Nationalratswahlen

Grünen-Präsidentin Laura Gantenbein: «Mit dem Frauenstreik konnten wir viel bewegen»

Laura Gantenbein, Präsidentin der Grünen (links), freut sich über die neu gewählte SP-Nationalrätin Franziska Roth.

Laura Gantenbein, Präsidentin der Grünen (links), freut sich über die neu gewählte SP-Nationalrätin Franziska Roth.

Vor allem junge und linke Frauen holen im Kanton Solothurn Stimmen bei den Nationalratswahlen. Der grosse Durchbruch bleibt aus. Laura Gantenbein, Präsidentin der Grünen setzt sich stark für die Frauenrechte ein.

Klar ist: Dasselbe Ausmass wie das Klimawahljahr nahm das Frauenwahljahr im Kanton Solothurn nicht an. Die Frauen haben im Nationalrat zwar keinen Sitz verloren – aber auch keinen zusätzlichen geholt. Im Ständerat sitzen wiederum zwei Männer – hier trat gar keine Frau an.

Immerhin: Rund 32 Prozent der Stimmen holten dieses Jahr Frauen. Bei den letzten Wahlen waren es noch 26 Prozent gewesen. Diese Zahl bedeutet jedoch nicht einfach, dass bewusst mehr Frauen gewählt wurden. So kandidierten einerseits mehr Frauen (2019: 37 Prozent Kandidierende, 2015: 31 Prozent). Andererseits haben auch etwa die Listenzusammensetzungen einen Einfluss auf die Resultate der einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten.

Zu spüren war das Frauenwahljahr dort, wo auch mehr Frauen als Männer ins Rennen stiegen. So bei SP und Grünen, wo die Kandidatinnen auch mit reinen Frauenplakaten Wahlkampf machten. Hier konnten die Kandidatinnen zulegen. Bei den Jungparteien – mit Ausnahme von BDP und FDP – lagen die Frauen allesamt auf Spitzenplätzen. Auffällig zudem das Resultat bei der FDP: Die Partei stieg zwar nur mit zwei Frauen, bei insgesamt 12 Kandidaten, ins Rennen. Diese schnitten jedoch mit Abstand am besten ab, nur noch «König» Kurt Fluri holte mehr Stimmen. Klein war dafür nach wie vor der Frauenanteil bei der SVP und kleinen Parteien wie BDP, EVP und GLP. Die CVP trat zwar mit ausgeglichenen Listen an, hier war aber in den Endresultaten keine Frauenbewegung spürbar. So politisiert auch weiterhin nur eine Frau für Solothurn in Bundesbern.

«Wie konnten mit dem Frauenstreik viel bewegen»: Präsidentin der Grünen Laura Gantenbein

«Wie konnten mit dem Frauenstreik viel bewegen»: Präsidentin der Grünen Laura Gantenbein

Die Präsidentin der Grünen Kanton Solothurn Laura Gantenbein spricht über die Zukunft der Frauen in der Politik: Der Frauenstreik habe durchaus Wirkung gezeigt. Doch es sei noch mehr möglich.

Das sagt Laura Gantenbein, eine der Kandidatinnen vom feministischen Verein Solothurn , zum Frauenwahljahr.

Im sogenannten Frauenwahljahr wählt der Kanton Solothurn wieder eine Frau in den Nationalrat. Sind Sie damit zufrieden?

Laura Gantenbein: Wir sind zufrieden damit, dass Franziska Roth gewählt worden ist. Ich kann aber verstehen, dass auch eine gewisse Enttäuschung da ist. Ich denke, wir haben alles darangesetzt, dass mehr Frauen gewählt werden: Wir hatten mehr Kandidatinnen im Kanton Solothurn; wir versuchten mit dem feministischen Verein femso und der Frauenstreik-Bewegung den Wählenden zu vermitteln: Wählt Frauen!. Alles in allem ist das schon einmal ein Erfolg. Dass im Nationalrat wieder fünf Männer und im Ständerat nur Männer sitzen, ist etwas, dass wir nicht ändern können.

Abschliessend sind Sie nicht zufrieden?

Natürlich dürfen es noch viel mehr Frauen sein. Ich persönlich bin aber etwa froh, dass wir Grünen einen Sitz geholt haben – zwar mit einem Mann – aber einem Mann, der die Frauenanliegen im Nationalrat vertritt.

Sie haben es gesagt: Im Ständerat sitzt auch künftig keine Frau, es gab auch keine Kandidatin. Ist das nicht ein Armutszeugnis für den Kanton im Frauenwahljahr?

Doch. Das sehe ich auch so. Auch beim grossen Ständeratspodium waren die Frauen kein Thema. Die ganzen Anliegen des Frauenstreiks – etwa mehr Lohn und Respekt für Frauen – waren kein Thema. Ich glaube aber, dass wir gerade aufgrund von ausschliesslich männlichen Kandidierenden das Bewusstsein dafür schaffen konnten, dass eben keine Frau angetreten ist. Ich hoffe sehr, dass sich das in vier Jahren ändert und sich eine Frau traut anzutreten.

Was braucht es denn, für mehr Frauen aus dem Kanton in der nationalen Politik?

Wir müssen dran bleiben mit unserem feministischen Verein femso. Es gibt engagierte Frauen in Solothurn, Grenchen, Olten. Wir dürfen uns nicht aus den Augen verlieren und müssen auch Antworten auf politische Vorstösse, die Frauenfragen betreffen, anfordern. Wir dürfen die Bewegung nicht versanden lassen. Frauen sollen merken, dass sie eine Lobby haben. Und sich trauen, nach vorne kommen und sagen: Ich will auch gewählt werden in vier Jahren.

Fazit zum Schluss: 2019 –ein Frauenwahljahr oder nicht im Kanton Solothurn?

Das ist schwierig zu sagen. Gerade die Grünen und die SP konnten das Frauenwahljahr im diesjährigen Wahlkampf aufgreifen. Der Effekt ist vielleicht weniger hoch, als erhofft. Dennoch können wir sagen: Wir haben eine Frau!

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