Nunningen

Im Garten kann man abschalten, während das Coronavirus grassiert

Bleiben Sie zu Hause, so der eindringliche Appell, der auch weiterhin gilt. Glücklich kann sich schätzen, wer dort einen Garten hat. Wie Nicole Egloff aus Nunningen. Die Sprecherin von Pro Specie Rara ist leidenschaftliche Hobbygärtnerin und experimentierfreudig bei der Gartenarbeit.

Sobald sich der Winter langsam, aber sicher verabschiedet, beginnt für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres: die Gartensaison. Erste Samen konnten schon gesät und Beerenstecklinge verpflanzt werden. Eine Hobbygärtnerin, die bereits wieder mit grossem Elan im Garten arbeitet, ist Nicole Egloff aus Nunningen.

Es ist ein eiskalter Frühlingsmorgen im Schwarzbubenland. Die Sonne scheint trügerisch – bei starker Bise und null Grad Celsius. Der Appenzeller Spitzhaubenhahn Ferdinand kräht, Schweizer Fehkaninchen hoppeln umher und Vögel zwitschern im Hintergrund. Nicole Egloff steht in ihrem sonnendurchfluteten Treibhäuschen und verpflanzt Peperonisetzlinge der Sorte «Elefantenrüssel gelb» in grössere Töpfe. «Die Samen habe ich Mitte Februar ausgesät. Sieben verschiedene Sorten sollten dieses Jahr in meinem Garten heranwachsen. Die Setzlingsanzucht mag ich am liebsten an der Gartenarbeit. Dabei kann ich richtig ‹bibääbele›», sagt sie mit einem liebevollen Schmunzeln und gibt der Schreibenden, die selbst auch sehr gerne gärtnert, umgehend ein paar Anzuchttipps mit auf den Weg.

Neben der Arbeitsfläche im Treibhäuschen liegt viel Material für diese Gartensaison bereit. Mehrere Säcke voll Erde, Giesskannen, Gartenhandschuhe, Schnur, Vliese und unzählige Töpfchen. Nach dem Umtopfen erntet die 38-Jährige in einem Beet nebenan etwas Nüsslisalat für das Mittagessen. Anschliessend lockert sie in einem anderen Beet die Erde etwas auf und sät Schwarzwurzelsamen hinein. Dann geht es neben einem Frühbeet mit Salat und einem grossen Gartenteich vorbei zurück ins Haus an die Wärme.

In einer gartenaffinen Familie aufgewachsen

Nicole Egloff gärtnert schon jahrelang in ihrer Freizeit: «Bei meiner ersten Wohnung hatte ich ein kleines Dreieckbeet, später wurden ein Balkon und eine Dachterrasse in einen Garten umgebaut, und nun habe ich einen grossen Garten.» Wer mit der Hobbygärtnerin über Gartenthemen spricht, merkt schnell, dass sie über fundiertes Fachwissen verfügt, das sie sich über all die Jahre angeeignet hat.

«Ich bin ein Mensch, der gerne sehr viel ausprobiert. Denn wenn einmal etwas nicht funktioniert, habe ich im schlimmsten Fall nur ein Päckchen Saatgut in den Sand gesetzt», sagt sie. Gerade jetzt, wo wieder so viele Pflanzen blühen, geniesst sie die freie Zeit in ihrem Garten besonders intensiv: «Während das Coronavirus kursiert, kann ich hier sehr gut abschalten und mich an der Natur freuen.»

Im Sommerhalbjahr verbringt die Medienverantwortliche von Pro Specie Rara, der Schweizerischen Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren, fast ihre ganze Freizeit im 18 Aren grossen Garten. «Dieses Jahr werde ich unter anderem wieder etwa 30 Tomatenpflanzen, Gurken und mehrere Zucchettisorten setzen sowie Pastinaken, Petersilienwurzel und Karotten säen», zählt Nicole Egloff auf. Ihrer Meinung nach gibt es momentan jedoch noch zu wenig, was sie in ihrem grünen Paradies erledigen kann: «Klar – ich konnte schon viele Samen säen und Setzlinge pikieren. Doch am schönsten ist die Zeit im Sommer, wenn man richtig beginnen kann, zu ernten. Dann schlendere ich abends gerne durch meinen Garten, schaue, was ich gerne zu Abend essen würde, und ernte alles, was es dafür braucht.»

Durch gezielte Selektion alte Sorten erhalten

Richtig los geht es für die Hobbygärtnerin nach den letzten kalten Frühlingsnächten: «Dann kann ich die Gartenbeete vorbereiten, Kohlrabi auspflanzen und Karotten aussäen.» Wenn bei der Gartenarbeit einmal etwas nicht klappt, wie es sollte, ist das für Nicole Egloff kein Weltuntergang. «Mit den Karotten ist das bei mir beispielsweise so eine Sache. Jedes Jahr säe ich diese von neuem an, weil ich sie so gerne mag. Ernten kann ich leider aber immer nur wenige Exemplare. Die meisten fallen den Schnecken zum Opfer oder gedeihen wahrscheinlich wegen der hiesigen Bodenqualität nicht richtig.»

Dass der Nunningerin ihre Arbeit bei Pro Specie Rara und die Philosophie dahinter sehr wichtig sind, wird im Gespräch schnell klar. «Ich pflanze in meinem Garten keine Hybridsorten an. Denn ich lege grossen Wert auf alte Sorten, die ich selbst vermehren kann. Mein Ziel ist es, durch gezielte Selektion von Pflanzen dabei mitzuhelfen, alte Gemüsesorten wie beispielsweise Kopfsalat durch die stetige Neuanpflanzung und Saatgutvermehrung zu erhalten», so Egloff. Es sei zudem ein schöner Nebeneffekt, dass sich diese Sorten so über die Jahre hinweg immer besser an die Gegebenheiten ihres Standorts anpassen würden. Und sie fügt hinzu: «Ich muss das Saatgut deshalb nicht bei multinationalen Agrochemiekonzernen kaufen, die heute den Saatgutmarkt weitestgehend beherrschen.»

Coronapandemie beeinflusst Gartenarbeit nur minim

Während viele Leute darauf hoffen, bald Setzlinge im Grosshandel kaufen gehen zu können, kommt Nicole Egloff problemlos ohne Grosseinkauf durch den Frühling. «Blumenerde konnte ich glücklicherweise noch vor der wegen des Coronavirus angeordneten Schliessung der Gartenfachgeschäfte kaufen. Dieses Jahr versuche ich nun jedoch gezwungenermassen zum ersten Mal, selber Selleriesetzlinge zu ziehen. Diese habe ich sonst immer gekauft, da ihre Anzucht schwierig ist.» Zwei andere Dinge beschäftigen sie mehr: «Ich weiss nicht, ob ich dieses Jahr meinen eigenen Selbstbedienungssetzlingsverkauf überhaupt durchführen kann – wegen der Massnahmen gegen das Virus. Und natürlich bin ich gerade in diesem Jahr besonders froh, mein eigenes Gemüse, Obst und eigene Kräuter und Beeren ziehen zu können.»

Auf die Schlussfrage, ob sie denen, die sich dieses Jahr zum ersten Mal an die Gartenarbeit wagen, einige Tipps mit auf den Weg geben möchte, antwortet die 38-Jährige: «Probiert einfach aus. Macht euch schlau und beobachtet, was in eurem Garten passiert. Ein grüner Daumen kann sich mit der Zeit durchaus entwickeln.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1