Kanton Solothurn

Freie Pflegefachpersonen: «Wie lange das Desinfektionsmittel reicht, wissen wir nicht»

Die Nachfrage nach Desinfektionsmittel stieg auf der Coronakrise rasant an - ebenso die Preise dafür.

Die Nachfrage nach Desinfektionsmittel stieg auf der Coronakrise rasant an - ebenso die Preise dafür.

Auch für freischaffende Pflegefachpersonen im Kanton Solothurn ist die Situation schwierig; sie arbeiten derzeit hautnah mit Angehörigen der Risikogruppen zusammen; Vorräte an Masken und Desinfektionsmittel sind knapp. Der Leiter der Geschäftsstelle Sektion Aargau-Solothurn vom Schweizer Berufsverband für Pflegefachpersonen gibt Auskunft.

Der Kanton verteilt Masken an Institutionen wie Spitäler und Heime. Und an die Freischaffenden, berichtet Erik Grossenbacher, Leiter der Geschäftsstelle Sektion Aargau-Solothurn vom Schweizer Berufsverband für Pflegefachpersonal. 800 Stück habe man erhalten. Die nächsten ein bis zwei Wochen seien damit abgesichert. Derzeit könnten freiberuflich Pflegende die Masken aber nicht nach jedem Besuch wechseln – sondern lediglich eine am Morgen und eine am Nachmittag tragen. Desinfektionsmittel hat die Sektion organisiert. «Die Preise im Handel sind extrem gestiegen. Wir haben dank einer Bauernhofbrennerei im Aargau eine Alternative gefunden – wie lange das reicht, wissen wir aber nicht.»

Was laut Grossenbacher zudem beschäftigt: Die Frage, wie man mit Kundschaft umgeht, die am Virus erkrankt ist. Abklärungen liefen aktuell auch diesbezüglich, ob Freiberufliche etwa auch Beratungen via Telefon über die Krankenkassen abrechnen können. Aus seiner Sicht sei Unterstützung durch den Kanton vorhanden, so Grossenbacher. Aber: «Die Freiberuflichen gehen im Kanton neben Spitälern oder Spitex schnell vergessen.» Von daher sei die Toleranzgrenze der Branche im Kanton eher tief.

Die Zusammenarbeit zwischen Dachverband und Kanton läuft gut, das berichtet auch Claudia Hänzi, Leiterin des Amtes für soziale Sicherheit. Für die Situation der Pflegefachpersonen zeigt Hänzi zudem Verständnis. Das Problem: Anerkannte Leistungen – Verband wechseln oder Wunde behandeln – lassen sich über die Krankenkasse abrechnen. Zusätzliche Leistungen, Trainingsprogramme erstellen, lange Gespräche mit den Klienten nicht. «Menschlich ist absolut nachvollziehbar, dass die Freischaffenden hier auf Bedürfnisse eingehen», so Hänzi. Sie rät aber dazu, dass Pflegefachpersonen nun triagieren – und auf die bestehende Nachbarschaftshilfe hinweisen – «damit das so gefragte Pflegepersonal genau dort eingesetzt werden kann, wo es zurzeit am dringendsten benötigt wird».

Hänzi kann zudem Auskunft zur Situation bei den Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden geben. Dort hätten die Meldungen betreffend Personen, die sich selbst in der Wohnung einschliessen – und bei welchen das Umfeld eine Selbstgefährdung vermutet – nicht zugenommen. Man beobachte die Situation aber aufmerksam und sei vorbereitet.

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