Auf einen Kaffee mit...

Hüter der Ambassadoren-Krippe: «Sie macht mir jedes Jahr Sorgen»

Erich Weber beim Kaffee in der Suteria. Er ist begeistert von der Ambassadorenkrippe, doch das Kunstwerk ist sehr sensibel.

Erich Weber beim Kaffee in der Suteria. Er ist begeistert von der Ambassadorenkrippe, doch das Kunstwerk ist sehr sensibel.

«Auf einen Kaffee mit ...» Erich Weber, dem Hüter und Beschützer der Ambassadorenkrippe.

Zwei Herzen schlagen in der Brust von Erich Weber, dem Konservator des Museums Blumenstein in Solothurn. «Einerseits habe ich natürlich jedes Jahr eine Riesenfreude, die Ambassadorenkrippe in der Jesuitenkirche aufzustellen. Doch andererseits habe ich jedes Jahr auch einen grossen ‹Bammel› davor, dass die Figuren diesen Aufenthalt ohne weitere Schäden überstehen.» Grund, etwas ängstlich zu sein, hat Weber schon, denn: «Die Ambassadorenkrippe ist etwas Einmaliges in der Schweiz, gar in Europa», weiss er. Es gebe nirgends eine entsprechend grosse Krippenfigurengruppe, die Wachsgesichter und bewegliche Glieder hat und die so alt ist. Die Figuren wurden vor rund 250 Jahren im Kloster St. Joseph zu Solothurn von Nonnen hergestellt. Und diese Tatsache sei auch fast die einzig gesicherte aus der Herstellungszeit der Figuren. «Alles andere, warum und wofür die Gruppe geschaffen wurde, können wir nur erahnen», sagt Weber weiter.

Zwar gebe es noch eine Vielzahl von Dokumenten aus dem Kloster, welches im Jahr 1997 aufgehoben wurde, die zu sichten und aufzuarbeiten wären. «Aber uns im Museum Blumenstein fehlen die Zeit und die Manpower dafür», sagt der Konservator und fügt an, dass er das sehr bedauere. «Mit dem Thema Ambassadorenkrippe könnte man mit Bestimmtheit eine Dissertation erarbeiten».

Schon seit den 1950er-Jahren waren einige der wichtigsten Figuren Teil der Dauerausstellung im Museum Blumenstein, erklärt Weber. «Doch im Jahr 2005 wollten wir Platz für Wechselausstellungen schaffen und entschieden uns, für die Krippe eine neue Präsentationsform zu finden.» Dazu mussten aber zunächst noch alle bekannten Figuren zusammengeführt werden, denn sie waren auf insgesamt drei Standorten verteilt.

Sicher in den Holzkisten während des Jahres

«Schliesslich konnte man die gröbsten Schäden an den Figuren beheben und Holzkisten anschaffen. Dort sind sie während des Jahres sicher gelagert und können zur Weihnachtszeit in die Jesuitenkirche transportiert werden. Wir haben damals für die Figuren Göttis und Gottis gesucht, denn die üblichen Gelder reichten für diese Massnahmen bei weitem nicht aus.»

Noch heute freut sich Weber, dass sich damals so viele Interessierte meldeten und bei der Finanzierung halfen. «Am sichersten wären die Figuren natürlich dauerhaft in den Kisten. Doch wir wollen, dass man diesen Kulturschatz jeweils im Dezember auch besichtigen kann.» Dies sei auch Werbung für die Stadt und das Museum Blumenstein, ist Weber überzeugt. Am heikelsten seien die Wachsgesichter, erklärt Weber noch. «Sie sind sehr aufwendig hergestellt. Das kann heute niemand mehr.» Das Aufstellen der Figuren sei jeweils ein ziemlicher Kraftakt, schildert Weber. «Würden wir an ein Wachsgesicht stossen, zerfiele es in tausend Stücke». So sei er jeweils froh, es wieder – zusammen mit einem Helfer – geschafft zu haben.

Er stelle die Gruppe jeweils als Anbetung der Könige auf. Jede Figur habe ihre Funktion, auch wenn man diese heute vielleicht anders bewerte, als zur Entstehungszeit. «Auf alten Fotos kann beispielsweise nachverfolgt werden, dass ein früherer Rabbiner heute zu einem Soldaten wurde, oder ein Engel ganz andere Kleider hat.» Doch bis heute gleich geblieben ist die Faszination für diese aussergewöhnliche Krippe.»

Meistgesehen

Artboard 1