Wegen Pestiziden

Gibt es bald Grenchner Wasser für Biberist und Oltner Wasser fürs Gäu?

Eine dieser Leitungen im Biberister Reservoir Oberholz führt bis nach Grenchen. Die Gemeinde überlegt sich, künftig mehr Wasser von dort zuzukaufen.

Chlorothalonil: Für das Pestizid gelten seit einigen Monaten neue Regeln. Es darf nur noch in einer gewissen Konzentration im Trinkwasser vorkommen. Im zahlreichen Gemeinden im Kanton wird dieser neue Grenzwert im Wasser aber nicht eingehalten. Auf der Suche nach Lösungen müssen die Wasserversorger kreativ werden.

Wegen einer neuen Vorschrift entspricht die Wasserqualität in zahlreichen Gemeinden im Kanton nicht mehr den gesetzlichen Anforderungen. Nun müssen die einzelnen Wasserversorger das Problem lösen – und nicht etwa der Kanton. «Die Wasserversorger sind, wie alle Lebensmittelunternehmen, für das Krisenmanagement selbst verantwortlich», erklärt Kantonschemiker Martin Kohler. Was der Kanton allerdings tut: Er übernimmt die Koordination. Konkret das Amt für Umwelt. Philipp Staufer, Abteilungsleiter Wasser, erklärt: «Das Problem ist ein überregionales. Denn Probleme bei der Wasserverfügbarkeit und Wasserverteilung halten sich selten an Verwaltungsgrenzen.»

Die Lösung des Problems sieht er darin, die verschiedenen Wasserversorger besser miteinander zu vernetzen. Solche Projekte würden schon eine Weile laufen, erklärt Staufer. Durch die aktuelle Problematik mit Chlorothalonil werde sie aber noch einmal aktueller. In Zukunft soll im Idealfall jede Gemeinde Wasser von unterschiedlichen Orten beziehen können. Das würde zum einen die aktuellen Probleme rund um das Pestizid lösen. Denn die Gemeinden könnten belastetes Wasser mit unbelastetem Wasser mischen, bis die Grenzwerte eingehalten werden. Und zum anderen wäre dies auch eine Absicherung für die Zukunft. Wenn beispielsweise eine Quelle durch einen Unfall verunreinigt wird, könnte eine Gemeinde auf eine andere Leitung zurückgreifen. Solche Leitungen zu bauen ist allerdings teuer. Staufer relativiert aber: «Sie halten dann aber auch bis zu 100 Jahre und versorgen tausende Menschen mit Wasser.» Ausserdem werde sich der Kanton finanziell beteiligen, «wenn die Lösung der regionalen Vernetzung dient», so Staufer.

Sämtliche Lösungen kommen Wasserversorger teuer zu stehen

Eine der betroffenen Gemeinden ist Biberist. Das Wasser dort stammt aus dem Pumpwerk Eichholz. Von dort wird es ins Wasserreservoir Oberholz in Lohn-Ammannsegg gepumpt, bevor es dann auf die Haushalte verteilt wird. Eine der Leitungen aus dem Reservoir führt zudem zur Grenchner Gruppenwasserversorung. Eine mögliche Lösung wäre nun, mehr Wasser von dort zuzukaufen, erklärt Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann. Dann könnte man das Wasser mit dem eigenen mischen und so unter den Grenzwert kommen. Die Verhandlungen starten im Oktober. «Ich hoffe, dass wir hier zum Ziel kommen», sagt Hug-Portmann. «Diese Lösung könnte aber teuer werden.»

Ähnliche Überlegungen stellt man im Gäu an, beim Zweckverband Wasserversorgung Untergäu. Der Verband liefert das Wasser für die Gemeinden Boningen, Gunzgen, Härkingen und Kappel. Das Wasser aus dem Pumpwerk Zelgli in Kappel erfüllt die gesetzlichen Vorgaben nicht. Dort überlegt man sich nun, Wasser aus Hägendorf oder sogar aus Olten zu besorgen, sagte Präsident Thomas Jäggi gegenüber dem Regionaljournal des SRF. Jäggi sagt aber auch: «Es ist keine angenehme Situation für uns. Wir können keine Lösung aus dem Hut zaubern.» Denn ob die angesprochenen Ideen umsetzbar sind, steht noch nicht fest. Und so oder so wird es teuer. Von Kanton und Bund fühlt er sich im Stich gelassen: «Die sagen einfach: Löst das Problem. Aber wir können doch nicht die Versuchskaninchen sein und Investitionen tätigen. Das System versagt hier.»

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