Corona-Virus

Gesundheitsfach-Personen gesucht: Kanton startet Aufruf an Bevölkerung und Arbeitgeber

Um einen Engpass zu vermeiden, sucht der Kanton Personal im Gesundheitsbereich. (Archiv)

Um einen Engpass zu vermeiden, sucht der Kanton Personal im Gesundheitsbereich. (Archiv)

Im Kanton Solothurn steht Spitälern, Alters- und Pflegeheimen und Gesundheitsinstitutionen aktuell ausreichend Personal zur Verfügung. Mit der rasanten Verbreitung des Coronavirus kann sich dies jedoch rasch ändern. Der Kanton baut deshalb frühzeitig einen Personalpool auf.

Die Zahl der Corona-Infizierten im Kanton Solothurn steigt. Am Donnerstag Nachmittag hatte Kantonsarzt Lukas Fenner Kenntnis von 53 Fällen im Kanton, Tendenz steigend.

«Wir bewegen uns auf die epidemische Schwelle zu», erklärte Fenner an einer Medienkonferenz im Kantonsratssaal in Solothurn. Die Konferenz wurde dorthin verlegt, damit Medienschaffenden und Kantonsvertreter genügend Abstand wahren konnten.

Im Kanton werden vorerst in den Spitälern in Solothurn, Olten und Dornach Tests durchgeführt. In den nächsten Tagen sollen weitere Standorte dazu kommen.

Um auf die steigende Zahl von Fällen vorbereitet zu sein, hat der Kanton weitere Massnahmen ergriffen: So wurden in den Spitälern alle nicht notwendigen Operationen abgesagt, und der Kanton beantragte bei der Armee Unterstützung. Ab nächster Woche werden dem Kanton von der Armee Ambulanzfahrzeuge und Begleitpersonal zu Verfügung gestellt.

Gesundheitsfachpersonen gesucht

Noch gibt es genug Personal im Solothurner Gesundheitswesen, um sich um kranke Personen in den Spitälern und Arztpraxen zu kümmern. Der Kanton rechnet aber damit, dass sich das rasch ändern könnte. Er will deshalb einen Pool mit Gesundheitsfachpersonen aufbauen, die bei einem starken Anstieg der Krankheitsfälle aktiviert und in Einsätze vermittelt werden können.

«Gesucht werden Personen, die aktuell nicht im Gesundheitsbereich arbeiten, aber über eine entsprechende Ausbildung verfügen», erklärte Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner.

Susanne Schaffner zum Aufruf des Kantons: «Die Leute sollen zum Einsatz kommen, wenn sich die heutige Situation massiv verändert»

Susanne Schaffner zum Aufruf des Kantons: «Die Leute sollen zum Einsatz kommen, wenn sich die heutige Situation massiv verändert»

Der Kanton startet einen Aufruf und will einen Pool mit Gesundheitsfachpersonen aufbauen. Susanne Schaffner, die Vorsteherin des Departements des Innern erklärt, was der Aufruf beinhaltet und wann die Leute wo eingesetzt werden sollen.

Gesucht werden Personen, die aktuell nicht im Gesundheitsbereich tätig sind und über folgende Ausbildungen/Abschlüsse verfügen:

- Pflegefachfrau/-mann FH/Uni

- Pflegefachfrau/-mann HF

- Fachangestellte/r Gesundheit EFZ

- Medizinische/r Praxisassistent/-in EFZ

- Assistentin Gesundheit und Soziales EBA

- Pflegeassistent/in FA SRK

Interessierte Personen können sich online bewerben via corona.so.ch.

Der Personalpool wird den Kanton auch etwas Kosten: So will der Kanton den Eltern, die für Einsätze in Altersheimen, Spitälern oder anderen Gesundheitsinstitutionen im Einsatz sind, die Krippenplätze finanzieren.

Dafür sollen laut Regierungsrätin Schaffner Mittel des «Bettagsfranken» eingesetzt werden. Jährlich entnimmt der Kanton pro Einwohner einen Franken aus dem Lotteriefonds und setzt ihn für gemeinnützige kommunale und kantonale Projekte ein.

Wegen der Auswirkungen des Corona-Virus könnte nicht nur das Gesundheitswesen an den Anschlag kommen, sondern auch viele Privatpersonen und Unternehmen. Der Lockdown, den der Bundesrat diese Woche angeordnet hat, trifft viele hart.

Viele fürchten sich vor den finanziellen Auswirkungen, deshalb will der Kanton der Bevölkerung bei den Steuern entgegenkommen. Natürliche Personen müssen die Steuererklärung nicht schon am 31. März, sondern erst am 31. Juni einreichen. Dafür braucht es in diesem Jahr keine Fristverlängerung.

Ausserdem sollen Personen, die von den Auswirkungen der Massnahmen im Kampf gegen das Corona-Virus hart getroffen werden, Zahlungserleichterungen beantragen können. So können Betroffene Stundungen und Ratenzahlungen beantragen für Bundes- und Staatssteuern. Auch bei den Verzugszinsen kommt der Kanton der Bevölkerung entgegen: Der Verzugszins für die Staatssteuern wird ab April bis Ende 2020 auf null reduziert.

Autor

Rebekka Balzarini

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