Freiwilligeneinsatz

Früher feierte er Parties, heute chauffiert er Partygänger während der Festtage nach Hause

Thomas Loepfe fährt seit 50 Jahren Auto ‑ jetzt bringt er zudem als Freiwilliger Familien und Partygänger nach dem Fest nach Hause.

Thomas Loepfe fährt seit 50 Jahren Auto ‑ jetzt bringt er zudem als Freiwilliger Familien und Partygänger nach dem Fest nach Hause.

Der Gerlafinger Thomas Loepfe ist als freiwilliger Fahrer für Nez Rouge Solothurn/Oberaargau im Einsatz.

Dieses Jahr verzichtete Thomas Loepfe auf ein langes Festessen am Chlausen-Abend vom 6. Dezember. Und auf eine nächtliche Feier am Weihnachtstag, 25. Dezember. Ebenso auslassen wird er eine Silvesterparty am 31. Dezember. Früher, so erzählt der heute 58-Jährige, hätten er und seine Frau Parties gefeiert, Bekannte und Verwandte zu sich nach Gerlafingen eingeladen. Mottos wie «Western» oder «Piraten» seien auf dem Plan gestanden. Dann wurden die beiden Kinder erwachsen – und das Ehepaar Loepfe hatte genug von den Partys. Auch eine Zirkusvorstellung mit Fondue Chinoise oder eine Spielenacht waren nicht mehr prickelnd genug. «Wir wollten etwas Neues», erzählt Loepfe.

Das Neue kam in Form eines Freiwilligeneinsatzes: Zum dritten Mal in Folge ist der IT-Programmmanager und Projektleiter nun bei Nez Rouge Solothurn/Oberaargau dabei und fährt über die Festtage Personen nach Hause, die nicht mehr Auto fahren dürfen oder mögen.

Erst ein Betrunkener und einer ohne Auto

Die letzten beiden Jahre war Loepfe jeweils mit seiner Frau unterwegs, insgesamt für sieben Einsätze. Dieses Jahr fährt er während sechs Nächten. Fünfmal mit einem anderen Partner. In der Silvesternacht, dem letzten Einsatz, ist dann auch seine Frau wieder dabei. Gegen 6 Uhr ist Loepfe nach einer Einsatznacht jeweils im Bett. «Pfuusen» könne er dann aber nicht den ganzen Tag, um 9 Uhr sei er wieder auf den Beinen. Deshalb fährt er nie zwei Nächte hintereinander.

Seit 40 Jahren hat Loepfe das Autobillet – und ist entsprechend routiniert. Fremde Autos zu fahren bereitet ihm keine Mühe, sondern Spass. Schon als Stift habe er zudem jeweils die Kollegen nach dem Ausgang nach Hause gefahren. «Ich wusste immer: Wenn ich fahre, trinke ich nicht.» Probleme mit einem Auto hatte er noch nicht. Schmunzelnd erzählt er: «Kürzlich hatte ich einen kontaktlosen Schlüssel – ich wusste, dass sich in diesem Fall irgendwo ein Ein- und Ausschaltknopf befindet.» Es habe zwei Minuten gedauert, bis er den «Cheib» gefunden habe, sagt Loepfe.

Wirkliche Schwierigkeiten habe er aber noch nie gehabt – auch mit den Kunden nicht. Erst einmal habe jemand angerufen und den Fahrdienst bestellt, der aber gar kein Auto dabei hatte. Nez Rouge ist aber kein Taxidienst, sondern fährt lediglich Kunden nach Hause, die mit dem Auto ans Fest fuhren, und damit nicht mehr zurück nach Hause können. Erst einmal sei ein Kunde auch wirklich total betrunken gewesen. Mit dessen Begleitperson zusammen hat Loepfe den Mann nach der Silvesterparty vom Auto ins Haus geführt. «Ich lasse schliesslich niemanden auf der Strasse stehen», so Loepfe. «Wenn ich etwas mache, dann mache ich es recht.» So hilft er nach seinen Einsätzen auch, am 2. Januar die Sponsorenfahrzeuge zu waschen. Und deshalb weiss er auch schon jetzt: «Ich fahre auch nächstes Jahr wieder.»

Drei Anläufe bis es mit Nez Rouge klappte

Ursprünglich wollte der Informatiker schon früher als Freiwilliger bei den roten Nasen einsteigen. Bereits vor fünf Jahren hörte er von Nez Rouge im Radio. Damals war es aber schon Dezember – zu spät, um noch einzusteigen. Ein Jahr später geschah dasselbe. Vor drei Jahren hat es dann geklappt, Loepfe hat seine Pläne für Weihnachten und Neujahr nach dem Fahrdienst ausgerichtet. «Ich finde das eine gute Sache», erklärt er. Nez Rouge helfe, die Verkehrssicherheit zu erhöhen, Unfälle zu vermeiden. Gleichzeitig könne er, der das Jahr über meist Automat fährt, so auch ab und zu mal geschaltete Fahrzeuge fahren.

Ein Tesla war noch nie unter den Kundenautos – dafür ein Fiat Panda mit kaputter Lüftung – «da mussten wir die ganze Fahrt über die Fenster offen lassen, damit die Scheiben nicht beschlagen», sagt er schmunzelnd. Dazu kommt: «Ja – die Silvesternacht im Auto mit Fremden – das klingt speziell. Es ist aber immer sehr interessant.» Man beginne das Gespräch meist damit, über die vergangene Feier zu reden – erfahre dann aber auch etwa den Beruf der chauffierten Person. Vom Lehrling über Familien bis zum reichen Geschäftsmann – man habe die unterschiedlichsten Kunden.

Der Fahrdienst ist gratis, die Freiwilligen erhalten zum Dank von Nez Rouge die Einladung zu einem Helferanlass sowie eine Vergünstigung auf einen Fahrsicherheitskurs. Trinkgeld geben die meisten Kunden zwar, dieses geht aber an Nez Rouge. «Es gibt junge Fahrgäste, die das Portemonnaie kehren um noch den letzten Franken abzugeben – und dann sichtbar reichere Kunden, die nichts zahlen.» Dabei sei eine solche Fahrt doch nicht einfach nichts wert.

Ansonsten seien die Leute immer sehr dankbar, so der Gerlafinger. Auf die Frage nach einem speziell schönen Erlebnis weiss Loepfe zuerst keine direkte Antwort. Im Gespräch erzählt er dann aber doch noch von einem Moment, der hängen blieb: Letztes Jahr hätten er und seine Frau in der Silvesternacht um 23.30 Uhr eine Familie abgeholt, die Essen war und danach zu Hause aufs Neue Jahr anstossen wollte. «Es hat dann aber nicht ganz gereicht», so Loepfe. Die Truppe war noch unterwegs, als es Mitternacht schlug. Schön war der Rutsch ins 2019 trotzdem: «Wir haben uns einfach im Auto ein gutes Neues Jahr gewünscht.»

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