Segen für Homosexuelle

Im Bistum Basel segnen Priester keine homosexuellen Paare

Wie würde Bischof Felix Gmür auf die Segnung eines homosexuellen Paares im Bistum Basel reagieren? (Aufnahme von der Fronleichnamsprozession in Solothurn 2014).

Wie würde Bischof Felix Gmür auf die Segnung eines homosexuellen Paares im Bistum Basel reagieren? (Aufnahme von der Fronleichnamsprozession in Solothurn 2014).

Würde auch im Bistum Basel ein Seelsorger abgesetzt, der ein homosexuelles Paar segnet? Die Frage bleibt offen: Ein Fall wie in Bürglen UR sei hier noch nie vorgekommen, heisst es aus Solothurn.

«Ein Priester kann die Beziehung eines gleichgeschlechtlichen Paares nicht segnen. Er kann die einzelne Person segnen und so auf ihrem persönlichen Weg stärken.» So übermittelt Marco von Arx, Sekretär der Kommunikationsabteilung des Bistums Basel, die offizielle Haltung des Bistums.

Auf die Frage, was denn aus kirchlicher Sicht gegen eine solche Segnung spreche, lautet die Antwort: «In der Vorstellung der Bibel ist der Ehebund von Mann und Frau mit deren Nachkommenschaft ein Zeichen für den Bund von Gott mit seinem Volk. Deshalb wird nur dieser Bund speziell gesegnet.» Eigene Richtlinien zu dieser Frage habe das Bistum Basel keine, richtet Marco von Arx weiter aus: «Es gelten wie auf der ganzen Welt die Vorgaben der Gesamtkirche.»

So weit die Theorie. Wie aber wird sie im Bistum Basel in der Praxis gelebt? Droht Bischof Felix Gmür einem Seelsorger oder einer Seelsorgerin, die einem schwulen oder lesbischen Paar den kirchlichen Segen erteilen, auch mit Absetzung, wie der Bischof von Chur, Vitus Huonder, dem Pfarrer von Bürglen, Wendelin Bucheli? Laut der Antwort aus der bischöflichen Kanzlei kommen solche Segnungen im Bistum Basel schlicht nicht vor; entsprechend gab es auch noch nie eine Sanktion.

Das Leben ist anders als die Lehre

Doch offensichtlich gibt es zwischen Thunersee und Bodensee Dinge, die man am Bischofssitz in Solothurn nicht weiss – oder nicht wissen will. So spricht die römisch-katholische Pfarrei Dreikönig in Frenkendorf-Füllinsdorf BL gleichgeschlechtliche Paare auf ihrer Homepage an: «Weil Gott alle Menschen in ihren Lebensvollzügen begleiten und ihre Liebe stärken möchte, gestalten wir gerne mit Ihnen eine Segensfeier, um das verbindliche Ja Gottes zu uns Menschen zu feiern.» Weiter heisst es, «viele Pfarreien und Seelsorgende im Baselbiet» seien «sehr gerne bereit», schwule und lesbische Paare auf ihrem Weg zu begleiten.

In der Kirche Bruder Klaus in Bern findet seit 2007 jedes Jahr zum Valentinstag eine «Segensfeier für mancherlei Liebende» statt – die nächste übermorgen Samstag. Laut dem für die Gestaltung mitverantwortlichen Pfarreileiter richtet sich die Feier ausdrücklich auch an homosexuelle Paare.

«Ich bin seit 26 Jahren im Kanton Solothurn und habe hier noch nie von der Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paars gehört», sagt auf Anfrage der Kapuzinerpater Josef Bründler, der als verantwortlicher Priester in der Leitung Oltner Stadtpfarrei St. Marien mitwirkt. Andere Seelsorgende bestätigen ebenfalls, sie seien noch nie mit einem Segnungswunsch eines homosexuellen Paars konfrontiert worden. Josef Bründler hat auch eine Erklärung, warum das so ist: «Vermutlich haben wir diese Menschen schon lange verloren.» Das heisst aber nicht, dass die Seelsorgenden sie abweisen würden.

Das Gespräch suchen

Pfarrer Toni Bucher (Balsthal) hebt hervor, er würde im Gespräch mit den Betroffenen klären, was ihnen wichtig sei. Für ihn sei eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft nicht das Gleiche wie das Sakrament der Ehe, aber: «Ich würde es respektieren, wenn sie ein angemessenes Ritual in der Kirche suchen.»

Für Josef Bründler ist der Eingriff von Bischof Huonder gegen Pfarrer Bucheli eine «Negativmeldung, die mir leidtut und die wir überhaupt nicht brauchen können in der Kirche.» Denkt er, dass Bischof Gmür anders handeln würde? «Ich glaube schon», meint der Kapuziner vorsichtig. Er selbst würde sich im konkreten Fall sicher mit seinen Mitbrüdern im Kloster, seinem Gemeindeleiter Peter Fromm oder sogar mit dem Bischof besprechen: «Er ist schliesslich ein ehemaliger Ministrant von mir, da soll er auch Zeit haben für ein seelsorgerliches Gespräch.»

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