Am Anfang und am Ende seiner Rede freute sich Peter M. Linz: Er lobte die vorbildliche Diskussionskultur im Solothurner Kantonsrat. Dazwischen aber galoppierte der knorrige Alterspräsident im Eiltempo und mit der Attitüde des Wutbürgers bisweilen etwas zusammenhangslos durch alle Themen, die ihm auf der Zunge lagen und die ihm wenig Freude bereiten: EU, Ausländer und Frauenrechte. «Ich danke Euch zum Voraus, dass Ihr meine Ausführungen ohne auf das WC zu gehen über Euch ergehen lässt», warnte Linz gleich.

1831 habe die Solothurner Bevölkerung den Patriziern Rechte abgetrotzt, startete Linz. «Das ist noch Politik von unten nach oben gewesen.» Heute sei alles anders: «Es wird alles von oben gesteuert. Heute wollen ehemalige Diktaturen uns Schweizer entwaffnen.» Eigentlich seien aber gerade die ehemaligen Diktaturen, die neuen EU-Mitglieder im Osten, «Opfer der Personenfreizügigkeit», stellte der 72-Jährige fest. «Ganze Landstriche bleiben zufolge der Auswanderung leer.» Linz verglich die EU-Binnenwanderung mit der Umsiedlungspolitik von Stalin.

Nazi- und Stalinvergleiche

Gesetze würden bald in Brüssel gemacht. Er selbst habe aber reisen und Sprachen lernen können ohne «EU-Personenfreizügigkeit». «All diese Fremdsprachen kann ich heute noch nicht richtig. Die Amerikaner müssen nur Englisch können. Unser Schulsystem wird einmal kollabieren, wenn hier Eritreisch, Kurdisch, Deutsch, Französisch und Englisch in der Primarschule gelernt werden müssen.» Schweizer Geschichte werde nicht mehr gelehrt.

Dass Künstler in Zürich durch heftigen Widerstand die Absage eines Podiums mit einem AfD-Politiker erreichten, war für Linz ein naziähnliches Vorgehen: «Die trojanischen Rösser leben schon bei uns», so Linz . «Die Mehrheit von den Protestierenden sind Deutsche gewesen. Sie wollen den Schweizern und auch den Amerikanern beibringen, was man unter Demokratie versteht und greifen zu ähnlichen Mitteln wie die Nazis.»

Anti-Mainstream-Meinungen seien nicht mehr gefragt, so Linz, darunter leide die Meinungsfreiheit. Ein Beispiel sei Schweden, wo die Elite «in ihrem Gender-Wahn» erreicht habe, dass im Winter die Trottoirs vor den Strassen vom Schnee befreit werden, weil dort viele Frauen zu Fuss unterwegs seien. «Dumm ist nur, dass darum der gesamte Verkehr zusammengebrochen ist.» Dabei werde aussen vor gelassen, dass in Schweden Migranten «Hunderte von Autos (...) abgefackelt» hätten.

Die Schweiz übernehme auf UNO-Diktion hin eine gendergerechte Sprache, hatte Linz zuvor schon sein Lieblingsthema, die Genderfrage, angesprochen. Aber linke Intellektuelle würden im Multi-Kulti-Sog lieber schweigen, wenn «Männer öffentlich befürworten, dass man Ehefrauen schlagen darf, wenn sie sich dem Koitus widersetzen.»

«Leider konnte ich nur auf einige wenige, wenn auch krasse, Probleme hinweisen. Es gäbe noch viele andere», sagte Linz gegen Schluss und freute sich nochmals über die Meinungsfreiheit. Dann dankte er nochmals, dass niemand während seiner Rede die Toilette aufgesucht hat. Applaus aber gab es längst nicht von allen Seiten. Nach der Vereidigung übernahm mit Urs Huber wieder der ordentliche Kantonsratspräsident die Sitzungsleitung.