Pneutronic

Für Kunden und Mitarbeiter: In dieser Firma wird trotz Kurzarbeit investiert

Remo Kissling will auch der Coronakrise trotzen.

Remo Kissling will auch der Coronakrise trotzen.

Pneutronic-Geschäftsführer Remo Kissling investiert trotz schwieriger Auftragslage und Kurzarbeit: in die Digitalisierung, in seine Mitarbeiter und in die Beziehung zu den Kunden.

Der Start hätte kaum holpriger sein können. Erst vor etwas mehr als einem Jahr übernahm Remo Kissling die Pneutronic AG in Horriwil von seinen Vorgängern, Erwin Noll und Franco Carmignani. Voller Elan, voller Tatendrang. Dann kam Corona. Und von einem Tag auf den anderen kommt die Wirtschaft quasi zum Stillstand.

Logisch, als Maschinen- und Anlagenbauer ist die Pneutronic AG nicht direkt vom Lockdown betroffen. Aber die durch Corona hervorgerufene Krise trifft alle, auch das Kleinunternehmen aus Horriwil mit rund zehn Mitarbeitenden. Sie seien so etwas wie «die Architekten der Industrie», erklärt Kissling. Robotik, Automation, Steuerungsbau – das sind die Themenfelder, in denen sich das in Horriwil ansässige Unternehmen in den letzten 30 Jahren einen Namen gemacht hat. Zu den Kunden des kleinen Generalunternehmens im Maschinenbau gehören bekannte Namen wie Miele, Victorinox oder Kärcher.

Kissling begrüsst uns mit einem breiten Lachen am Firmenhauptsitz. Gute Laune trotz Krise, das ist sein Motto. Denn er will sich den Drive nicht nehmen lassen, mit dem er mit seinen Leuten das erste Jahr in Angriff nahm. Intensiv beschäftigte er sich mit den Stärken des Unternehmens, arbeitete eine darauf aufbauende Strategie aus, fokussierte. Automation ist ein Standbein, aber starker Fokus soll aber insbesondere auf die Erneuerung von Steuerung für Pressen und Feinstanzen gelegt werden – ein Bereich, in dem man gut positioniert ist, laut Kissling gar die Nummer 1 im Schweizer Markt.

Das Standbein Autoindustrie krankt massiv

Das Coronavirus hat alles verändert. Die Pneutronic ist zwar breit aufgestellt, aber dennoch zu rund einem Drittel direkt oder indirekt von der Autoindustrie abhängig. Diese hat in den letzten Wochen einen historischen Einbruch erlebt. Im April 2020 wurden laut dem Branchenverband Auto Schweiz gerade einmal 9382 neue Personenwagen eingelöst. Das sind 67,2 Prozent weniger als im April vor einem Jahr – 28620 waren es damals. Auto Schweiz schreibt dazu: «Seit der Ölkrise in den 1970er-Jahren gab es keinen Kalendermonat mit weniger als 10'000 Neuimmatrikulationen mehr.»

Aber nicht nur in der Autobranche wurden plötzlich Aufträge verzögert oder hinausgeschoben. Ein Deal mit Sackmesser-Gigant Victorinox stand kurz vor Abschluss, ehe im März das Coronavirus alles verzögerte. Erst vor wenigen Tagen kam es mit zwei Monaten Verspätung doch noch zum Abschluss. Ein anderes Beispiel: Im Lagerraum der Pneutronic steht eine Roboteranlage, bereit zur Inbetriebsetzung. Doch die Abnahme durch den deutschen Auftraggeber wurde durch die Coronakrise vorerst verunmöglicht. Noch immer steht die Roboteranlage in Horriwil.

So läuft es derzeit oft. Das Budget für die Investitionen ist zwar gesprochen, aber wegen der riesigen virusbedingten Unsicherheit werden die Aufträge gestoppt oder wenigstens hinausgeschoben. Rund die Hälfte der Pneutronic-Mitarbeiter waren zeitweise in Kurzarbeit. Kissling gibt zu, dass es in diesen letzten Wochen auch Momente gab, in denen er sich gefragt hat, wie das überhaupt alles gut gehen soll. Er hat sich dazu entschlossen, diesen Zweifeln keinen Raum zu geben, zu kämpfen, ja, der Krise zum Trotz zu investieren.

Für jeden Mitarbeiter ein Ausbildungsprogramm

Investieren zum Beispiel in die Ausbildung seiner Leute. Für jeden hat er ein Ausbildungsprogramm für die Coronazeit zusammengestellt. Allgemeines wie der Gebrauch der neuen Microsoft-Programme wie Teams oder Onenote, aber auch Spezifisches wie Fachwissen über Feinstanzen und Pressen. Zugleich habe man den Auftragseinbruch genutzt, um Prozesse zu dokumentieren, digital aufzurüsten, Inventar zu machen und die eigenen Kunden zu kontaktieren. Mit dem Versand von Sonnenblumenkernen und dem Angebot von Service-Rabatten. Kissling: «Wir wollten ein bisschen Freude schenken in diesen schwierigen Zeiten.» Es kam offenbar gut an, so zahlreich waren die Rückmeldungen.

Trotz allem Optimismus sagt Kissling: «Werden in den kommenden zwölf Monaten kaum Investitionen freigegeben, dann wird es für viele Betriebe – inklusive uns – sehr hart.» Aber das verdrängt er. Er will sich darauf konzentrieren, sein Team auf Vordermann zu bringen. Damit sie bereit sind, wenn es wieder anzieht. Wenn plötzlich wieder investiert wird. So wie im Fall von Victorinox, wo Corona lediglich den Auftrag zwei Monate verzögerte. Kissling sagt: «Irgendwann ist die Krise vorbei und dann geht es schnell, dann wollen alle alles gleichzeitig.»

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