Händeschütteln ante coronam

Balz Bruder
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Einst hatte ich einen Arbeitskollegen, der sich vor allem durch eine Eigenschaft auszeichnete. Er hatte einen Händedruck, der geradezu legendär war. Das ging so weit, dass ich Gäste vor dem Händeschütteln auf mögliche Gefahren bei der Begrüssung hinwies. Abgesehen davon war er ein ausgezeichneter Mitarbeiter. Dies sei am Rande ebenfalls vermerkt.

In den Sinn gekommen sind mir die seligen Zeiten, als mir ein Bundes­gerichtsentscheid über den Weg lief, der sich mit dem Händeschütteln als Begrüssungsritual und den damit einhergehenden Unfallrisiken befasste. Und zwar, weil eine Frau, nachdem sie ihrer Kollegin die Hand geschüttelt hatte, derart lädiert war, dass sie zwei Jahre nach dem Ereignis noch unter den Folgen leidet.

Das Bundesgericht hat nun befunden, dem Ereignis fehle es an der Ungewöhnlichkeit, weil der äussere Faktor weder unalltäglich noch unüblich sei. Die allenfalls verheerende Folge sei für die juristische Beurteilung dabei nicht massgebend. Also kein Fall für die Unfallversicherung, sondern für die obligatorische Krankenversicherung. Gut zu wissen, alter Kollege! Wobei die Zeiten, da wir uns die Hände schüttelten und das Bundes­gericht den Nicht-Unfall beurteilte, ante coronam waren.