Grenchenberg
Konflikt Windenergie und Landschaftsschutz – auf der Suche nach einer verträglichen Lösung

Zum geplanten Windpark auf dem Grenchenberg gehen die Meinungen in der Bevölkerung auseinander. Landschaftsbild erhalten oder erneuerbare Energien fördern? Mit dieser Auseinandersetzung beschäftigte sich der Schweizer Heimatschutz in der Reihe «Energie und Heimatschutz – ein Widerspruch?». Zum Thema Windenergie wurden drei Beteiligte auf ein Podium eingeladen.

Anja Neuenschwander
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So soll der Windpark auf dem Grenchenberg einmal aussehen. Sicht vom Oberen Grenchenberg.

So soll der Windpark auf dem Grenchenberg einmal aussehen. Sicht vom Oberen Grenchenberg.

Swg / AAR

«Der geplante Windpark auf dem Grenchenberg polarisiert», meint SP-Gemeinderat Daniel Hafner aus Grenchen. Insgesamt sechs Windanlagen sollen auf dem beliebten Ausflugsziel errichtet werden. Das Projekt auf dem Grenchenberg diente als Anschauungsbeispiel auf dem Podium des Schweizer Heimatschutzes zum Thema Windenergie.

Raimund Rodewald von der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz findet den Standort nicht vertretbar:

«Wir haben immer weniger Erholungsfläche in der Natur.»

Hafner sieht dies etwas anders: Der Grenchenberg als Erholungszone sei gut besucht. Das Land sei nicht so unberührt, wie auf der zweiten oder dritten Jurakette. Es mache für ihn mehr Sinn, den Windpark in einem Gebiet mit baulicher Vorbelastung zu errichten.

Eine weitere Sorge Rodewalds ist die Biodiversität. «Die Artenvielfalt in der Schweiz ist durch die intensive Landnutzung bereits stark gefährdet», so Rodewald. Auf dem Grenchenberg liegen dabei die Zugvögel und die Fledermäusen besonders im Fokus. Dieses Problem nehme man ernst, sagt Reto Rigassi von Suisse Éole, dem Verband zur Förderung der Windenergie in der Schweiz. Es seien Radare entwickelt worden, welche die Vögel erkennen und die Windanlage automatisch ausschalten sollen.

Die Gegend auf dem Grenchenberg eigne sich gut für Windenergie, erklärt Reto Rigassi. Der Standort sei sehr sorgfältig evaluiert worden: «Von über 25 möglichen Standorten im Kanton haben wir die fünf am besten geeigneten ausgewählt. Konkrete Projekte sind nur bei zwei oder drei entstanden.» Die Schweiz sei kein Windland. Daher sind die Standorte für solche grossen Windanlagen begrenzt. Ende 2020 standen in der Schweiz 42 Grosswindanlagen, Platz habe es für ungefähr 60 bis 80. Davon geht der Bund in der Energiestrategie 2050 aus, welche die Förderung der erneuerbaren Energien und die Reduktion des Stromverbrauchs vorsieht.

Raimund Rodewald findet, es gebe zu viele neue Projekte. Man solle sich darauf konzentrieren, bestehende Anlagen auszubauen oder mit Neuen zu kombinieren. Er sei nicht partout gegen Windpärke, sondern suche eine verträgliche Lösung zwischen Natur und Energieanlagen. Auf dem Grenchenberg empfinde der Landschaftsschutz die drei Anlagen direkt an der Krete als besonders störend:

«Die Horizontlinie ist tabu. Das ist ein Grundgesetz des ästhetischen Landschaftsschutzes.»

Für Daniel Hafner stellen die sichtbaren Windräder nicht ein so grosses Problem dar. Er verstehe zwar die Sorge um das Landschaftsbild, er wolle auch keinen «mit Windanlagen zubetonierten Jura». «Auf der gesamten ersten Jurakette ist dies aber das einzige Windenergie-Projekt», so Hafner. Dazu spiele der Wirtschaftsfaktor für Grenchen eine wichtige Rolle. Die gesamte Anlage würde ungefähr zwei Drittel der Stadt mit Strom versorgen.

«Fakt ist, dass wir hier zu viel Energie verbrauchen.»

Derweil seien diejenigen die Leidtragenden, welche die fossilen Ressourcen wie Kohle oder Erdöl abbauen, sagt Rigassi. In diesem Punkt sind sich alle drei Podiumsteilnehmer einig: Wir müssen unseren Energieverbrauch reduzieren. Die fossilen Energien würden idealerweise mit verschiedenen erneuerbaren Energieträgern ersetzt. Diese sollten an sinnvollen und vertretbaren Standorten errichtet werden. Zu einer übereinstimmenden Definition eines vertretbaren Standorts kommen die Parteien aber noch nicht.

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