat war.

Nun geht es Schlag auf Schlag bei den Nominationen

Die SP und die SVP haben die Weichen für den 17. November am Montag Abend gestellt. Sie stehen mit Überzeugung hinter ihren Kandidaten. Und die FDP? Die Lust auf noch mehr Wahlkampf und noch mehr Aussicht auf Misserfolg ist klein in der «Grand Old Party», deren Delegierte heute entscheiden. Zudem: Weshalb sollten sich die Bürgerlichen bei aller wechselseitiger Antipathie Stimmen abjagen? Wahlempfehlungen für die SVP-Kandidatur wären wohl das höchste der Gefühle gegenseitiger Wahlhilfe.

Autor

Balz Bruder

Balz Bruder

Meistgesehen

Artboard 1